04. Oktober 2008 21:26
Ihre Hits heißen nicht This is the Life wie bei Amy McDonald oder Gib mir
die Sonne wie von Rosenstolz, sondern tragen sperrige Namen: Alma Redemtoris
Mater oder Hodie Christus Natus Est. An die Spitze der Charts hat sie das
trotzdem gebracht. Die Zisterziensermönche vom Stift Heiligenkreuz haben die
wohl verrückteste Pop-Karriere 2008 hingelegt. 500.000 verkaufte CDs, 60.000
allein in Österreich (Doppel-Platin), Platz eins in den Klassik-Charts in
den USA –und das war erst der Anfang.
Trotzdem: Da saßen gestern auf der Wettcouch von Thomas Gottschalk zwei
bescheidene, aber lebensfrohe Mönche wie aus einem klerikalen
„Pannini-Album“ , gaben artig und spitzbübisch Antworten: Pater Karl und
Pater Philipp waren die stillen Stars von „Wetten, dass..?“. Und das, obwohl
sie wenig preisgaben. „Unser Gesang ist unser Gebet“, sagt Pater Karl (44).
„Wir singen nur in unserer Kirche.“
CD in der Kirche
Auch die CD der Pop-Mönche wurde deshalb nicht
im Tonstudio, sondern in Heiligenkreuz aufgenommen. In der klostereigenen
Kreuzkirche musste sogar ein eigenes Tonstudio aufgebaut werden.
Hat sich aber gelohnt, denn seit gestern ist die CD Nummer zwei im Laden,
gleich eine doppelt so lange und sie nimmt das Geschäft des Jahres ins
Visier: Weihnachten. Die Doppel-CD Chant – Music für Paradise:
Weihnachtsedition ist prall gefüllt mit 54 Chorälen. Kein Ihr Kinderlein
kommet oder Stille Nacht ist drauf, natürlich, aber fetzige Chorgesänge, die
es warm werden lassen ums Herz.
Der Auftritt bei „Wetten, dass..?“ (zehn Millionen Zuschauer) soll dem
CD-Verkauf einen weiteren Schubs geben. Mit 50 Prozent plus wird gerechnet.
Der Anteil der Mönche bleibt bescheiden: 55 Cents pro CD. Immerhin auch das
wird sich bis Jahresende auf 700.000 Euro läppern. Vielleicht langt es sogar
für die Million.
Nix für sich
Den Mammon stecken die Mönche aber nicht in
die eigene Kutte, sondern spenden mit vollem Herzen für Not leidende
Theologiestudenten aus der Dritten Welt.
Wie alles begann: Auch das ist eine Geschichte für sich. Die Plattenfirma
Universal schrieb im Februar einen weltweiten Gesangswettbewerb für Chöre
aus – eine Art kirchliches Starmania. Die Mönche aus dem Wienerwald bewarben
sich am letzten Tag und mit einem alten Internet-Clip, den sie zuvor auf
„youtube“ gestellt hatten. Sie siegten haushoch. „Es ist von oben verfügt
worden“, nennt das Pater Karl.