In guter Verfassung

Pöltl träumt von NBA-Titel mit Toronto

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Der wichtigste Move der Toronto Raptors in diesem Sommer befindet sich noch in der Schwebe.
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Die Ambitionen der Kanadier hat das Bemühen um ihren Ex-Star Kawhi Leonard aber bereits unterstrichen. Jakob Pöltl hofft, dass seinem Team kommende Saison der Schritt zu einem ernsthaften Titelanwärter gelingt. Mit Leonard könnte "ein Top-5-Spieler der NBA dazukommen", erklärte Pöltl kurz vor Ende seines Sommertrainings in Wien im APA-Gespräch. "Wir müssen uns da nicht verstecken."

Leonard hatte die Raptors 2019 zu deren bisher einzigem Meistertitel geführt. Ein Tausch für Brandon Ingram, Gradey Dick und zukünftige Draft-Rechte mit den Los Angeles Clippers war schon vereinbart, liegt aber auf Eis, weil die Liga seit dem Vorjahr wegen eines möglichen Umgehens der Gehaltsobergrenze mithilfe einer Sponsorvereinbarung ohne Gegenleistung gegen Leonard und sein aktuelles Team ermittelt. Die Causa könnte sich laut jüngsten Medienberichten bis 2027 ziehen.

Mit einem Tauschgeschäft würden die Raptors das Risiko jeglicher Bestrafung des 35-Jährigen mitübernehmen - von der Nichtigerklärung seines Vertrages bis hin zu einer möglichen längeren Sperre. "Natürlich ist die Situation nicht so fein. Lieber wäre es uns, wenn es früher geklärt wäre als später", sagte Pöltl. Das Team werde die Vorbereitung aber wie gewohnt durchziehen. "Es ist kein großes Problem. Manchmal bekommt man auch während der Saison Spieler dazu und macht auch das Beste daraus."

"Wir haben das Potenzial dazu"

Der Mehrwert von Leonard ist unbestritten. Der Routinier kam in der Vorsaison auf 27,9 Punkte, 6,4 Rebounds und 1,9 Steals pro Spiel. "Er ist immer noch einer der besten Spieler der NBA, das hat er letztes Jahr bewiesen", meinte Pöltl. "Er ist ein Spieler, der das Spiel noch mehr an sich reißen kann." Dazu komme Leonards Play-off- und Finalerfahrung. "Er hat ein Know-how und eine Ruhe in den Momenten, die bei uns als junger Mannschaft nicht so selbstverständlich ist."

Das Bemühen um den auch in der Defensive starken Flügelspieler sei "nochmal ein Zeichen". Man habe intern aber schon vor mindestens einem Jahr gemerkt, dass der Club einen Titel attackieren wolle. Pöltl: "Natürlich sind wir immer noch in einer Außenseiterrolle. Wir müssen uns in den Play-offs erst beweisen." In diesen kam in der Vorsaison nach sieben Spielen gegen die Cleveland Cavaliers das Aus.

Bleibe die Mannschaft weitgehend zusammen, seien die Chancen gut - auch wenn die Eastern Conference nicht zuletzt wegen des Wechsels von LeBron James zu den Philadelphia 76ers stärker geworden ist. "Es wird sicher nicht leicht für uns, uns da durchzusetzen", meinte Pöltl. "Um wirklich Titelanwärter zu sein, müssen wir noch einen Schritt nach vorne machen. Aber ich glaube, wir haben das Potenzial dazu."

Raptors setzen weiter auf Pöltl

Pöltl steht bei den Raptors noch bis 2030 unter Vertrag. Auch der 30-Jährige hatte nach einer Saison, in der er 36 von 82 Grunddurchgangspartien verpasst hatte, als möglicher Tauschkandidat gegolten, kam im Anfang Juli bekanntgewordenen Deal für Leonard aber nicht vor. Dass das Team so eng mit ihm an der Behebung seiner Rückenbeschwerden zusammengearbeitet hatte, sei bereits "eine Art Bestätigung" gewesen, dass das Team weiter auf ihn setze. "Das Gefühl hatte ich bei den Raptors aber eigentlich immer, dass sie sehr hinter mir stehen."

Zu einem möglichen Championship-Run will auch der Wiener in seiner elften NBA-Saison beitragen. "Ich war weder offensiv noch defensiv je ein Spieler, der das Spiel alleine an sich reißt, aber einer, der in einem System sehr, sehr gut funktionieren kann." Als mögliche Aufgabe gilt es, Topcenter der Eastern Conference wie Philadelphias Joel Embiid zu stoppen. In der Vorsaison machte Pöltl in den Play-offs mit Clevelands Jarrett Allen und Evan Mobley Bekanntschaft - mit dem besseren Ende für die Cavaliers. "Man lernt von diesen Erfahrungen", betonte Pöltl. Er könne sich gut anpassen und in einer Serie von Spiel zu Spiel besser werden.

Nach Heimtraining auf "gutem Level"

Rund fünf bis sieben Stunden pro Tag hat Pöltl im Sommer in Wien an seinem Spiel und vor allem seiner Fitness gearbeitet. "Es ist tendenziell ein längerer Arbeitstag als während der Saison." Das zusätzliche Krafttraining zur Stabilisierung des Rückens verlängerte das tägliche Programm leicht, Pöltl bescheinigte sich für den Zeitpunkt des Jahres dafür "ein gutes Level. Ich habe auch nicht irgendwie angefangen, meinen Spielstil zu verändern."

Der 2,13-Meter-Mann ist noch bis Sonntag in Wien, dann geht es für eine Trainingswoche mit Teamkollegen nach Paris und weiter nach Übersee. Die unmittelbare Vorbereitung beginnt Ende September, der Saisonstart erfolgt ein Monat später. Die gestiegene Chance, sich seinen Traum vom NBA-Titel erfüllen zu können, habe seinen Mindset in der Sommerpause nicht verändert. Pöltl: "Der Wunsch war vorher schon da, der Drive war vorher schon da. Ich glaube, eine junge, motivierte Mannschaft, in der man merkt, dass alle dahinter stehen, ist nochmal ein extra Energieschub für die Offseason - eher, als wenn man sich jetzt große Chancen ausmalt."