Löbl-Kritik

© Wiener Staatsoper

"Don Carlo": Ein Star in Bestform

Wer Thomas Hamp­son hören will, muss vor der Sommerpause die Aufführungen von Verdis Don Carlo besuchen. Nächste Saison ist er in der Wiener Staatsoper absent. Das ist bedauerlich.

Als Posa war er am Sonntag in jeder Hinsicht eine ideale Besetzung. Stimmlich in Bestform, nuanciert im Ausdruck, als Persönlichkeit dominant und als Figur ein mitfühlender Mensch.

Ohne Pathos
Ähnlich beeindruckend René Pape, nach allzu langer Pause endlich wieder in Wien, als Philipp. Sein im Charakter doch eher deutscher Bass hat Kraft, ohne aufzutrumpfen, ist eines schönen Legato fähig und in Höhe und Tiefe gleichermaßen sicher. Der große Monolog und die Szene mit Posa waren ohne Opern­pathos dramaturgisch klug gestaltet.

Effektvoll
Die Partner führten auch stimmlich ­italienisches Operntheater vor. Luciana d’Intino (Eboli) ist ein dramatischer Mezzo mit effektvoller Höhe und einer fast maskulinen Färbung in der Tiefe.

Norma Fantini singt eine gefühlvolle, berührende Elisabeth; Franco Farina (Carlos) ist ein tenorales Mittelgewicht mit guter Höhe und bemühten Pianotönen. Vor Stefan ­Kocans Großinquisitor brauchten die Spanier, denke ich, nicht in die Knie zu fallen.

Musikalischer Lotse
Für eine solche Wiederaufnahme ohne Orchesterprobe ist Marco Armiliato ein sicherer Maestro. Er kennt das Stück, seine Probleme, die Sänger und die Qualitäten des Orchesters. Als musikalischer Lotse ist er kaum zu übertreffen.

(Weitere Vorstellungen: 18., 23., 27. Juni.)

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