Was niemand über mich wissen soll..

Neues Buch

Was niemand über mich wissen soll..

Christopher Ciccone hat wenig gemeinsam mit seiner Schwester - der durchtrainierten, superschlanken, scheinbar alterslosen Madonna. Sehr zurückhaltend ist das Auftreten des 47- Jährigen, fast scheu. Er hüllt sich in einen weiten Kapuzenpulli, um seine Augen zeichnen sich kleine, sympathische Falten ab. Trotz Herbstkühle zieht er die Terrasse des New Yorker Hotels für ein Gespräch vor - vielleicht damit er seine Nervosität mit einer Zigarette in der Hand überspielen kann. Er sagt gerne "wir", wenn er über Madonna spricht. Mit ihr selbst spricht er nicht mehr, seit sein Buch "Meine Schwester Madonna & ich" erschienen ist.

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Christopher Ciccone: Meine Schwester Madonna und Ich; Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 352 S., 19, 90 Euro ISBN 978-3-89602-867-9

Stets mit dabei
20 Jahre lang stand Christopher Ciccone der gut zwei Jahre älteren Madonna Louise Veronica Ciccone von allen Geschwistern am Nächsten. Mit ihr zusammen schaffte er es, aus der Familie mit acht Kindern in Rochester (US-Bundesstaat Michigan) auszubrechen. Anfang der 80er Jahre lebten sie zusammen in einem heruntergekommenen Appartement in New York, tanzten sich durch die Clubs von Manhattan, trafen Gwyneth Paltrow, Demi Moore, Kate Moss und Sean Penn. Hautnah erlebte Christopher den Aufstieg seiner Schwester von dem Mädchen aus gutbürgerlichem Hause zur weltberühmten Diva und "Queen of Pop" mit.

Mädchen für alles
Er war ihr persönlicher Assistent, ihr Tänzer, ihr Dekorateur, ihr Art- und Tour-Director. Er zog sie zwischen den Nummern um und wischte ihr den Schweiß vom Körper. "Madonna ist für ihre nicht vorhandenen Hemmungen bekannt, aber privat ist sie viel zu schüchtern und prüde, um sich einem Fremden aus nächster Nähe zu zeigen", schreibt Ciccone in seiner Biografie. Viel skandalöser wird die Geschichte aber auch nicht. Echte Geheimnisse hat Ciccone nicht zu erzählen. Dass Madonna ein "Kontroll-Freak" ist, die in ihrer Karriere nichts dem Zufall überlassen hat, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen über die Pop-Ikone.

Scheinheilig?
Die loyalen Dienste ihres Bruders quittierte Madonna damit, dass sie ihn gedankenlos und ohne vorherige Absprache als schwul outete, ihn trotz Millionen verkaufter Alben für seine Arbeit nicht entlohnte und ein Sakrileg beging: Für die Dokumentation "In Bed With Madonna" wälzte sie sich vor laufenden Kameras auf dem Grab ihrer früh verstorbenen Mutter. "Madonna ist nichts mehr heilig. Nicht einmal mehr unsere tote Mutter, die sie zu einer bloßen Statistin in ihrem Film degradiert hat", mokiert sich der Bruder. Damals konnte oder wollte er sie nicht abhalten.

Eiskalt
Die bereits angespannte Beziehung zwischen den Geschwistern ging völlig auseinander, als Madonna ihren zweiten Mann, den britischen Regisseur Guy Ritchie, heiratete. Der ließ ihn angeblich deutlich spüren, dass er Homosexuelle nicht leiden kann. Madonna ließ Christopher fallen. Dass die Ehe nicht gut gehen konnte, steht nicht im Buch, aber für Ciccone war die Bekanntgabe der Scheidung vergangene Woche nach fast acht Jahren keine Überraschung.

Mittelpunkt der Welt
"Der Mittelpunkt ihrer Welt ist sie selbst. Keiner schafft es, da zu sein, wo sie ist und 20 Jahre lang dortzubleiben, wenn man sich auf andere Menschen konzentriert", erzählt er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Für Ciccone ist das eine Tatsache - eine, mit der er zu leben gelernt hat. Mit "Meine Schwester Madonna & ich" wollte er niemanden verletzten, betont er. Nur sich selbst wieder finden. Denn irgendwo zwischen den Partys mit berühmten Stars, den schreienden Fans und der Konzentration auf die Karriere seiner Schwester war ihm seine eigene Identität verloren gegangen.

Er hofft, dass sie es liest
Er weiß jedoch auch, sagt er, dass er für den Rest seines Lebens der Bruder seiner Schwester bleiben wird. Nach jahrelangen Therapiesitzungen und nach dem Erscheinen des Buchs ist er auch ganz zufrieden damit. "Ich bereue unser Leben zusammen nicht. Es ist ja auch mein Leben mit allen Höhen und Tiefen. Ich bin nicht unglücklich damit, wer ich bin". Dass er sich eines Tages wieder mit Madonna versöhnen wird, davon ist er überzeugt. Aber dieses Mal hat er eine Bedingung: "Sie muss das Buch lesen, wenn wir wieder Freunde sein wollen. Damit sie auch meine Perspektive kennt".

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