Ex-Albertina-Direktor Konrad Oberhuber ist tot

Todesfall

© Albertina Wien

Ex-Albertina-Direktor Konrad Oberhuber ist tot

Der langjährige Direktor der Albertina, Konrad Oberhuber, ist tot. Der Kunsthistoriker, der fast 40 Jahre lang für die Grafische Sammlung Albertina tätig war, von 1987 bis 1999 auch als Direktor, starb am Mittwoch in seinem Wohnort bei San Diego (US-Bundesstaat Kalifornien) an den Folgen einer schweren Erkrankung.

Direktor Albrecht Schröder: Trauer in der Albertina
Der amtierende Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder bezeichnete Oberhuber in der Aussendung als einen der renommiertesten Zeichnungskenner und bedeutendsten Kunsthistoriker unserer Zeit. "Die Albertina wird ihrem langjährigen Direktor immer ein ehrendes Andenken bewahren", mit Oberhuber habe Schröder "eine enge persönliche Freundschaft verbunden". Sein Vorgänger habe "an der Neustrukturierung der Albertina bis zu seiner schweren Erkrankung regen Anteil genommen" und ihm "auch immer wieder als willkommener Ratgeber zur Seite gestanden", schreibt Schröder.

Kulturministerin Schmied: "Fürsorglicher Kurator des Hauses"
Als "beeindruckenden Erzähler und Analytiker der Kunstgeschichte" würdigte Kulturministerin Claudia Schmied den verstorbenen ehemaligen Direktor der Albertina, Konrad Oberhuber. Dieser habe zweifelsohne zu den Großen gehört, die dieses Haus geführt haben, sein Tod hinterlasse eine "große Lücke in der Fachwelt". Und weiter: "Als Kunsthistoriker war er ein Garant für die Qualitätsentwicklung der Albertina und als Kunstmanager ein fürsorglicher Kurator des Hauses", so Schmied.

Eine Biografie
Oberhuber wurde am 31. März 1935 in Linz geboren, wo er den Großteil seiner Schulzeit verbrachte. 1953 begann er ein Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Psychologie und Philosophie sowie eine Dolmetschausbildung für Englisch an der Universität Wien. Nach Auslandsstipendien in Köln und Rom promovierte Oberhuber 1959 mit einer Dissertation über den Hofmaler Bartholomäus Spranger.

Frühe universitäre Laufbahn
Seine ersten beruflichen Kontakte zur Albertina knüpfte Oberhuber bereits 1961, als er zum Kustos der Graphischen Sammlung bestellt wurde. Es folgten Gastprofessuren unter anderem in Cambridge (1968) und Harvard (1974), wohin er 1984 erneut als Professor berufen wurde. 1971 habilitierte sich der Kunsthistoriker an der Universität Wien, weitere Auslandsaufenthalte führten ihn als Kustos an die National Gallery in Washington D.C. und ans Institute for Advanced Study in Princeton (USA). Der Wissenschafter hat in so gut wie allen grafischen Sammlungen der Welt unbekannte Zeichnungen verschiedenster Künstler identifiziert. Er schrieb unzählige Essays und wissenschaftliche Beiträge für die internationale Kunstwelt und hielt zahlreiche öffentliche Vorträge.

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Forschungstätigkeit
Als Direktor der Albertina war Oberhuber die Erforschung der Sammlungen ein Hauptanliegen, wobei in seiner Direktionszeit erstmals nach über 50 Jahren wieder Sammlungskataloge erschienen. Außerdem leitete er die Digitalisierung der Bestände ein. Sein Verdienst ist es auch, dass die Albertina heute unter anderem die bedeutendste Sammlung von Zeichnungen und Druckgrafiken Oskar Kokoschkas besitzt und die wichtigsten Sammlungen osteuropäischer Grafik insbesondere aus Polen, Ungarn und Tschechien außerhalb ihrer Heimatländer. Die Umsetzung seiner Ideen für die Albertina-Neugestaltung, etwa den Tiefspeicher oder die vollautomatische Zeichnungsbeschaffung, konnte er allerdings nicht mehr selbst überwachen.

Ehrenkreuz I. Klasse
Nach seinem Abgang von der Albertina widmete sich Oberhuber wieder der Lehrtätigkeit, u.a. als Gastlektor für Kunstgeschichte an der International Christian University in Tokio. "Damit konnte ich Abstand zu dem gewinnen, was in Wien vorging", sagte Oberhuber anlässlich seines 70. Geburtstages. Denn: "Natürlich geht mir die Albertina ab, mit all ihren wunderbaren Forschungsmöglichkeiten und der herrlichen Sammlung." Für seine wissenschaftlichen Leistungen auf nationalem und internationalem Gebiet sowie für seine Verdienste als langjähriger Direktor der Albertina wurde Oberhuber 2001 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

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