01. Juni 2010 15:44
© Yellow Bird Pictures, Foto Knut Koivisto
Der Racheplan scheitert. Lisbeths Salanders sadistischer Vater überlebt den
Anschlag auf ihn, sein hünenhafter Handlanger Niederman kann fliehen. Die
Heldin der Stieg-Larsson-Krimireihe selbst wird schwer verletzt. Nun ist das
Missbrauchsopfer Salander dort, wo ihr jahrelanges Martyrium einst begann:
in der Obhut staatlicher Institutionen. Als Jugendliche wurde sie von ihren
Peinigern in die Psychiatrie gesperrt, in dem Film "Vergebung"
(Kinostart am Donnerstag, 3.6.) wartet sie im Krankenhaus auf einen Prozess.
Der letzte Teil der Krimitrilogie erzählt von der Auflösung des Falls
Lisbeth Salander. Neben dem Mafioso Zalachenko sind eine Biker-Gang und ein
dubioser Geheimdienst mit von der Partie.
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Teil drei ohne Vorwissen sinnlos
Die beiden ersten Filme
brachten es auf ein solides, aber nicht überragendes Einspielergebnis in
Deutschland: 700.000 Zuschauer sahen "Verblendung"
(2009), 450.00 "Verdammnis" (2010). Als letzter Part wird es "Vergebung"
an der Kinokasse schwer haben, denn ohne Vorwissen aus den Teilen 1 und 2
ist vom Besuch des letzten Teils abzuraten. Angesichts weltweit 21
Millionen verkaufter Exemplare der Krimi-Reihe wird es aber genug
eingefleischte Stieg-Larsson-Fans geben, die dem Finale furioso
entgegenfiebern.
Spionage
Die Story geht übergangslos von Part 2 zu Part 3 weiter:
Der Journalist Mikael Blomkvist, Alter Ego vom 2005 gestorbenen Autor
Larsson, will Licht in das Dunkel um den ominösen Ex-KGB-Spion Alexander
Zalachenko bringen. Dieser wechselte im Kalten Krieg die Seiten. Er gab den
Schweden sein Sowjet-Wissen preis, dafür drückten staatliche Instanzen bei
seinen kriminellen Machenschaften ein Auge zu. Der schwedische Geheimdienst
deckte ihn dabei.
Politthriller
Wie weit lässt sich der Staat korrumpieren, wenn
er mit Schwerverbrechern als Informationsträger zusammenarbeitet? Larsson
überdreht die Politthriller-Schraube. Ein Staat im Staat entsteht, ein
Bereich mit absoluter Rechtlosigkeit. Wer dem Geheimdienst in die Quere
kommt, wird mundtot gemacht oder umgebracht.
Überragende Schauspieler
Regisseur Daniel Alfredson folgt
der Buchvorlage linear und so werktreu, wie es die Kürzung von 846
Romanseiten auf 146 Filmminuten zulässt. Die für ihre famose
Leinwandleistung gefeierte Hauptdarstellerin Noomi Rapace mimt erneut eine
intensive Amazonenkriegerin, die in Gefangenschaft waffenlos ihrem Schicksal
harren muss. Auch Michael Nykvist ("Zusammen!") bietet eine
sehenswerte schauspielerische Leistung.
Letzter Teil weniger originell
Larssons dritter Roman ist sein
mit Abstand schwächster. Zuvor beschrieb er zweimal meisterhaft die Familie
als Schauplatz traumatisierenden Missbrauchs, in der Mädchen Opfer von
brutalen Vätern werden. Im dritten Part verlässt Larsson diese
klaustrophobisch-ausweglose Familienkonstellation. Er sucht sein Heil in der
großen Verschwörungstheorie vom Überwachsungsstaat. Es sind solide, aber
letztlich wenig originell aneinandergereihte Thriller-Bausteine. Das Ende
gerät so, wie sich ein engagierter Politjournalist eine bessere Welt wohl
erträumt: Die bösen Buben kriegen allesamt ihre gerechte Strafe und
unschuldig Angeklagte kommen mit blitzblanker Weste ins Sonnenlicht der
Freiheit.