Apple setzt Flash weiter unter Druck Apple setzt Flash weiter unter Druck

Gegenwind

© Apple/Adobe

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Apple setzt Flash weiter unter Druck

Videos, Zeichentrickfilme und kleine Browser-Spiele - es gibt kaum etwas, was die Flash-Technik von Adobe nicht ins Web bringen kann. Weil das kalifornische Unternehmen die Software für die Darstellung von Flash-Inhalten kostenlos verteilt, ist die Technik zu einem De-Facto-Standard geworden. Doch jetzt gerät Flash gleich von mehreren Seiten unter Druck.

Neue Konkurrenz
Zum einen weigert sich Apple wie berichtet, Flash auf seinem iPhone wie auf seinem neuen iPad zu unterstützen. Zum anderen kommt mit HTML 5 ein neuer Web-Standard, der die Integration von Videos zum Kinderspiel macht. Beides könnte die Stellung von Flash mehr schwächen als die Microsoft-Konkurrenz Silverlight.

Apple macht gegen Flash mobil
Bei der iPad-Präsentation hatte Apple-Chef Steve Jobs die Lacher auf seiner Seite, als das neue Gerät statt einer eingebetteten Flash-Animation auf der Webseite der "New York Times" nur das Symbol für das fehlende Plugin anzeigte. Das war wohl kaum ein Versehen, sondern eher die klare Botschaft: Wir brauchen kein Flash. "Es hat einige überrascht, dass es auf einem neuen magischen Gerät keinen Flash-Player gibt", schrieb der Adobe-Technikchef (CTO) Kevin Lynch, nach der Vorstellung des iPads im Firmenblog. Dabei sei Flash ironischerweise vor 15 Jahren gerade für solche Tablet-Computer entwickelt worden - damals noch von Macromedia, das 2005 von Adobe übernommen wurde. Lynch klagt, dass der neue Flash-Player 10.1 demnächst für alle Arten von Smartphones erscheinen werde - mit einer einzigen Ausnahme, dem iPhone. Adobe sei bereit, Flash auch auf die mobile Ausführung des Apple-Browsers Safari zu bringen, erklärte Lynch, "aber bisher haben wir nicht die erforderliche Zusammenarbeit von Seiten von Apple".

Allerdings gibt es auch immer wieder Kritik an Flash. Apple-Chef Steve Jobs hat wie berichtet die fehlende Flash-Unterstützung des iPhone-Browsers vor Mitarbeitern damit begründet, dass der Flash-Player bei Mac-Rechnern zu den meisten Systemabstürzen führt - das iPhone verwendet eine mobile Version "iPhone OS 3.x" von Mac OS X. Andere aber argwöhnen, dass Apple Flash deswegen aussperrt, weil damit ein Konkurrenzangebot zum App Store von Apple programmiert werden könnte. Flash auf dem Mac werde gezielt verbessert, erklärte Adobe-Sprecher Alexander Hopstein. Die kommende Version 10.1 des Flash Players werde die Belastung für den Prozessor reduzieren und "Macs könnten beim Rendern von Vektor-Grafiken dann schneller als Windows-Rechner sein".

Adobe hat zuviel Kontrolle
Kritisiert wird Flash aber auch deswegen, weil es sich nicht um einen offenen Standard handelt, sondern um "proprietäre Software", also eine Technik, die von einer einzigen Firma kontrolliert wird. Diese Flash-Kritiker setzen ihre Hoffnungen auf den neuen Webstandard HTML 5: Der Nachfolger der zurzeit gültigen Standards HTML 4 und XHTML 1 ermöglicht die Einbindung von Videos. Mit einem neuen Video-Tag und der Angabe zum Speicherort einer entsprechenden Datei geht das ebenso einfach wie bisher die Einbindung von Fotos in eine Webseite. Die aktuellen Browser-Versionen (Firefox, Safari,Chrome, etc.) haben den neuen Standard bereits integriert.

Damit ein Browser, der HTML 5 beherrscht, den Film auch anzeigt, ist allerdings noch ein "Video Codec" erforderlich - das ist eine Software, die sich um das Entpacken der komprimierten Videodaten kümmert. Hier gibt es den Standard H.264/MPEG-4, der von vielen Websites wie etwa YouTube verwendet wird, allerdings patentgeschützt ist und daher eine Lizenz erfordert. Frei verfügbar ist der alternative Codec Theora aus dem Open-Source-Projekt des Audioformats Ogg Vorbis, der aber als weniger leistungsfähig gilt.

Wegen der Lizenzkosten unterstützt der aktuelle Firefox-Browser des Open-Source-Projekts Mozilla nur Theora. Der Apple-Browser Safari setzt hingegen auf H.264, Google Chrome kann mit beiden Codecs umgehen. Um HTML-5-Filme mit dem Internet-Explorer anzuschauen, muss erst ein Plugin von Google Chrome installiert werden.

Flash-Anbieter unbeeindruckt
Adobe-Manager Lynch gibt sich bei HTML 5 gelassen: Weder heute noch in absehbarer Zukunft könne der neue Web-Standard die Flash-Technik ersetzen. "Das Flash-Team wird in den kommenden Jahren Innovationen weiter vorantreiben, um Erfahrungen möglich zu machen, die auf andere Weise nicht möglich sind." Mit einem Seitenhieb auf Apple fügt der Technikchef von Adobe hinzu: "Wir sind der festen Überzeugung, dass das Web eine offene Umgebung bleiben sollte, mit einem durchgängigen Zugang zu Inhalten und Anwendungen und mit welchem Gerät auch immer."

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