Grenzüberschreitende Kunst in Salzburg

Sommerszene

© Sommerszene

Grenzüberschreitende Kunst in Salzburg

Da stopft sich eine Frau eine Kirschtorte ins Geschlecht und onaniert dabei. Später leckt sie an ihrem Höschen herum, beschimpft das Publikum oder räkelt sich im Eva-Kostüm in einer Wasserpfütze. Splitternackte Männer turnen derweil wie geile Affen kreischend durch das Publikum, um anschließend ihre Allerwertesten weit geöffnet zu Schau zu stellen, animalische Masturbation zu simulieren und künstliches Sperma zu lecken. Am Ende wühlen sich 16 nackte Tänzer und Schauspieler wie bei einer Massenorgie über den Tanzboden und legen sich schlafen, weil Arvo Pärts Klavier- und Cello-Duo "Spiegel im Spiegel" so wunderschön müde macht.

Pornografie?
Alles andere als das. Der kanadische Choreograf und Regisseur Dave St-Pierre und seine Truppe zeigen mit dem Stück "A little tenderness for crying out loud" krasse Nacktheit, gespickt mit tieftrauriger Melancholie und beglückender Poesie. Nacktheit nicht zum Provozieren des bürgerlichen Anstandsgefühls, sondern als Zeichen menschlicher Kleinheit, Verletzlichkeit und - zugegeben - auch triebhaft-lustvoller Lebendigkeit. Tosender Applaus und johlendes Getrampel des Publikums jedenfalls nach der Österreich-Premiere Abend bei der Salzburger Sommerszene. Wer Interesse an Grenzerfahrungen im künstlerischen Bereich hat, ist hier richtig.

Salzburger Sommerszene im Republic, Details zum Programm: 0662 / 84 34 48-0 oder www.sommerszene.net

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