Hochglanz-Musik mit Welser-Möst

Neujahrskonzert

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Hochglanz-Musik mit Welser-Möst

Das ist diesmal weder Lustbarkeit noch Show, weder Suche nach Originalklang noch Spektakel, auch Sentimentalität oder billige Knalleffekte sind vermieden. Für Franz Welser-Möst ist das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker eine schöne Gelegenheit, Werke der Strauß-Dynastie, von Lanner und Hellmesberger ernst zu nehmen, sorgfältig auszuputzen, in ihrem wienerischen Charakter und Eigensinn möglichst genau und im richtigen Tonfall wiederzugeben. Für ihn zählen die Musik, ihre Eigenart und Schönheit, nicht die erzielbare Wirkung oder der außermusikalische Effekt.

Herrliche Walzer mit 
wienerischen Schleifern
Es ist möglich, dass ein paar Fernsehzuschauer am Samstag das vermissen werden, was für gute Laune oder Unterhaltung gilt. Sie sollten gut zuhören und müssen nicht ständig zuschauen. Die Walzer dieses Programms werden sie schon seit vielen Jahren nicht mehr so herrlich erfühlt, erspürt, mit den richtig dosierten Rubato-Effekten und wienerischen Schleifern erlebt haben. Und auch die schnellen Nummern wie Galopp, Polka, Csardas gelingen Welser-Möst mit dem rechten Drive, in jedem Detail sorgfältig ziseliert, durchaus temperamentvoll.
Schon bei der Voraufführung am Donnerstag hatte man den Eindruck, die Wiener Philharmoniker spielten Hochglanzmusik. Jene wenig bekannten und auch weniger inspirierten Stücke des Strauß-Sohnes, die solchen Hochglanz nicht vertragen, fielen etwas ab, waren eher bemühte Vorstellung von Jugendwerken als deren Aufwertung. Liszts Mephisto-Walzer, ungekürzt und daher gewichtig wie eine symphonische Dichtung, passt überhaupt nicht in ein Programm, das auf Jubiläen (200. Geburtsjahr des Komponisten) eigentlich nicht Rücksicht zu nehmen brauchte.

Virtuose Selbstverständlichkeit
Die Philharmoniker beweisen auch diesmal, dass diese Musik von ihnen mit einer virtuosen Selbstverständlichkeit gespielt werden kann, wenn sie vom Dirigenten nicht gestört, sondern unterstützt werden. Das war diesmal der Fall. Welser-Möst, der meint, Musizieren bestehe aus geben und nehmen, gab größtes Verständnis und Ordnungssinn und erhielt dafür Qualität plus wienerische Schönheit.

Autor: Karl Löbl
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