Mr. Shorty!
Gerald Grosz: Sein Mail an Film-Star Sebastian Kurz
Mr. Shorty!
Sex sells, sagt man. Sexy waren Sie zwar nie, aber offenbar gut genug, dass Österreichs medialer Hühnerstall wieder verrückt spielte. „Kurz - der Film“ erreichte die heimischen Kinos. Und nicht kurz, dafür groß wie die Ohren war das Interesse.
Hunderte treue Anhänger scharten sich um Sie, als Sie in Begleitung der türkisen Buberln und Mäderln das Kino betraten, nein schwebten, um sich selbst zu bestaunen. Alles was in der ÖVP-Welt nicht niet- und nagelfest ist, musste antreten. Beim alten Chef mussten sie aufsalutieren, selbst der Neue war dabei und durfte die Rolle eines müden und seinem Wesen entsprechend glanzlosen Statisten einnehmen. Schmähmanner zeigten Sie wirklich, wo der Hammer hängt!
Denn wenn er, der Farblose, zur „Kanzlerrede“ ruft, verirren sich gerade einmal 100 Zaungäste in das hübsch-hässliche Ambiente eines schwarz/weißen Hochhaus-Seminarraumes. Wenn Sie hingegen laden, dann ist buntes Remmi-Demmi angesagt. Manche behaupten ja, dass sich 1000 Jahre österreichische Justizgeschichte versammelt hätten. Also eine Art Familientreffen der Cosa Nostra des Don Sebastiano Corto.
Nun, so weit will ich nicht gehen, denn die Unschuldsvermutung ist ein hohes Gut. Aber es kamen immerhin der geschasste Sektionschef aus dem Justizministerium, der Ho-Ho-Ho-Schneemann aus der Wiener Szene, Danilo Kunhar ohne Kinderwagen, die einstige Gundel Gauckeley aus dem Landwirtschaftsressort. Und selbst aus der Steinzeit der Politgeschichte wagten sich die Fossile Schüssel und Khol aus ihrem Schildkrötenpanzer und waren prominenter Teil der Kurz-Festspiele auf der Leinwand. Österreichs Medien überschlugen sich, wie gesagt. Seine, also Ihre, Rückkehr wurde und wird prophezeit. Kann sein, meine ich.
Denn welchen Grund hätte es sonst, einen reinen Werbefilm produzieren zu lassen? International findet er keine Beachtung, auch das heimische Publikum ließ sich die ersten Tage nicht in die Kinos locken. Also wurde dieser Film nur für Sie und ein paar Journalisten gemacht. Cui bono, wem nützt es? Natürlich Ihnen! Denn alle glauben nun, dass Sie wieder kommen.
Wäre da nicht der große Abwesende, Thomas Schmid, der Verräter, der Judas. Der, den Sie an der Brust säugten und der sie nun meuchelt. Vor Gericht, in den Akten, in seinen Aussagen. Herr Kurz, unter uns Klosterschwestern: Haben Sie diese Publicity wirklich notwendig? Glauben Sie, dass Sie sich mit solchen Filmchen, Antel machte bessere, wirklich reinwaschen. Hoffen Sie, dass Sie mit einer solchen PR-Blase die Rückkehr auf die politische Bühne feiern?
Ich sage Nein. Denn man braucht in Österreich nicht nur gute PR sondern vor allem die Zustimmung der Wähler. Und die, mein guter Herr Kurz, haben Sie leider verloren.