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Ladytron: Der Tempobringer als Glücksbote

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Ladytron: Der Tempobringer als Glücksbote

Erneut betörend oder endlos kreisend? Das sind die beiden möglichen Hauptfragen, die man sich wohl vor jedem Longplay-Release der Engländer Ladytron aufs Neue stellt. Das Album Nummer drei mit dem wunderschönen Namen „Velocifero“ („Tempobringer“) wurde nach „Witching Hour“, welches hierzulande als verspätete Erscheinung mit dem Stimmungsmacher „Destroy everything you touch“ doch noch in den Radioäther gepumpt wurde, überraschend schnell fertig gestellt und lässt die Vermutung zu, dass Ladytron nun bei ihren Fans etwas gut machen wollen. Besinnend auf die erste Frage: ja, Ladytron verzaubert mit „Velocifero“ erneut und lässt es sich nehmen, das, sagen wir einmal vorsichtig, stimmigste Album ihrer Karriere aus dem Hemdsärmel zu schütteln.

Prolongierte Dunkelheit
Die zweite Frage beantwortet sich von selbst. Die Inspiration der dunklen 80er Jahre machen auch bei dem dritten Album nicht halt, nur scheint es, als ob sich die Strukturen viel mehr in Richtung Emotion und wirklicher Hingabe zur Melodie verändert hätte. Die Bulgarin Mira Aroyo und deren Kumpanin Helena Marnie, die beiden Frontfrauen der Elektro-Stilikonen, leihen dem Synthie-Projekt erneut ihre, oftmals durch den Vocoder gezerrten Stimmen, während Reuben Wu und Daniel Hunt für die erquickende wie stets unterkühlte Downtempo-Berieselung im Hintergrund sorgen. Wie die Instrumentierung, präsentieren sich Ladytron bei ihren seltenen Live-Gigs stets in schwarz und mit progressiver Optik.

Zum Support verdammt?
Gut machen ließe sich auf jeden Fall vieles. Die zur ewigen Support-Band verdammten, haben sich als Elektro-Formation Nummer eins hochgespielt, verzichten aber weitgehend auf mediengeile Publicity und auf das schamlose Zur-Schau-Stellen ihrer hübschen wie kreativen Köpfchen. Letztes Jahr in Wien, spielten sie im Vorfeld des genialen aber furchtbar schnell ausverkauften (und damit für "Nur"-Ladytronfans nicht zugänglichen) Nine-Inch-Nails-Gigs im Wiener Gasometer ein kurzes Set. Viel zu knapp, wenn es nach den Fans auch hierzulande geht. Auch sonst wird in Europa eher spärlich gespielt, der Fokus liegt immer noch auf der alten Heimat sowie Amerika, das als Nächstes erobert werden soll. Ladytron sind eine Fixgröße des Elektrohimmels, die eine breitere Welle losgetreten haben, als manche vermuten würden. Immerhin sind die 80er in ihren schrillen Ausrichtungen die musikalische Vorgabe für etliche aktuelle Artists wie Scenario Rock, Calvin Harris oder The Client.

Der Tempobringer
„Velocifero“ entpuppt sich als mehr als würdiger Nachfolger des ohnehin großartigen „Witching Hour“-Albums, bereits der Opener „Black Cat“, bei der Aroyo auf Bulgarisch bezeugt, dass auch eine slawische Sprache durchaus mit dem synthetischen wie wild treibenden Sound ausgezeichnet harmoniert, macht in sekundenschnelle Lust auf mehr. „Predict the day“, „Versus“ sowie „Ghost“ haben die Kraft, Psychen mit allergrößter Lockerheit ohne der Zugabe fremder Substanzen in ein anderes Universum zu spielen. Songs wie "Predict The Day" mit seinen schroffen Gitarren zeigen die Rock-Einflüsse so deutlich wie nie zuvor. Das neue Album produzierte die Band selbst und mit Hilfe von Vicarious Bliss (Ed Banger Records) wie Alessandro Cortini (Nine Inch Nails). Vielseitig, rhythmisch, mondän und überraschend klar präsentiert sich Ladytron im Jahr 2008.

Ladytron, 21. Oktober, Arena Vienna, Baumgasse 80, 1030 Wien, 20:00 Uhr!

Tickets noch unter 01 96 0 96 888 oder AK Arena

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Ladytron – „Velocifero"

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