"> Cardillac: "Mörderischer" Opern-Start, Staatsoper, Premiere

Cardillac

"Mörderischer" Opern-Start

Seit Anfang September hat die Wiener Staatsoper eine neue Leitung. Nach 19-jähriger Amtszeit Ioan Holenders bezog Dominique Meyer die Direktion. Und der weltberühmte Oberösterreicher Franz Welser-Möst wurde Generalmusikdirektor. Den ersten Monat verwendete der neue Musikchef vor allem dazu, das teilweise über die Jahrzehnte verstaubte und verwilderte Repertoire (Traviata, Bohème usw.) zu "putzen“. Ein erster Coup – drei Bohème-Vorstellungen mit Rolando Villazón – fand nicht statt, da der Startenor absagte. Dagegen klappte die erste konzertante Neuproduktion – Lukrezia Borgia mit Edita Gruberova – wie am Schnürchen. Dann – gestern – die erste echte (szenische) Premiere: Paul Hindemiths Oper Cardillac. Und damit setzten Meyer und Welser-Möst – der selbst dirigierte – gleich zum Auftakt der neuen Ära statt auf Vertrautes auf Riskantes.

Monströser Goldschmied ermordet seine Kunden
Cardillac, 1926 fertiggestellt, basiert inhaltlich auf dem Krimi von E.T.A. Hoffman, Das Fräulein von Scuderi. Protagonist dieses Künstlerdramas ist ein genial-monströser Goldschmied (gesungen von Juha Uusitalo), der von seinen Artefakten derart besessen ist, dass er die Käufer der Preziosen glatt ermordet.

"Hindemiths Musik stößt niemanden vor den Kopf“
Hindemiths neobarocke, zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit angesiedelte Musik ist keine gemähte Wiese. Dennoch könne man nicht sagen, dass diese 83 Jahre alte Oper "zu der vor den Kopf stoßenden Moderne zählt“, beschwichtigt Regisseur Sven-Eric Bechtolf, der sich für Cardillac von der Ästhetik des Stummfilms inspirieren ließ. Diese Musik sei – so Bechtolf – "allen Unkenrufen zum Trotz, gar nicht so verschreckend“.

Triumph für das Leading-Team

Nachtkritik von Karl Löbl: Der erste Eindruck der gestrigen "Cadillac"-Premiere.

Sven-Eric Bechtolf ist es zu verdanken, dass die komplizierte Mischung aus Krimi und Expressionismus, aus historischer Handlung und sachlicher Betrachtung, aus stenografisch knappem Text und Künstlichkeit der Aktionen ein packender Theaterabend wurde. Und Franz Welser-Möst hat den nicht minder schwierigen musikalischen Mix aus Neobarock und Sachlichkeit der 20er Jahre mit Orchester, Chor, Solisten derart souverän realisiert, dass an manchen Stellen, ohne den Charakter des Stücks zu schwächen, auch Sentiment zugelassen werden konnte.

Premiere
Paul Hindemiths Cardillac ist die Geschichte vom Goldschmied, der eher zum Mörder wird, als sich von seinen Kunstwerken zu trennen. Mit Juha Uusitalo (überzeugend in der Titelrolle), Juliane Banse und Ildikó Raimondi, dem stimmlich dominanten tenoralen "Heimkehrer“ Herbert Lippert, Matthias Klink und Tomasz Konieczny, mit einigen exzellenten Pantomimen und dank einer perfekten Bühnentechnik geriet die Premiere zum Ereignis.

Autor: hir,eha/Löbl
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