Aus für "Ferien"
Pflicht-Betreuung bei Suspendierung ab Herbst
Im vergangenen Schuljahr wurden Schülerinnen und Schüler in Österreich insgesamt 2187 Mal vorübergehend der Schule verwiesen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich dieser Trend im Jahr 2026 weiter verschärft – in der Steiermark hat sich die Zahl der Fälle vor dem Schulschluss sogar auf über 200 verdoppelt. Als Gründe für den Anstieg nennen Bildungsdirektionen zunehmende psychische Belastungen, soziale Entwicklungsdefizite nach der Pandemie und den übermäßigen Konsum digitaler Medien. Bislang konnten die Jugendlichen während der bis zu vierwöchigen Auszeit oft tun, was sie wollten.
Ab dem kommenden Schuljahr greift nun eine österreichweite Reform: Wer länger als vier Tage suspendiert wird, muss verpflichtend zwischen acht und 20 Stunden in einer sogenannten Suspendierungsbegleitung verbringen, die zur Hälfte aus Unterricht besteht.
Bundesländer im Umsetzungs-Stress
Die genaue Organisation der neuen Betreuungspflicht liegt in der Hand der einzelnen Bundesländer, was zu höchst unterschiedlichen Modellen führt. Während man in der Steiermark und in Oberösterreich auf eine Mischung aus regionalen Zentren und Betreuung direkt an der Stammschule setzt, geht Kärnten einen ganz anderen Weg.
Dort findet die Begleitung bewusst in externen Einrichtungen wie Jugend- und Kinderschutzzentren statt, um eine Stigmatisierung der Schulen zu verhindern. Andere Bundesländer wie das Burgenland, Tirol und Niederösterreich arbeiten kurz vor dem Start im Herbst noch an konkreten Konzepten und hinken bei der Planung hinterher.
Auch interessant
Kritik an langfristiger Wirkung
Ob die neue Maßnahme die Probleme dauerhaft löst, ist unter Experten umstritten. Eine aktuelle Befragung der Universität Wien unter rund hundert Schulleiterinnen und Direktoren zeigt zwar, dass Suspendierungen bei schwerem Fehlverhalten als notwendig erachtet werden, um die Schulordnung zu sichern. Der langfristige Lerneffekt bei den betroffenen Jugendlichen wird jedoch als gering eingeschätzt.
Viele Betroffene empfinden das Verfahren als intransparent oder nehmen die Auszeit schlicht wie Ferien wahr. Geplante Vorstufen wie "Time-out-Klassen", die Suspendierungen eigentlich verhindern sollten, wurden vom Bildungsministerium aus Budgetgründen auf das Schuljahr 2028/2029 verschoben.