Oscar-Movie

© Filmladen (11), Wirelimage

"Die Fälscher": Nur 40.000 Zuseher in Österreich

Eine Krimi-Tragödie aus der Nazizeit wurde zum Thema des Films, der Österreich erstmals den Auslands-Oscar einbrachte: Alles über „Die Fälscher“.

Thriller
Historiker sprechen von der „größten Geldfälschungsaktion aller Zeiten“. Da die Nazis im Zweiten Weltkrieg gegen die Alliierten chancenlos waren, wollten sie deren Wirtschaft mit Falschgeld knacken.

Der zynische Plan: Die Nazis zogen im KZ Sachsenhausen eine Gruppe von (regimefeindlichen) Gaunern und Druck-Spezialisten zusammen, wo sie diese zwangen, Pfund- und Dollar-Blüten herzustellen. Allein die falschen britischen Banknoten hatten einen Wert von 130 Millionen Pfund.

Die Fälscher schildert – mit Tiefgang und den Mitteln des Spannungskinos – das Drama der Männer, die im KZ gegen ihren Willen das Geschäft der Diktatur besorgen mussten. Die Häftlinge waren hin- und hergerissen zwischen Todesgefahr und Überlebenswillen, zwischen Ob­struktion und dem Zwang, den Nazis gefügig zu sein.

Mittendrin: die Figur des Gauners Salomon Sorowitsch, dem seine strizzihafte Härte hilft, den Kampf mit den Schergen aufzunehmen. Regisseur Stefan Ruzowitzky zu ÖSTERREICH: „Für die Rolle des Sorowitsch fiel mir irgendwann Karl Markovics ein, und ich wusste sofort, er ist es. Sorowitsch ist kein moralisch integrer Mensch. Man traut ihm eine gewisse Bereitschaft zur Gewalt zu.“

Perspektive
Vor dem Die Fälscher-Projekt hatte der Wiener Ruzowitzky (46), der mit Filmen wie Die Siebtelbauern oder Anatomie Furore machte, nie daran gedacht, einen Film über die KZ-Tragödien zu machen: „Ich hatte das Gefühl, das ist nicht mehr darstellbar.“ Jedoch: „Dann hörte ich die Story von dem Gauner, der ins KZ kam, und das interessierte mich. Weil man in diesem Film mit der Fälscherwerkstatt quasi übers Eck vom KZ berichten kann. Wir zeigen die ganze Geschichte aus der Perspektive von Sorowitsch. Wir sind nie an der Stelle der Nazis, sondern immer an jener der Gefangenen.“ 2007 hatte Die Fälscher im Wettbewerb der Berlinale Weltpremiere. Obwohl es nicht zu einem Preis langte, war Ruzowitzky zufrieden: „Für den Film ist das Festival ein Jackpot. Man ist international am Tapet.“

Stimmt: Die Fälscher (Produktionskosten: 3,5 Millionen Euro) wurde weltweit verkauft und startete nach einem Erfolgslauf in England jetzt auch in den USA. Nur in Österreich blieb der Zuschauerzustrom enttäuschend: Bisher kamen erst 40.000 Besucher. Doch das wird sich nach dem Oscar nun hoffentlich ändern.

Kino „Die Fälscher“ läuft jetzt in 16, ab Freitag (29. 02. 2008) in 26 Kinos in ganz Österreich. Der Besucherzustrom steigt derzeit stark an.

DVD Nach der Kino-Erstauswertung erschien der Film bereits vor Jahreswechsel auf DVD. Preis, z. B. bei Saturn: 19,99 Euro.

ORF Der ORF beteiligte sich an der Finanzierung des Films. Die Erstausstrahlung ist regulär im Frühjahr 2009 möglich.

burger

(c) Adolf Burger: Des Teufels Werkstatt, Verlag Neues Leben, Berlin 1997 (neue ergänzte Auflage)

Adolf Burger war einer von 144 Häftligen, die aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation in ein Sonderkommando eingeteilt wurden: Im Konzentrationslager Sachsenhausen mußte er als gelernter Buchdrucker in großem Stil und unter strengster Geheimhaltung Pfundnoten fälschen. Das Buch dient zur Vorlage des Österreich-Oscar-Films.

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.