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Apple: OSX Yosemite im Test

Beta Version

Apple: OSX Yosemite im Test

“Du bist aber mutig“, war die erste Reaktion eines Freundes, als ich ihm erzählte ich hätte mein Mac-Book mit der “druckfrischen” Beta Version von Apples neustem Betriebssystem ausgestattet und … ich hab es bis jetzt nicht bereut.

OSX Yosemite Beta, so genannt nach dem legendären Naturpark, in Kalifornien/USA, ist neueste Version des Apple Betriebssystems für “richtige” Computer. Beta heißt normalerweise für Normalsterbliche “Finger Weg”, denn hier handelt es sich um eine Vorab-Version, die fehlerhaft sein kann und schlimmsten Fall wichtige Daten zerstört. Das fertige Produkt kommt als Gratis-Update erst Anfang Oktober. Doch nachdem Apple diese Beta so so selbstbewußt beworben hatte, konnte ich mich meiner Neugier nicht erwehren und installierte das Ding — natürlich nicht ohne ein komplettes Backup von meinem Mac zu erstellen. Hier ist mein erster Eindruck.

Diashow Der erste Blick auf das neue OSX Yosemite

Spotlight Suche nach einem Programm - mit <enter> öffnet sich das Programm

Neue Look von apples Mission Control, alle Fenster auf einem Blick im Transparenz-Look

Mission Control

Mitteilungszentrale mit Transparenz

Detail

Die Elemente des neuen „Flat Design“ im Detail

Das neue Dock mit den neu designten Icons

Die neue Tabulatoren Voransicht in Safari - praktisch man sieht auch die offenen Tabs auf allen anderen Geräten (iPhone/iPad)

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Design
Was auf den ersten Blick ins Auge fällt, ist der neue, frische Look. Nach dem Redesign des iOS für iPhones und iPads im letzten Jahr, legte Chef-Designer Jonny Ive auch beim Betriebssystem für Apples Desktop- und Laptop-Computer Hand an und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Vergangenheit ist die opulente 3D Optik, die den Geschmacksvorstellungen des Apple Gründers Steve Jobs huldigte und teilweise kuriose Ausformungen erlebte, wie zum Beispiel beim Leder-Look des systemeigenen Kalenders oder bei der Glas-Optik der Finder-Buttons oder des Programm-Docks, stilprägend für eine ganze Generation von Web- und Programmdesignern (Schuldig im Sinne der Anklage).

Die neue Oberfläche, oder das UI (User Interface) wie der Nerd sagt, wirkt insgesamt aufgeräumter, moderner und funktionaler. Jony Ive setzt, wie beim iOs, auf Transparenzen, die er intelligent und unaufgeregt einsetzt. Und zwar dort wo es Sinn macht. So sieht man zum Beispiel bei Apples Browser Safari die Webseite beim scrollen im oberen Kontrollbreich leicht durchscheinen. Das vergrößtert subjektiv die Fläche der Seite und erhöht die Übersichtlichkeit. Ein anderes Mittel ist die optische Unschärfe, die subtil dort zum Zuge kommt wo Ebenen im System veranschaulicht werden. Wenn man z.B. von rechts über das Trackpad streicht, erscheint wie gewohnt die Mitteilungszentrale, neu ist das Fehlen des alten Teppich-Musters als Hintergrund, an dessen Stelle tritt der unscharf durchscheinende Desktop, man begreift, das liegt nur drüber, das kann auch wieder weg. Spannende Neuheit — nicht lachen — endlich können Entwickler auch Plug Ins für die Mitteilungszentrale entwickeln, lang überfällig aber man ist ja geduldig. Ein persönliches Highlight für mich, so absurd es auch klingt: endlich, endlich hat Apple das grauenhafte Glasregal für Programme im Dock entfernt, bis jetzt bedurfte es einiger Hacks am System-Terminal um sich diesen Look zu ersparen. Insgesamt wurde die Bedienung von Fenstern und Menüs vereinfacht, der Trend geht zur Reduktion.

Als finales Zugeständnis an den neuen einheitlichen Look übernahm Apple nun auch die Standard-Schrift des mobilen Betriebssystem “Helvetica Neue” für sein Desktop-OS. Eine Entscheidung die unter Designern durchaus kontrovers diskutiert wurde. Vielen war sie zu glatt, zu steril und auf alten nicht hochauflösenden Bildschirmen schwerer lesbar. Die Kritik finde ich durchaus berechtigt, die Schrift wirkt zwar klarer ist aber gerade bei kleinen Schnitten — z.B. in den Browser Tabs — wahrlich zierlich; die Lesebrille ruft.

Funktion
Viele der neuen Funktionen kommen erst im Zusammenspiel mit den mobilen Geräten von Apple so Richtig zur Geltung und dies auch erst mit dem Update auf iOS 8, welches zeitgleich mit den neuen iPhones im September zur erwarten ist.

Unter dem Begriff “Continuity” verspricht der Computer-Riese dann ein automatisches Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Geräten. So erkennt der Computer z.B. wenn das Handy in Rufweite liegt. Dann kann ein eingehender Anruf ohne Zutun auch am Computer angenommen werden. SMS Nachrichten erscheinen ebenfalls am Schirm und können auch beantwortet werden. Der Übergang von Computer zu mobilen Geräten wird nahtlos. Beginnt man eine Email am Computer und entfernt sich von diesem, kann man am iPhone oder iPad direkt weiter schreiben, die Geräte erkennen den Wechsel automatisch. Ebenso nutzt man sein iPhone jederzeit als Hotspot, es Bedarf keiner eigenen Aktivierung auf dem Handy mehr. Dies funktioniert natürlich nur unter Geräten des eigenen Hauses, ein Zusammenspiel mit Windows-Computern ist nicht zu erwarten.

Ein ebenfalls neues Feature ist das iCloud Drive. Nachdem Gründer Steve Jobs ja seinerzeit bei den Dropbox Erfindern abgeblitzt ist und diese eine Übernahme dankend ablehnten, hat Apple (nach subjektiv langer Zeit) seine eigene Dropbox installiert und diese gleich ins Betriebssystem integriert. Files von mehreren Gigabite per Mail zu verschicken ist ab sofort kein Problem mehr, das Betriebsystem umgeht die klassische 20 MB Sperre über Apples eigene Server und der Empfänger bekommt das File wie gewohnt als Attachement. Wermutstropfen: Wenn der Empfänger an einem Windos-Gerät sitzt, dann bekommt er einen Download-Link, aber das kennt man ja von Dropbox. Der kostenlose Gebrauch ist auf 5 Gigabyte limitiert, wenns ein bisschen mehrs sein darf gibt’s einen Kostenplan (ohne Werbung).

Ein jetzt schon merkliche Verbesserung ist das Update des Apple-Browsers Safari. Zu sagen er ist schnell, ist ein Understatement. Das Scrollen ist wie Butter, der Seitenaufbau blitzschnell — man darf auf die Benchmarks gespannt sein. Das Interface wurde gut aufgeräumt, das Handling von Tabulatoren verbessert. So kann man jetzt einfach horizontal durch die Tabultatoren scrollen und durch die vom iPhone bekannte “Pinch-Geste” in die neue Tabulatoren-Übersicht gelangen (Es gibt auch einen Button dafür). Besonderheit hier, die Übersicht ist in Webseiten geordnet, hat man also mehrere Wikipedia-Tabs offen, sieht man diese auf einem Stapel, gut für Menschen die Tabulatoren nie schließen. Sehr nett ist auch die Shared Links Sektion — hier sammelt Safari alle Links die von Twitter-Kontakten geteilt werden —ergo, je besser die gewählten Kontakte desto interessanter die Links. Schade nur, dass man keine Previews der Links sieht, so wie im Newsfeed von Facebook, sonst könnte diese Funktion Facebook wirklich Konkurrenz machen. Und ja, es gibt jetzt auch eine “Privates Fenster” Funktion, wer’s braucht.

Eine von Insideren mit Interesse verfolgte Funktion, ist die Möglichkeit bei Safari die Suchmaschine duckduckgo.com als Standardsuche zu installieren. Dieser Anbieter zeichnet im Gegensatz zu google keine Nutzerdaten auf und Kenner vermuten hier eine neue Alleinstellungsstrategie des Konzerns. Eine Vorgabe die sich vermehrt in allen Bereichen von Apples Software & Hardware* durchsetzt — der sehr restrektive Umgang mit Userdaten. Man darf gespannt sein wenn die ersten Apple vs. Google TV-Spots kommen, die das thematisieren.

Highlight des Updates ist mit Sicherheit die neugestaltete Version des Suchprograms Spotlight. Prominent in der Mitte des Bidschirms platziert, funktioniert Spotlight im Prinzip wie eine Suchmaschine ohne Internetbrowser. Das Interface sucht alles, was man finden möchte (das ist zumindest die Idee). Ob Dateien, Programme am Computer oder auch Inhalte im Web. Spotlight stellt eine intelligente Voransicht zur Verfügung aus der man wählen kann und die auch konfigurierbar ist. Auch hier, ohne Werbung. Einmal benutzt, wird der Weg zu Google seltener. Bei meinem Test war die Erkennung von Webinhalten noch nicht so ideal, ich schätze mal, dass Apples Algorithmus wie bei allen anderen Suchmaschinen auch, auf eine große Anzahl von Usern angewiesen ist, um seine Suche zu verfeinern. Warum Apple allerdings seine Siri Sprachfunktion hier noch nicht integriert hat sei dahingestellt, vielleicht folgt diese ja noch bei der finalen Version.

Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, das Apple mit den neuen Updates seine Zukunfts-Strategie offenbart hat. Eine Strategie die Apple deutlich von den zwei anderen großen Playern, Google und Microsoft, abgrenzt. Im Gegensatz zu Microsoft setzt der Computer-Riese nicht auf das gleiche Betriebssystem für alle Geräte, obwohl der Kern von iOS und OSX natürlch der gleiche ist. Apple anerkennt, dass jedes Gerät andere Nutzerbedingungen erfüllen muss. Touch-Bedienung hat sich auf Laptops bzw. Netbooks nicht wirklich durchgesetzt und Maus, Tastatur und Touchpad werden uns wahrscheinlich noch des längeren begleiten. Deshalb setzt Apple anstatt auf gleiches Design, wie bei Windows 8, auf nahtloses Zusammenspiel und erkennbar ähnliche Formensprache.

Im Vergleich Apple mit Google spielt die Cloud, also all jene Funktionen die auf eine Internetverbindung angewiesen sind, die größte Rolle. Hier wird der Unterschied zwischen den beiden Rivalen am deutlichsten.

Wie der bekannte Apple Blogger John Gruber so richtig analysiert, sind bei Google die Cloud und die damit verbundenen Webservices alles, ohne Internet geht nichts. Logisch, weil so sammelt Google seine Userdaten und verkauft diese dem interessierten Kunden/Werber. Auch besitzt Google mit Android zwar das dominierende Smartphone Betriebssystem, aber auf dem von Microsoft dominierten PC Markt basiert seine Präsenz alleine über den Browser. Ist dieser nicht offen gibt’s, beim durchschnittlichen User, kein Google. Die Intelligenz liegt in der Cloud.

Bei Apple ist die Cloud nur eine Erweiterung seines Angebots. Wie ein riesiger Speicher, siehe iCloud Drive, oder einfach nur eine Erweiterung der Apple-Plattform, wie die Online-Programme auf icloud.com. Die eigentliche Intelligenz liegt in den Geräten. Das Zusammenspiel der Geräte funktioniert auch ohne Internetverbindung und so sensible Daten wie Fingerprint Scans oder Passwortschutz sind direkt an die Geräte gebunden und verlassen diese(theoretisch) nie.

Autor: Philipp Melchers

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