"Desaster zum Auftakt"
"Versagt" - Presse rechnet mit Harmlos-Spanier ab
"Ein Desaster zum Auftakt", titelte die Sporttageszeitung "Marca". Teamchef Luis de la Fuente gab sich hingegen gelassen. "Wenn der Ball nicht rein geht, geht er eben nicht rein", sagte der Trainer. "Es gab Schüsse, es gab Chancen und wir drängten darauf, das Spiel zu entscheiden."
Die Leistung des WM-Mitfavoriten war allerdings alles andere als glänzend. Abgesehen von einer Druckphase zum Ende der ersten Halbzeit, in der die Spanier einmal an der Latte und zweimal an Kap Verdes Torhüter Vozinha scheiterten, blieben die ganz großen Möglichkeiten aus. Zu behäbig war das spanische Spiel, das eher von Querpässen als von mutigen vertikalen Angriffen geprägt war. "Spanien versagt bei seinem WM-Auftakt gegen Kap Verde. Nicht einmal der Einsatz von Lamine konnte den schlechten Eindruck in Atlanta wettmachen", lautete daher das Fazit von "AS".
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Unerwartete Harmlosigkeit
Erst Mitte der zweiten Halbzeit brachte De la Fuente Jungstar Lamine Yamal. Der lange am Oberschenkel verletzte Barcelona-Stürmer sorgte aber nur kurz für Unruhe in Kap Verdes Abwehr. Dennoch strahlte das spanische Spiel über die Flügel mit Yamal und dem ebenfalls eingewechselten Nico Williams deutlich mehr Gefahr aus. Den Kurz-Einsatz des Duos begründete der Coach mit dem Blick auf die lange WM. "Wir wollen ihnen nach und nach mehr Spielzeit geben", erklärte der 64-Jährige. "Sie sollen Selbstvertrauen und Rhythmus bekommen."
Im nächsten Spiel gegen Saudi-Arabien am Sonntag ist ein Sieg Pflicht, die Saudis hatten Uruguay ein 1:1 abgerungen. Von der eigenen Harmlosigkeit waren die Spanier selbst überrascht. "Das ist sehr ungewöhnlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir zuletzt mal nicht das Tor getroffen haben", meinte Torhüter Unai Simon. "Natürlich hat dieses Ergebnis niemand erwartet. Und wir werden das Offensichtliche nicht bestreiten, dass wir das Spiel gewinnen wollten. Aber es gibt eben auch einen Gegner. Diese Dinge passieren, gerade bei einer WM", so Simon.
Freudentränen bei Kap Verde
Kap Verde feierte hingegen sein erstaunliches WM-Debüt. Keeper Vozinha brach nach der Partie in Tränen aus, als der 40-Jährige von seinen Teamkollegen umringt wurde. "Er war von den Emotionen überwältigt", sagte Trainer Bubista. "Er ist ein sehr erfahrener Spieler und hat all die Jahre hart dafür gekämpft, hier auf dieser Weltbühne zu stehen. Es war auch ein Ausdruck von Resilienz." Vozinha, der in der zweiten portugiesischen Liga spielt, wurde während der Partie zu einem Social-Media-Star. Auf Instagram schnellte seine Follower-Zahl von wenigen Zehntausend binnen ein paar Stunden auf fast sechs Millionen.
Sein Coach brachte nach der Überraschung noch ein anderes Thema aufs Tableau. Die sogenannten "Kleinen" bei der aufgestockten WM müssten sich nicht dafür entschuldigen, dass sie von der Erweiterung auf 48 WM-Teilnehmer profitierten, sagte Bubista. "Ich denke, wir müssen den 'kleinen' Mannschaften zu ihrer Arbeit gratulieren. Die Welt ist heute offener, und kleinere Nationalmannschaften haben ein größeres Recht darauf, gegen höherklassige Mannschaften anzutreten." Den Beweis dafür hat sein Team jedenfalls erbracht.