Trotz sinkender Neubauleistung bleibt der gemeinnützige Wohnbau ein zentraler Motor für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung
Der gemeinnützige Wohnbau bleibt eine tragende Säule der österreichischen Bauwirtschaft – auch wenn sich die Schwerpunkte deutlich verschieben. Michael Gehbauer, Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, verweist auf die Dimension des Sektors: „Die gemeinnützige Wohnungswirtschaft in Österreich hat 173 Unternehmen und einen Verwaltungsbestand von über einer Million Wohnungen.“ Gearbeitet werde sehr eng mit der heimischen Bauwirtschaft. „Wir beschäftigen durch unser Auftragsvolumen rund 25.500 Menschen in der Bauwirtschaft und in angegliederten Bereichen. In der Sanierung kommen weitere 11.200 Arbeitsplätze dazu.“ Während der Wohnungsneubau unter Kosten- und Finanzierungsdruck gerät, gewinnen Sanierung, Instandhaltung und Modernisierung massiv an Bedeutung. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig langfristige Investitionslogiken und regional verankerte Strukturen für den Standort Österreich sind.
Neubau unter realem Druck
Das geschätzte Investitionsvolumen im Neubau der gemeinnützigen Bauvereinigungen lag 2024 bei rund 3,2 Milliarden Euro. Nominal entspricht das in etwa dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts und liegt nur rund ein Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Real betrachtet ergibt sich jedoch ein deutlich anderes Bild: Aufgrund der starken Baupreisentwicklung der vergangenen Jahre liegt das reale Neubauvolumen bereits um rund 27 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2023.
Sanierung erreicht Rekordniveau
Gleichzeitig verzeichnet der Sanierungsbereich einen historischen Höchststand. Das Gesamtvolumen für laufende Instandhaltung und Großinstandsetzung belief sich 2024 auf rund 1,4 Milliarden Euro und lag damit nominell höher als je zuvor. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 4,3 Prozent, im Vergleich zum Zehnjahresschnitt sogar eine Steigerung um 43 Prozent. Allein in den eigenen Mietwohnungen der gemeinnützigen Bauvereinigungen wurden Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen im Umfang von rund 1,1 Milliarden Euro umgesetzt.
Eigentum und Bestand im Fokus
Besonders dynamisch entwickelt sich die Großinstandsetzung. In Mietwohnungen erreichte dieses Segment 2024 ein Volumen von rund 460 Millionen Euro, was 41 Prozent des gesamten Sanierungsvolumens im GBV-Mietsektor entspricht. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um 31 Prozent. Auch im verwalteten Eigentumsbereich legten die Investitionen stark zu. Mit einem Sanierungsvolumen von 253 Millionen Euro wurde hier ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2023 erzielt und ein Zuwachs von 67 Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auf gezielte Investitionsanreize durch Bundes- und Landesförderungen zurückzuführen.
Regionale Vergabe als Erfolgsfaktor
Gerade in den Bundesländern sei die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben besonders intensiv. „Bei kleineren Projekten erfolgt die Ausschreibung häufig regional. Bei großen Vorhaben in den Städten gibt es eher Generalunternehmer-Ausschreibungen, die sich an die Bauindustrie richten“, so Gehbauer.
Qualität, Nähe und faire Bedingungen
Die Vorteile regionaler Partnerschaften liegen für die gemeinnützigen Bauvereinigungen auf der Hand. „Unsere Kunden sind Österreich und Österreicher. Deshalb wollen wir auch mit österreichischen Betrieben zusammenarbeiten“, betont Gehbauer. Kurze Wege ermöglichten rasche Reaktionen, etwa bei Mängeln, und sorgten für eine verlässliche Qualitätssicherung. Gleichzeitig gehe es darum, faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. In Ausschreibungen werde darauf geachtet, dass auch Subunternehmen arbeits- und sozialrechtliche Standards einhalten. Ziel sei ein sozialer Wohnbau, „der nicht auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen wird“, sondern faire Preise und nachhaltige Qualität sicherstellt.
Langfristige Perspektive
Mit Blick auf die kommenden Jahre gewinnt dieser Ansatz weiter an Bedeutung. Steigende Anforderungen durch Klimaziele, Energieeffizienzvorgaben und EU-Richtlinien machen Sanierung und Bestandspflege zu zentralen Aufgaben. Der gemeinnützige Wohnbau zeigt, dass Investitionen auch in einem schwierigen Umfeld Wirkung entfalten können – vorausgesetzt, sie sind langfristig angelegt, regional verankert und auf Qualität ausgerichtet.