Metallica-City trotzte strömendem Regen

Nova Rock

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Metallica-City trotzte strömendem Regen

Die Pannonia Fields, das Nova Rock-Gelände in Nickelsdorf im Burgenland, wurden von Metallica-Frontman James Hetfield am Freitag kurz vor Mitternacht kurzerhand in "Metallica-City" umbenannt. Schwere Riffs bildeten dort einen Wall gegen den mitunter strömenden Regen. Dieser hatte kurz vor dem Auftritt der Band eingesetzt, sonst spielte das Wetter am ersten Tag des größten Rock-Festivals Österreichs mit. Zu hören und sehen gab es viel Metal, aber auch eine wunderbare Show von Faith No More und den Abschied von Nine Inch Nails - der technisch bedingt zu früh endete.

Hier ein Blick auf das aktuelle Wetter

Hier die ersten Bilder:

diashow

Flammenwerfer und Gitarrenorgien
Metallica brachten auf der mit Rampen und Flammenwerfern ausgestatteten "Blue Stage" mit enormer Power einen Set mit sehr vielen alten Stücken wie "No Remorse", "Master Of Puppets", "Hit The Lights", "One" und "Fuel" und weniger neuen Songs (vom Album "Death Magnetic") als zuletzt in der Wiener Stadthalle. Doch die aktuellen Lieder "Broken, Beat & Scarred" und vor allem "The Day That Never Comes" mit dem furiosen Gitarrenorgien-Finish passten gut zu den Klassikern. "Sad But True" bot sich als Kommentar zum umspringenden Wetter an, doch ausgerechnet die Ballade "Nothing Else Matters", kollektiv mitgesungen von sehr vielen den widrigen Umständen trotzenden Fans, war dann der ganz große Moment.

Disziplinierte Rock-Fans
Zufrieden zeigte sich am Samstag nach dem ersten Tag des Nova Rock in Nickelsdorf nicht nur die Fans sondern auch die burgenländische Behörde. Die Menge und Schwere der Zwischenfälle hätten sich "im untersten Bereich" bewegt, sagte Bezirkspolizeikommandant Andreas Kohs. Auch nach dem Eintreffen des Regens verhielten sich die Konzertbesucher diszipliniert, vielen wechselten von den Bereichen vor der Bühne in Partyzelte.

"Stellenweise Gatsch"
Polizeieinsätze gab es vor allem wegen Diebstählen, Sachbeschädigung, Drogenmissbrauch und zur Streitschlichtung. "Es wurden auch viele Verluste angezeigt", so Kohs, der die Zahl der Delikte in Anbetracht der Größe der Veranstaltung als nicht auffällig bezeichnete. Nach dem Regen in der Nacht auf Samstag haben sich zahlreiche Lacken gebildet, die Gehwege und Wiesen präsentierten sich entsprechend ramponiert. "Stellenweise gibt es Gatsch, aber das Gelände hält", sagte Veranstalter Ewald Tater. In Nickelsdorf hatte es am Vormittag zu regnen aufgehört, an besonders kritischen Stellen streute man Rindenmulch.

Abruptes Ende des Abschieds
"Nach dieser Tour sind wir weg", hatte zuvor am Freitagabend der Frontmann der Nine Inch Nails Befürchtungen der Fans bestätigt, dass sich Trent Reznor künftig anderen Projekten widmen wird. Doch wie schnell das gehen würde, damit hatte wohl nicht mal Reznor selbst gerechnet: Im eben aufkommenden starken Regen fielen auf der "Red Stage", dem zweiten Schauplatz des Open Airs, mitten in einem Song plötzlich Licht und Sound aus - ein abruptes Ende des Abschieds einer prägenden Band.

Aufbruch in die Zukunft
Reznor hat mit seiner Industrial-Innovation nicht nur ein Genre entscheidend mitbestimmt. Er macht derzeit auch dem Musikbusiness vor, wie man jene Bresche aktiv und spannend füllen kann, die die Möglichkeit von (bezahltem oder unbezahltem) Download von Musik in das herkömmliche Geschäftsmodell des Popsongverkaufens geschlagen hat. Man ahnt: Mit jenem "Wave Goodbye", das das Motto der Tour bildet, wird sich Reznor noch weiter von den überkommenen Wegen entfernen, die das Musik-Business immer noch für die einzig gangbaren hält. Was sich das Mastermind der Nine Inch Nails ausdenkt, wird man sehen. Am Freitagabend jedenfalls gab es einen energetischen und gar nicht wehmütigen Streifzug durch 20 Jahre Bandgeschichte, von den synthetisch geprägten Anfängen bis zu jener pureren Rockigkeit, die die Nine Inch Nails spätestens mit "The Slip" (2008) gewonnen hat.

Dass Trent Reznor und die kommerzielle Seite von Musik schon des längeren in Scheidung leben, war bekannt. Trotzdem kam bei so manchem Fan wohl Melancholie auf, als das Publikum vereint "Everyone I know will go away in the end" aus "Hurt" sang, und Reznor ergänzen konnte: "I will let you down".

Sich selbst verarscht
Von den wiedervereinigten Faith No More hätte man viel erwartet - aber sicher nicht jene selbstironische und schräge Art und Weise, auf die sie ihr Konzert begannen. Wie abgehalfterte ehemalige Showstars bei einem Casinoauftritt in Las Vegas kamen die Musiker in Anzügen auf die Bühne, Mike Patton ganz in rot und am Stock, und sangen zuerst einmal eine Schnulze: "Dream Lover" wurde umgetextet zu "Reunited", und derartige süffisante Souligkeit war am Nova Rock wohl noch nie zu hören. In Folge spielte die Band ein fantastisch witziges und zugleich packendes Konzert, mit Anspielungen an den Softelektronikmusiker Vangelis, die 80er Jahre, Motown-Sound - und an eine Band, die früher mal als Faith No More Furore gemacht hat. Und die nun als "Faith No More 2.0", so Patton, jede Freiheit hat - und sich diese auch nimmt.

Nein, an Energie mangelt es der Band nicht - ihre toughen Sounds waren teils härter als die von Horrormasken tragenden Kollegen. Doch das war der Band sichtlich zu langweilig. Also gab es alles von Las Vegas-Sound bis zum wirren Elektronikeffektgequietsche, von "I'm easy" bis ganz und gar unentspannten Hochtempopassagen. Faith No More wilderten im eigenen Backkatalog, Patton verspottete sich selbst ("einen alten Mann kann schon mal das Gedächtnis verlassen") und auch das Publikum, für das es ein Pauschalangebot für sexuellen Austausch mit der Band gab ("40.000 Menschen in einem Bett - ich würde es tun!", schallte es von der Bühne). Und auch für die Musikerkollegen hatten Faith No More ein Quäntchen Sarkasmus über: "Oder seid ihr zu beschädigt von den schrecklichen Metal-Bands auf diesem Festival?", rief Patton, als er das Publikum zum Mitsingen aufforderte. "Everybody good? Super, super!", schrie Patton dann. Und recht hatte er.

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