FALL DER WOCHE
Eltern tot: Bahn-Drama passierte bei Übungsfahrt
NÖ. Wie immer, wenn etwas besonders schlimm ausgeht, war es eine Sekunde bzw. eine Sekundenentscheidung - ob falsch oder im falschen Moment richtig, ob gut gemeint oder fahrlässig - und danach ist alles anders. Bei diesem Unfall, der sich vergangenen Samstag am Nachmittag auf einem unbeschrankten Bahnübergang zutrug, steht derzeit nur eines fest: Er passierte bei einer Übungsfahrt der Mutter, die mit ihrem Ehemann in den ländlichen Raum gezogen hier einfach mobiler sein wollte - zumal ihr serbischer Gatte, ein IT-Techniker, der sich bei einem Arbeitsunfall mit einer Stichflamme Gesicht und Arme verbrannte, nach wie vor rekonvaleszent war. Also machte Sirin (34), eine Türkin, den B-Führerschein mit L-Übungsfahrten unter Anleitung und Beobachtung ihres Mannes am Beifahrersitz. Doch genau bei so einer Übungsfahrt passierte es.
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Nicht erster Unfall auf Bahnübergang
Samstag gegen 16 Uhr fuhr die Jungfamilie mit dem KIA-Kombi von Norden kommend auf der L 75 in Richtung Allentsteig im Bezirk Zwettl - wo sich in der Ortschaft Thaua ein nur durch Rotlicht und Andreaskreuz gesicherter Bahnübergang befindet und auf dem sich schon mehrmals schwere Karambolagen ereignet hatten - u.a. mit einem Lkw (hier starb der Zugführer) oder einem Pkw, der nur an der Motorhaube touchiert wurde, sodass der Fahrer überlebte. Das Ehepaar hatte leider das Schicksal nicht an ihrer Seite.
Unfallstelle war videoüberwacht!
Was auch immer genau passiert ist, wird früher oder später herauskommen. Laut Bürgermeister Georg Marksteiner war der Bahnübergang videoüberwacht, die Aufnahmen werden derzeit von der Polizei ausgewertet, was auch von der Landespolizeidirektion so gegenüber oe24 bestätigt wird: "Die Ermittlungen zum Unfallgeschehen sind im Gange."
Spekuliert wird derzeit von vielen noch vieles - Faktum ist, dass ein von links kommender Güterzug, der hier tatsächlich recht zügig unterwegs ist, aufgrund einer Böschung erst sehr spät und jäh im Blickfeld der Autofahrer auftaucht, die sich die Pkw-Lenker allerdings aufgrund der Rotlichtanlage - so sie korrekt funktioniert - mit (Respekt-)Abstand zur Gleisanlage eingebremst haben sollten. Warum der Kombi von Isidor und Sirin B., deren zweijährige Tochter Mila im Kindersitz auf der Rückbank saß, mitten auf den Gleisen zu stehen kam, ist derzeit noch rätselhaft: Bemerkte sie die Warnanlage zu spät, wollte schnell rüber oder hat sich verbremst, wurde sie von der Sonne geblendet oder war durch andere Umstände abgelenkt?
Kombi 800 Meter weit mitgeschleift
Das Unausweichliche kam dann wie der Blitz: Das tonnenschwere Schienenfahrzeug erfasste auf den Gleisen der Franz-Josefs-Bahn den KIA, in dem, wie gesagt, neben dem Vater (39) und Mutter im Fond auch die zweijährige Tochter Mila saß. Der Wagen wurde vom Zug, dessen Führer noch zweimal ein Warnsignal abgegeben haben soll, nach dem Zusammenstoß rund 800 Meter vom Güterzug mitgeschleift.
Die Bergung der Eltern dauerte mehrere Stunden. Der Pkw musste mittels Seilwinden vom Zug getrennt werden. Lediglich Mila, die nur eine kleine Wunde an der Stirn erlitten hatte, konnte lebend befreit und mit dem Notarzthubschrauber in ein nahes Spital geflogen werden. Der Lokführer blieb unverletzt, erlitt aber - wie hernach die ganze Region - einen schweren Schock und musste von einem Kriseninterventionsteam betreut werden.
Das Mitgefühl aller gilt derzeit der einzig Überlebenden der Katastrophe, die mit einem Schlag zu Vollwaise wurde. Das Mädchen befindet sich nach wie vor unter umfassender Betreuung im Krankenhaus, die Obsorge hat das Land übernommen, das derzeit prüft, ob die Kleine zur Großmutter väterlicherseits in Braunau kommt. Für die Kleine wurden mehrere Hilfsaufrufe getätigt, zuletzt auf der Homepage von Allentsteig, wonach in Absprache mit der Stadtgemeinde Allentsteig von Notar Mag. Leopold Liener ein Spendenkonto eröffnet wurde. Alle Eingänge werden von ihm verwahrt und 1:1 an das bedauernswerte Kleinkind weitergeleitet. Der IBAN bei der Notartreuhandbank lautet AT60 3150 0843 0119 4414, "Spendenkonto Mila".