Jugendkultur

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Die Krocha waren einmal - jetzt kommen die Lohas!

Die schnelllebige Zeit fordert auch ihren Tribut bei der Jugendkultur. Während die Krocha & Emos sich zu Beginn des Jahres in Österreich explosionsartig vermehrten, sind die Jumpstyler mit den "Flashkappaln", die sogar ihre eigene Jugendsprache entwickelten, weitgehend aus den Straßen verschwunden, normaler Discoalltag ohne speziellen Style ist wieder eingekehrt. Auch die Emos mit ihren Punktkleidern, dickem, schwarzen Kajal und zerzauster Frisur erleben eine Rezession auf ihre Art, die typische Mode ist den Shops aber noch erhalten geblieben (Stichwort Generali Center).

Heterogene Gruppen
Die Jugendkultur in Österreich wird immer unterschiedlicher: HipHopper", "Skater", "Technos", "Computerspieler", "Krocha" oder "Snowboarder" haben längst Einzug gehalten. Seit den wilden 60er und rebellischen 70er Jahren haben sich Jugendszenen gewaltig verändert. Die größte Szene der österreichischen Jugendkultur heute sind die "Snowboarder", am schnellsten wächst derzeit die "Fitness"-Szene und stark im Kommen sind die "Lohas", sagt Jugendforscher Manfred Zentner.

Krocha erinnert an Unterschicht
Junge Szenen wie die "Krocha" oder "Emos" haben vergleichsweise eine kleinere Gruppe an Anhängern. Erstere dürfte sich laut Jugendforscher nicht mehr allzu lange halten. Die "Krocha"-Szene aus dem ostösterreichischen "ins Festl oder in die Party einekrochn" hat ihre Anfänge im Jahr 2007, entstanden ist sie in den Großraumdiscotheken an der Peripherie Wiens. "Sie werden sich nicht lange halten können. Entwickelt haben sich die 'Krocha' aus einem Unterschicht-Milieu, das schön sein wollte, sich aber die 'House'-Szene nicht leisten konnte", sagte Zentner. "Der Punkt ist, dass sich niemand mit der Unterschicht identifizieren will. Die Gruppe wird nicht wachsen", meint der Jugend-Experte.

Öko ohne Birkenstock-Schlappen
Im Kommen sind in Österreich die "Lohas" (von Lifestyle of Health and Sustainability). Das sind Personen, die bewusst - auch im Sinne von umweltbewusst - einkaufen und ihre Lebensweise auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ausrichten. "Diese Leute sind bereit, Geld auszugeben und wollen gesund leben", sagte der Jugendforscher. "'Lohas' laufen aber nicht in Birkenstockschlapfen herum, sie schauen eher aus wie 'House'-Typen, sind über 20 Jahre alt und können sich ihren Lebensstil leisten. Beim Kleiderkauf machen sie sich Gedanken, wo diese hergestellt wurden. "Lohas" konsumieren gerne, haben aber keine radikalen Weltansichten. "Sie sollen nicht verzichten, um die Welt zu retten. Sondern meinen, das auch anders lösen zu können", erklärt Zentner.

Gemeinsamer Code
In der Szene regiert der Code: Wenn Jugendliche von "Writen" (Sprayen), "Pros" ("Skateboard Profis"), "Schichtpatienten" (Jugendliche, die in die Discothek Nachtschicht gehen), "grunzen" (aus der Metal-Szene) oder "abraven" (aus der Techno-Szene) reden, verstehen Erwachsene nur Bahnhof. Die gemeinsame Sprache - der Code - ist genauso wichtig, wie die Kleidung oder die Musik.

Szenen werden auch in dem Maße wichtiger, in dem die traditionellen Institutionen wie Politik und Kirche an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig sind sie Orientierungssysteme. Jugendszenen sind soziale Welten und formieren sich um Themen, die für Jugendliche attraktiv sind: allem voran um Musik, Funsport und Medien. Drei von vier Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren gehören in Österreich einer Szene an.

Foto (c): APA

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