Jussi Adler-Olsen ohne Carl Morck

"Takeover"

Jussi Adler-Olsen ohne Carl Morck

Es ist ein bekanntes Phänomen: Wenn Krimischriftsteller den internationalen Durchbruch schaffen, kommen dann auch nach und nach die Bücher auf den Markt, mit denen sie diesen Durchbruch eben noch nicht geschafft haben. Für den Dänen Jussi Adler-Olsen stellte sich der Erfolg mit dem kauzigen Ermittler Carl Morck ein. Doch es geht auch ohne diese Figur, wie nun der Thriller "Takeover" beweist.

2009 erschien "Erbarmen" auf dem deutschen Buchmarkt, der erste Fall für Morck und sein Sonderdezernat Q. Fünf weitere Bücher mit dem Protagonisten sind seither erschienen - doch nicht nur das. Im Jahr 2012 kam "Das Alphabethaus" auf den deutschen Markt, ein Jahr danach "Das Washington-Dekret". Beide Bücher schrieb Adler-Olsen lange bevor er Carl Morck erfand. Und in dieser Tradition steht auch "Takeover". Das Original erschien in Dänemark schon vor zwölf Jahren unter dem Titel "Firmaknuseren" und wurde 2008 unter dem Titel "Og hun takkede guderne" dort noch einmal aufgelegt.

Polit-Thriller
"Takeover" ist ein hoch politisches Buch - selbst für einen so politischen Schriftsteller wie Adler-Olsen. Es geht im weitesten Sinne um die Spannungen zwischen Kuweit und dem Irak nach dem Golfkrieg in den 1990er-Jahren, um Öl und die Frage, was europäische Unternehmer damit zu tun haben und wie weit der Einfluss von Geheimdiensten geht.

Adler-Olsen erzählt in dem Buch viele Geschichten. Die zentrale ist die des niederländischen Unternehmers Peter de Boer, dessen Firma darauf spezialisiert ist, große Unternehmen zu zerschlagen. Er wirbt die von ihrer Kindheit und Jugend schwer gebeutelte Halbindonesierin Nicky Landsaat als Trainee an und macht die junge Frau zu seiner Vertrauten - auch, weil er innerhalb seines Unternehmens immer weniger Vertraute hat.

Geheimnis
De Boers Problem: Der irakische Geheimdienst hat ihn in der Hand. Er soll einen westeuropäischen Konzern zerschlagen und kann - obwohl das Vorhaben ihm unmöglich erscheint - nicht ablehnen, weil der Geheimdienst über verschlungene Wege von dem dunklen Geheimnis in de Boers Familie erfahren hat und der großen Schuld, die der Unternehmer auf sich geladen hat. Gelingt es ihm nicht, den Konzern zu zerschlagen, droht ihm der Tod.

Auch Nicky Landsaat, die Frau an seiner Seite, die ein klein wenig an Stieg Larssons Lisbeth Salander erinnert, kann auf eine bewegte, nahezu mystische Familiengeschichte zurückblicken, die in Indonesien spielt - lange, bevor ihr Vater ihre Mutter kennenlernte und sie aus dem Paradies nach Europa holte.

So finden de Boer und Landsaat, die nicht nur die Liebe zu Indonesien verbindet, sich einer furchtbaren Verschwörung ausgesetzt, bestimmt von Geld, internationaler Politik, Kriminalität und Terrorismus. Auch wenn das Buch mit seinen vielen Verwicklungen zunächst etwas langsam in Fahrt kommt und Adler-Olsen-Fans Morck und Assad vermissen dürften - "Takeover" ist auch mehr als zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung durchaus lesenswert.

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