Favoritin Julia Franck gewinnt

Deutscher Buchpreis

© Thorsten Greve

Favoritin Julia Franck gewinnt

Das wurde bei der feierlichen Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römer bekannt gegeben. Die 37-jährige deutsche Autorin Julia Franck ist die dritte Preisträgerin des deutschen Buchpreises. Für ihren berührenden, bei S. Fischer erschienenen Familien- und Zeitroman "Die Mittagsfrau" rund um eine Mutter, die sich im Chaos des Kriegsendes 1945 plötzlich dazu entschließt, ihren kleinen Sohn zu verlassen, erhielt sie die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung zuerkannt.

Gewinnerin "überrascht"
Sie sei "schon überrascht", sagte die 1970 in Ost-Berlin geborene Autorin Julia Franck bei der Entgegennahme des Deutschen Buchpreises, denn bei der Lektüre anderer Titel der Shortlist sei sie zur Überzeugung gelangt, auch diese hätten die Auszeichnung verdient. Für Franck, die Altamerikanistik, Philosophie und Germanistik an der FU Berlin studierte, ist der Buchpreis durchaus nicht die erste Würdigung ihres Werks, zu dem u.a. die Bücher "Liebediener", "Bauchlandung", "Geschichten zum Anfassen" und "Lagerfeuer" gehören. So erhielt sie etwa den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis (2004) und die Roswitha-Medaille der Stadt Gandersheim (2005). Die dortige Jury hatte Franck als "eine der bedeutendsten Chronistinnen der deutschen Gegenwart" gewürdigt.

Familiengeschichte als Ausgangspunkt
In "Die Mittagsfrau" hat sich die 37-jährige Autorin eine prägende Episode ihrer Familiengeschichte zum Ausgangspunkt genommen: Sie schildert das Leben einer jüdischen jungen Frau, Helene, die sich im Chaos nach Kriegsende 1945 auf einem Bahnhof plötzlich dazu entschließt, ihr bisheriges Leben über Bord zu werfen und ihren knapp 8-jährigen Sohn zu verlassen - ganz ähnlich, wie es Francks eigenem Vater ergangen war. Mit großer Einfühlsamkeit versucht die Autorin, die Gründe für diese ungeheuerlich wirkende Entscheidung zu erkunden. "Ich wollte aber nicht erklären, warum sie ihr Kind zurücklässt, Helene nicht verurteilen oder rechtfertigen", sagte Julia Franck in einem Interview mit der "NZZ", "sondern von den Erfahrungen erzählen, die sie erlöschen lassen."

Zwei Österreicher nominiert
Auf der Shortlist hatten sich neben Julia Franck, Katja Lange-Müller ("Böse Schafe"), Thomas von Steinaecker ("Wallner beginnt zu fliegen") und Martin Mosebach ("Der Mond und das Mädchen") auch die beiden Österreicher Thomas Glavinic ("Das bin doch ich") und Michael Köhlmeier ("Abendland") befunden. Insgesamt hatte die Jury, der auch der österreichische Autor und Herausgeber Karl-Markus Gauß angehörte, 117 Titel geprüft, die zwischen dem 1. Oktober 2006 und dem 12. September 2007 erschienen sind.

Vom Booker Prize inspiriert
Der Deutsche Buchpreis wurde vor zwei Jahren nach dem britischen Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels geschaffen. Damit wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse der beste deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet. Erster Preisträger war 2005 der Vorarlberger Arno Geiger ("Es geht uns gut"), im Vorjahr gewann die Deutsche Katharina Hacker ("Die Habenichtse").

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