Für Kanadas Eishockey-Stars zählt nur Olympia-Gold

Für Kanadas Eishockey-Stars zählt nur Olympia-Gold

"Jeder erwartet von uns Gold und nichts anderes", wusste auch Torhüter Marc-Andre Fleury vor dem Start des Eishockey-Turniers der Männer am Dienstag. Einen Vorgeschmack auf den Trubel brachte bereits die Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders am 30. Dezember. 13 TV-Stationen waren in Saskatoon live dabei, als Exekutiv-Direktor Steve Yzerman mit einer großen Show die Namen vorlas. Für zwei Final-Tickets wurden auch schon 50.000 kanadische Dollar (35.041 Euro) geboten. Dass Kanada da gar nicht dabei sein könnte, kommt im Mutterland des Eishockey, in dem die schnellste Mannschaftssportart seit 1994 sogar als nationaler Wintersport im Gesetz steht, kaum jemand in den Sinn.

Yzerman, Cheftrainer Mike Babcock und seine Assistenten, darunter Thomas-Vanek-Cheftrainer Lindy Ruff von den Buffalo Sabres, sollen mit einer guten Mischung aus Routiniers und Youngsters das Olympia-Programm "own the podium" krönen und die Schmach von Turin 2006 vergessen machen. Damals blieb für die als Titelverteidiger angereisten Kanadier nur der blamable siebente Platz. "Selbstüberschätzung", nannte Star-Torhüter Martin Brodeur als Grund. "Das hat uns umgebracht."

In Vancouver soll es ganz anders laufen. Brodeur ist neben Kapitän Scott Niedermayer, Chris Pronger und Jerome Iginla einer von vier Routiniers im Team, die schon 2002 in Salt Lake City beim ersten Olympia-Gold für Kanadas Eishockey-Herren seit 50 Jahren dabei waren. Mit dabei sind aber auch 15 Olympia-Neulinge,12 der 23 Spieler sind 25 Jahre oder jünger. Im Auftaktmatch gegen Außenseiter Norwegen am Dienstag (16.30 Uhr Ortszeit) kann sich das Team, das erst am Sonntagabend zusammentrifft, problemlos einspielen können.

Als mögliche Spielverderber für die geplante Eishockey-Party am Schlusstag gelten Russland und Schweden. Die "Sbornaja" hat sich bei den Weltmeisterschaften 2008 und 2009 erbitterte Final-Duell mit Kanada geliefert und beide Endspiele für sich entschieden. Erfolgscoach Wjatscheslaw Bykow war mit der Sowjetunion 1988 in Calgary und der GUS 1992 in Albertville als Spieler selbst Olympiasieger, seither gab es kein Gold mehr.

Nun will Russland den ersten Olympia-Sieg als eigener Staat, und Bykow bringt Offensiv-Power wie kein anderes Team mit. Mit Alexander Owetschkin, zuletzt zweimal bester Spieler der NHL, Jewgenij Malkin, Ilja Kowaltschuk und Pawel Datsjuk scheint es höchst unwahrscheinlich, dass die Russen so wie vor vier Jahren ohne Medaille bleiben.

"Russland hat einen großartigen Kader. Sie haben uns bei den letzten beiden Weltmeisterschaften zweimal besiegt. Ich denke, sie sind die Favoriten - und das Team, das wir besiegen wollen und besiegen werden", sagte Yzerman. "Ihnen ist egal, ob sie in Kanada spielen. Sie gehen hinein, um zu gewinnen. So denken die Russen, so denken auch die Schweden. Sie wollen die Goldmedaille gewinnen", so Yzerman.

Schweden kommt als Titelverteidiger nach Westkanada. Teamchef Bengt-Ake Gustafsson, einst auch Spielmacher der VEU Feldkirch, hat 13 Olympiasieger im Team und mit Peter Forsberg, Henrik Zetterberg, Daniel Alfredsson oder den Sedin-Zwillingen, die als Spieler der Canucks in Vancouver echten Heimvorteil haben, ebenfalls Hochkaräter im Angriff.

Er hat mit Torhüter Henrik Lundqvist und Verteidiger Nicklas Lidström aber auch Stars in der Defensive. Lidström, der seit Jahren als bester Verteidiger der Welt gilt, war Siegestorschütze beim 3:2-Finalerfolg über Finnland in Turin 2006.

Neben dem Trio sind wie immer auch Tschechien mit dem alternden Superstar Jaromir Jagr, Finnland, die Slowakei und die USA für eine Medaille gut. Die USA, die bisher nur bei den Heimturnieren 1960 (Squaw Valley) und beim "Miracle on Ice" 1980 (Lake Placid) Gold geholt haben, haben einen Generationswechsel vollzogen. Patrick Kane, Zach Parise, Paul Stastny und Ryan Suter, Sohn von 1980-Olympiasieger Bob Suter, sind die neuen Leistungsträger. Und vor allem Torhüter Ryan Miller, Teamkollege von Vanek in Buffalo.

Das Turnier bringt jedenfalls ein Schaulaufen der Stars. 142 Spieler aus der NHL sind mit dabei, insgesamt 505 Millionen US-Dollar (372 Mio. Euro) beträgt ihr Jahresgehalt. Crosby, Owetschkin und Malkin führen die Liste der Top-Verdiener mit je 9 Mio. US-Dollar (6,63 Mio. Euro) an.

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