18. Juni 2009 14:47
© Albertina, Wien - Peter Ertl
Sieben Künstler, die den Körper und das Gesicht als Ausdrucksträger in das
Zentrum ihrer Arbeit stellen, präsentiert die Albertina in der neuen Schau
"Body and Language. Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina", die ab
Donnerstag, 18.6., zu sehen ist.
Gleich im ersten Saal widmet man sich drei Positionen, die "den
Männlichkeitswahn unterlaufen", wie Direktor Klaus Albrecht Schröder
erläuterte. Während Helmut Newton in seiner Serie "Big Nudes" Frauen "so
zubereitet, dass sich wohl keine Frau in ihrem Selbstverständnis darin
wiederfindet", bildet Gottfried Helnwein hier ausschließlich männliche
Persönlichkeiten und deren Selbstwahrnehmung ab. Elke
Krystufek schließlich vertrete die "konträre Seite", so Schröder.
Großflächig präsentiert werden auch zahlreiche in der Albertina-Sammlung
vertretene "One Minute Sculptures" von Erwin Wurm, der die Selbstwahrnehmung
des Menschen erst durch die Begegnung mit anderen Gegenständen definiert. Im
Portikus sind auch Arbeiten wie "Spitting in someone's soup" oder "Pee on
someone's rug" vertreten. Neben der plakativen Schönheit von Newtons Nackten
findet sich in der Ausstellung aber auch die eindringliche
Auseinandersetzung mit dem Altern des Körpers von John Coplans wieder, der
seinen Körper fotografisch in Einzelteile zerlegt, wobei er seinen Kopf
ausblendet. Der nackte Körper vereine "Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft", wie es im Presseheft heißt. Er sei für den Künstler "ohne
Zugehörigkeit zu einer Gesellschaftsschicht, ohne geografische Herkunft,
ohne Sprachbarrieren". Die "Jugend unserer Zeit" belichtet die Belgierin
Marie-Jo Lafontaine in ihren Arbeiten, Chuck Close ist mit fotorealistischen
Werken vertreten.
Eindrucksvolle Bilder aus seinem Buch "Faces" sind von Helnwein zu sehen: Er
streicht hier "virile Fantasien" aus der Perspektive des Modells hevor: So
inszeniert er in drei Fotos Keith Richards im Prozess des
Zigaretten-Anzündens, daneben blickt Michael Jackson traurig und
unzugänglich in die Kamera. Effektvolle Betrachtungsweisen ergeben sich
durch die Hängung, die einerseits H.C. Artmann und Clint Eastwood einander
gegenüberstellt oder der krasse Widerspruch zwischen einem fröhlichen Elton
John und dem von seiner Nazi-Verstrickung gezeichneten Bildhauer und
Architekten Arno Breker.
Krystufek steht im krassen Gegensatz zu Newtons Frauendarstellungen und
Helnweins Ego-Präsentationen: Zu sehen sind neben der Foto-Serie
"Pain(ting)?!" auch noch zwei Installation mit Puppen, die in Verbindung zu
den "Big Nudes" auch ohne Worte Bände sprechen.
"Body and Language. Zeitgenössische Fotografie aus der Albertina". 18.
Juni bis 27. September, Albertina.