"Rausgeekelt"

Steven Gätjen rechnet mit ProSieben ab

© Getty Images
Moderator Steven Gätjen bricht im Podcast "Zwischen den Zeilen" sein Schweigen und erzählt von Demütigungen im Job.
Zur Vollversion des Artikels

Hinter der glitzernden Fassade der Fernsehlandschaft geht es oft beinhart zu. Das bekundet nun einer, der es wissen muss: ProSieben-Urgestein Steven Gätjen. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Zwischen den Zeilen” fand der Moderator deutliche Worte für den Zustand der Gesellschaft und insbesondere seiner eigenen Branche. Sein bitteres Fazit:

„Empathie ist etwas, was den Leuten mittlerweile abgeht”

Der TV-Alltag sei abseits der Kameras eben keineswegs eine heile Welt. Gätjen (53) offenbarte im Gespräch, dass man beim Fernsehen regelmäßig mit Charakteren konfrontiert werde, „die dich weder fördern noch unterstützen, sondern die dich hintergehen, die gegen dich intrigieren, die dir das Leben schwer machen”.

"Rausgeekelt": Harter Start bei ProSieben

Im Talk mit Podcasterin Bettina Böttinger räumte der Deutsch-Amerikaner mit dem Mythos einer makellosen Bilderbuchkarriere auf. Sein beruflicher Werdegang sei keineswegs „stringent in eine Richtung nach oben” verlaufen. Stattdessen habe er auf dem Weg nach oben „reichlich Bumps und Hindernisse” wegräumen müssen.

Besonders heftig sei es laut dem 53-Jährigen in seiner „Anfangszeit bei ProSieben” zugegangen. Damals habe er unter Chefs arbeiten müssen, die ihn gnadenlos „ignoriert, in keinster Art und Weise gefördert und auch zeitweise einfach rausgeekelt” hätten.

Falsche Freunde nach dem "Raab"-Durchbruch

Als Gätjen im Jahr 2011 den prestigeträchtigen Posten des Moderators bei „Schlag den Raab” ergatterte, klopfte ihm plötzlich die gesamte Branche auf die Schultern. Doch der TV-Star durchschaute das falsche Spiel vieler Gratulanten sofort, wie er sich erinnert: „Die letzten zehn Jahre hat keiner von euch mich unterstützt.”

Hinter den Kulissen sei das Messerwetzen nämlich munter weitergegangen. "Im Nachhinein habe ich eben auch von vielen erfahren, die sich vehement dagegen gestemmt haben”, so Gätjen bitter. Dieselben Mechanismen und Missgunst habe er – dem sogar einmal von einem US-Star Sabotage vorgeworfen wurde – auch 2019 rund um seinen Einsatz bei „Joko & Klaas gegen ProSieben" im eigenen Umfeld registriert.

Demütigungen im Chefbüro

Trotz allem betont der Moderator, wie glücklich er über seinen Job ist: „Ich glaube, ich habe viel Glück gehabt und ich war häufig zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber ich habe immer hart gearbeitet”. Die Arbeit mache ihm nach wie vor „unfassbar viel Spaß” und er empfinde tiefe Dankbarkeit für sein Leben im Rampenlicht. Dennoch vergisst er die Schattenseiten nicht, denn er habe über die Jahre „so viele Dinge erlebt und auch wirklich erniedrigende Situationen und demütigende Situationen”.

Konkret erinnert sich Gätjen an ein Meeting, bei dem ihn sein damaliger Vorgesetzter demonstrativ „eine Dreiviertelstunde warten lassen” hat. Heute hat der erfahrene Entertainer solche Psychospielchen allerdings nicht mehr nötig und zieht klare Grenzen: „Mittlerweile bin ich auch an einem Punkt, wo ich dann auch ganz klar sage: Hör zu, hier ist Schluss. So lasse ich nicht mit mir umgehen.”

Zum Abschluss plädiert Gätjen für einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe – vollkommen unabhängig von Hierarchien: „Nur weil du Dax-Konzern-Chef bist, heißt das ja nicht, du bist besser als deine Angestellte oder dein Angestellter.”