Chaos nach Stille

Protokoll: Das geschah nach Schüssen bei Trump-Gala

26.04.2026

Die ersten Anzeichen dafür, dass beim Dinner der White-House-Korrespondenten am Samstag etwas nicht stimmte, zeigten sich gegen 20.35 Uhr Washingtoner Zeit. 

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Gerade hatten sich die rund 2.600 Personen - Journalisten und ihre Gäste - bei der traditionellen Presse-Gala mit dem US-Präsidenten an ihre Tischen gesetzt, da ließ eine Reihe dumpfer Geräusche die Tischgespräche im Saal verstummen ließen. Dann krachten die Türen zum riesigen Ballsaal des Washington Hilton auf.

Donald Trump saß mit First Lady Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und anderen Regierungsvertretern an einem langen Banketttisch auf einem Podium. Das Präsidentenpaar war im Gespräch. Es bewegte sich zunächst kaum, als um rundherum Chaos ausbrach. "Ich dachte, ein Tablett wäre heruntergefallen", sagte Trump Stunden später auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Doch es war kein Missgeschick des Servicepersonals. Die Behörden teilten später mit, ein mit mehreren Waffen ausgerüsteter Schütze sei durch eine Sicherheitskontrolle im Stockwerk über dem Ballsaal gestürmt. Dies geschah in demselben Hotel, in dem 1981 der Attentäter John Hinckley Jr. auf Präsident Ronald Reagan geschossen hatte, als dieser eine Veranstaltung verließ.

Beim Presse-Dinner am Samstag stürzten sich bald darauf Agenten des Secret Service schützend auf Trump zu. Der Präsident duckte sich, als sie ihn aus seinem Stuhl zogen. Er warf flüchtige Blicke in die Mitte des Raumes, wo andere Secret-Service-Agenten über Stühle und Tische stiegen, um Politiker zu schützen. Auch Vance und Außenminister Marco Rubio wurden eilig in Sicherheit gebracht.

"USA! USA! USA!"

Im Ballsaal flüchteten Kellner den Mittelgang hinunter. Zivilbeamte sprangen von ihren Sitzen auf. Sie drückten mehrere Kabinettsmitglieder zu Boden, die noch Momente zuvor an unter den Journalisten gesessen hatten, und brachten die Regierungsvertreter dann unter den Tischen in Sicherheit. Andere Sicherheitsleute tauchten scheinbar aus dem Nichts in voller Bereitschaftsmontur auf, ihre Gewehre auf die erschrockenen Gala-Gäste gerichtet. Viele hatten sich in ihren Smokings und Abendkleidern auf den Boden geworfen und waren unter Tische und Stühle gekrochen. Mehrere Gäste begannen zu skandieren: "USA! USA! USA!"

Dann machte sich ein ganzer Saal voller Journalisten rasch an die Arbeit. Nach mehreren nervenaufreibenden Minuten am Boden standen sie auf und holten ihre Smartphones aus den Taschen, um die weiteren Ereignisse im Bild festzuhalten. Gerüchte machten die Runde. Reporter kämpften um WLAN-Zugang. Das Passwort für das Netzwerk der Veranstaltung, wie viele dann erfuhren, lautete "MOREWINE".

Durstige Journalistn geht viral 

Für Gesprächsstoff sorgte auch eine Journalistin, die bei der Gala geladen war. Wie Videos auf X zeigen, bewahrte sie nach dem Chaos im Ballsaal kühlen Kopf, hatte aber scheinbar jede Menge Durst. Denn trotz des ganzen Trubels hatte sie ein Auge für die auf den Tischen abgestellten Getränke. So ergriff sie eine Weinflasche und nahm sie für einen Afterwork-Drink mit nach Hause.

Hinter der Bühne bestand Trump darauf, dass die Veranstaltung weitergehen müsse. Er teilte den Leitern der White House Correspondents' Association mit, dass er noch seine Rede halten wolle. Der Secret Service überzeugte ihn aber davon, ins Weiße Haus zurückzukehren. Das Dinner wurde abgesagt. Die Herren lösten ihre Fliegen, die Damen streiften ihre High Heels ab. Weijia Jiang, Korrespondentin des Weißen Hauses für CBS News und Präsidentin der White House Correspondents' Association, bat die Gäste wenig später, das Hilton zu verlassen. Schaulustige beobachteten die abziehenden Gala-Gäste und filmten sie mit ihren gezückten Handys. 

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