Buh-Rufe: Fahle Untote in eigener Hölle

Don Giovanni

© Werner Kmetitsch

Buh-Rufe: Fahle Untote in eigener Hölle

In einem Gefängnis ist die Grazer Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni" angesiedelt, die Samstagabend, 6.11. Premiere hatte. Regisseur Johannes Erath lässt die Darsteller fast wie farblose Untote umherirren, getrieben von dem Zwang, immer und immer wieder die Geschichte des großen Frauenverführers nachzuspielen. Dabei ist es ein Spiel, das hier die Frauen unter sich ausmachen, so stark und präsent sind sie alle. Das Publikum reagierte zum Teil etwas verstört auf die durchdachte, ungewöhnliche Aufführung.

Blass
Zu Beginn sitzen alle Figuren lustlos an einem großen Tisch und hören zu, wie über Lautsprecher das Ende der Oper ertönt. Dann stehen diese blassen Gestalten vor dem Vorhang und verbeugen sich fast wie Puppen, um beim ersten Ton der Ouvertüre zu Boden zu fallen. Doch während die Musik ertönt, raffen sie sich mühsam wieder auf, verschwinden hinter dem Vorhang und beginnen wieder von vorne mit dem Spiel. Dabei wirken sie wie geisterhafte, fremdgesteuerte Wesen, die immer weiter machen. Am Ende fährt Don Giovanni nicht mehr oder weniger bildlich zur Hölle, sondern wird von Don Ottavio erschossen. Was folgt, ist nicht die Schlussszene, sondern Don Ottavios Arie "Nella sua pace", dann fällt der Vorhang. Ein radikaler, aber ungemein effektvoller Eingriff, denn diese wunderschöne, von aufopfernder Selbstaufgabe kündende Arie bekommt dadurch eine völlig andere Bedeutung und macht aus dem sonst eher unauffälligen Verlobten von Donna Anna einen kühlen Rächer.

Rache statt Verführung

Und um Rache geht es in dieser Inszenierung weit mehr als um Verführung, die passiert fast nebenbei. Alle tun, was sie tun müssen - oder schon immer getan haben. Jede Figur ist mehrmals und in verschiedenen Lebensaltern vorhanden, Zeit und Raum spielen eigentlich keine Rolle mehr. Ob der Schuss am Ende das Spiel wirklich beendet, ist daher mehr als zweifelhaft.

Nicht überzeugend

Musikalisch war der Abend nicht durchwegs überzeugend, was unter anderem an der schwerfälligen Stabführung von Hendrik Vestmann lag, der das Philharmonische Orchester nicht wirklich zu feurigem Spiel animieren konnte. Ein weiterer Schwachpunkt der Aufführung ist der ausstrahlungsarme, wenn auch stimmschöne Don Giovanni von Boaz Daniel. Ein ebenfalls eher unauffälliger Leporello (Alik Abdukayumov), der gesanglich großteils überzeugte, passte in diesem Fall allerdings zur Titelfigur.

Starke Frauen
Ganz anders dagegen die Frauen, allen voran Margareta Klobucar als blonder, bleicher Racheengel Donna Elvira, bis zuletzt zwischen Hass und Liebe schwankend. Eine großartige, starke Donna Anna zeigte Gal James mit schöner Stimme, ebenso überzeugend Sieglinde Feldhofer als junge, sinnliche Zerlina. Wilfried Zelinka spielt und singt Masetto mit großer Präsenz und Durchschlagskraft, während Antonio Poli (Don Ottavio) durch strömenden Wohlklang überzeugte. Als Komtur schon seit 23 Jahren in diesem Haus zu sehen, sang Konstantin Sfiris auch diesmal wieder mit sicherem Bass diese Rolle. In den metallenen Gefängnisräumen (Bühne: Stefan Heinrichs) kommen die wirkungsvollen Kostüme in ihren fast farblosen Grau-Braun-Blau-Schattierungen (Claudia Jenatsch) bestens zur Geltung, ein schönes Zitat ist auch das spanische Torero-Wams, das Don Giovanni zeitweise trägt.

"Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Grazer Oper. Karten unter Tel. 0316/8000 oder www.oper-graz.com).


 

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