Stundenlang festgesessen
Wut auf ÖBB: "Kundenservice unter jeder Kritik"
Nach dem stundenlangen Bahn-Chaos auf der Westbahnstrecke wächst die Kritik an den ÖBB. Hunderte Reisende mussten am Wochenende teils stundenlang ausharren, viele fühlten sich schlecht informiert und alleingelassen.
Kritik an der Krisenkommunikation
Auslöser der massiven Störung war ein Kurzschluss in einem Schaltgerüst östlich des Hauptbahnhofs St. Pölten. Die Anlage verteilt den Strom auf die einzelnen Streckenabschnitte. Zunächst gingen die ÖBB davon aus, dass ein Vogel den Kurzschluss verursacht hatte. Nun scheint diese Erklärung jedoch zu wackeln. Wie die Bundesbahnen einräumen, gibt es Hinweise auf eine andere Ursache. Das endgültige Ergebnis der Untersuchungen soll bis Mitte der Woche vorliegen.
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Nicht einmal Ersatzverkehr angeboten
Besonders die Kommunikation der ÖBB sorgt bei den Betroffenen für Ärger. Ein Fahrgast, der mehr als drei Stunden am Wiener Hauptbahnhof festsaß, findet deutliche Worte: "Das Kundenservice ist unter jeder Kritik." Ein Ersatzverkehr sei nicht angeboten worden. Sein Fazit: "Wir werden sicher nicht mehr mit dem Zug fahren."
Auch Reisende aus Deutschland berichten von chaotischen Zuständen. Ein Passagier musste lange Wartezeiten in Linz und Amstetten in Kauf nehmen. Sein Vorwurf: Im Zug habe es kaum brauchbare Informationen gegeben.
160-Euro-Taxi statt Zugfahrt
Besonders bitter verlief die Reise für eine Frau, die nach St. Pölten wollte. Nach zwei Stunden Stillstand im Tullnerfeld erfuhr sie, dass es doch keinen Schienenersatzverkehr geben werde. Die Züge seien stattdessen ohne Halt in St. Pölten weitergeleitet worden. Um noch nach Hause zu kommen, organisierte sie sich selbst ein Taxi – Kostenpunkt: 160 Euro.
ÖBB entschuldigen sich
Die Bundesbahnen bedauern die Vorfälle und entschuldigen sich bei den Fahrgästen. Man sei stets bemüht, Störungen rasch zu beheben und so schnell wie möglich Ersatzbusse zu organisieren. Gleichzeitig räumen die ÖBB ein, dass es bei der Fahrgastinformation "immer Optimierungspotenzial" gebe. Nicht in jeder Situation sei eine sofortige und lückenlose Information möglich.
Nicht der erste Krisenfall
Es ist nicht das erste Mal, dass die Krisenbewältigung der ÖBB in die Kritik gerät. Erst Anfang Mai waren Hunderte Fahrgäste nach einer Oberleitungsstörung in Angern an der March gestrandet. Auch damals mussten sich zahlreiche Betroffene selbst um Taxis oder alternative Fahrmöglichkeiten kümmern.
Zusätzlichen Druck erzeugte zuletzt ein Untersuchungsbericht zu einem ICE-Zwischenfall im Wienerwaldtunnel. Dabei hatte es mehr als sieben Stunden gedauert, rund 400 Passagiere aus dem Tunnel zu evakuieren. Der Bericht sprach sogar von Fehlentscheidungen bei der Bewältigung des Vorfalls.
Für viele Fahrgäste stellt sich daher die Frage: Haben die ÖBB aus den vergangenen Pannen tatsächlich die richtigen Lehren gezogen?