Syrien

USA und Großbritannien bereiten Angriff vor

26.08.2013

Militärschlag in den nächsten Tagen? Angriff könnte mit Raketen erfolgen.

Zur Vollversion des Artikels
© AFP, U.S. Navy
Zur Vollversion des Artikels

Die USA erwägen wegen des mutmaßlichen Einsatzes von Chemiewaffen einen bis zu zwei Tage dauernden Angriff auf Syrien, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise. Präsident Barack Obama prüft einen Militärschlag, dessen Umfang und Dauer begrenzt wären und die USA nicht tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineinziehen würde.

Auch die britischen Streikräfte bereiten Pläne für einen Militäreinsatz in Syrien vor, gab ein Regierungssprecher in London bekannt. Es sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden. Der Sprecher sagte weiter, dass Großbritannien aus "strategischen Gründen" rasch reagieren müsse. Es solle sich um eine "verhältnismäßige Antwort" handeln. Premierminister David Cameron hatte am Dienstag seinen Urlaub abgebrochen und berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein.

Syrien: Werden uns gegen Angriff verteidigen
Im Falle eines Militärschlags würde sich Syrien verteidigen, sagte Außenminister Walid Muallem. Damaskus werde sich auch bei seinem Vorgehen gegen die Aufständischen nicht beirren lassen, betonte der Chefdiplomat. Es sei "illusorisch" zu denken, dass eine Militärintervention die Machtbalance im syrischen Bürgerkrieg verändere, sagte Mouallem. Zugleich räumte er ein, dass ein Militärschlag des Westens "nur den Interessen der Al Kaida und Israels" diene.

Russland warnt
Russland warnte vor einem Militäreinsatz. Ein solches Vorgehen "würde neues Leiden in Syrien verursachen und hätte katastrophale Folgen für andere Länder im Nahen Osten und in Nordafrika", erklärte das russische Außenministerium. Derzeit gebe es "Versuche, den UNO-Sicherheitsrat zu umgehen". Zudem werde nach "künstlichen und unbegründeten Vorwänden für eine Militärintervention" gesucht, beklagte das Ministerium.

© APA

Angriff mit Raketen
Vermutlich würde der US-Angriff mit Marschflugkörpern vom Meer aus oder durch Langstreckenbomber erfolgen. Ziele wären Armeeeinrichtungen, die nicht direkt in Verbindung mit dem Chemiewaffen-Arsenal des Landes stehen. Kriegsschiffe der US-Marine mit Marschflugkörpern befinden sich bereits im Mittelmeer.

Die Umsetzung des Plans hängt von drei Faktoren ab: Den Abschluss der Geheimdienst-Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Angriff nahe Damaskus, den Beratungen mit den Verbündeten und dem US-Kongress sowie dem Vorhandensein einer juristischen Grundlage auf der Basis internationalen Rechts.

Regierungssprecher Jay Carney machte klar, dass es für Washington kaum noch Zweifel gebe, dass die Führung in Damaskus hinter dem mutmaßlichen Giftgasangriff steckt. "Wir meinen, dass es sehr wenig Zweifel gibt, dass Syrien verantwortlich ist", sagte Carney am Montag in Washington. Allein das Regime von Bashar al-Assad verfüge über Raketen, um Chemiewaffen abzuschießen.

UNO-Inspektoren beschossen
Zuvor waren UNO-Chemiewaffenexperten in Damaskus, die die Giftgas-Vorwürfe untersuchen sollen, gleich zu Beginn ihres Einsatzes unter Beschuss von Heckenschützen geraten. Ihr Konvoi wurde am Montag beschossen, als die Fahrzeuge die imaginäre Frontlinie passierten. Rebellen berichteten, regierungstreue Milizen hätten vom Messe- Militärflughafen aus das Feuer auf das UN-Team eröffnet. Wie die UNO mitteilte, wurde die Untersuchung aber fortgesetzt. Das Team habe "wertvolle Daten" zu den Giftgas-Vorwürfen gesammelt.

Arabische Liga: Damaskus für Giftgas-Einsatz verantwortlich
Die Arabische Liga beschuldigt die syrische Führung, für den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in der vergangenen Woche verantwortlich zu sein. Die Führung in Damaskus trage die "volle Verantwortung" für den Angriff vom 21. August, hieß es in einer Erklärung des Staatenbundes nach einer Sondersitzung am Dienstag in Kairo. Die Verantwortlichen seien "Kriegsverbrecher" und müssten vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Der Irak und Algerien meldeten "Bedenken" gegen die Erklärung an. Der Libanon enthielt sich bei der Abstimmung über das Dokument. Die arabische Führungsmacht Saudi-Arabien ließ unterdessen durchblicken, dass sie sich an der westlichen Militäraktion gegen Syrien beteiligen könnte. Außenminister Prinz Saud al-Faisal sagte am Dienstag, dass eine "entschlossene und ernsthafte Haltung" gegenüber Syrien erforderlich sei.

Damaskus bestreitet Vorwürfe
Damaskus bestreitet den Einsatz chemischer Kampfstoffe und beschuldigt stattdessen die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben. Laut Ärzte ohne Grenzen sind in von der Organisation betreuten Krankenhäusern 3.600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt worden. Von ihnen seien 355 gestorben.


 
Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel