Österreichs ältestes Buch im Lavanttal

Stift St. Paul

Österreichs ältestes Buch im Lavanttal

Die Bibliothek des Benediktinerstiftes St. Paul im Kärntner Lavanttal umfasst an die 180.000 Bände, viele davon sind einzigartig. Sie bildet auch den Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die am Sonntag eröffnete Großausstellung "Macht des Wortes". Die Schau punktet aber auch mit edlem Geschmeide, kirchlichem Prunk und lässt den Besucher die Lebensweise und Grundzüge des Benediktinerordens auf anschauliche Weise kennen lernen. Der Versicherungswert der Exponate liegt bei rund 4,5 Milliarden Euro.

100.000 Bände
Die Bibliothek wurde - nach aufwendigen Umbauten - in den Stiftskeller verlegt. In Gewölben aus dem 15. Jahrhundert, die den jüngsten Teil der Keller ausmachen, stehen zahllose Bücherregale, die Folianten und Handschriften beinhalten. 100.000 Bände stehen hier, der Rest ist im Tiefenspeicher. Man darf die Bücher zwar nicht aus den Regalen nehmen, sie beeindrucken aber schon allein durch ihre Zahl und den Ort ihrer Aufbewahrung.

Die Kellerräume, die ältesten stammen aus dem 11. Jahrhundert, beherbergen auch den zweiten Teil der Ausstellung, die den Anfängen des Mönchtums gewidmet ist. Antike Karten und Exponate schlagen den Bogen zur griechischen und römischen Kultur und Philosophie, in denen, so Ausstellungsmacher Pater Gerfried Sitar, die Prinzipien der Mönche wurzeln.

Wissen aus der Antike
Gezeigt werden auch die Klöster als Bildungszentren. Laut Pater Gerfried war es etwa ein Bestreben der Benediktiner, das Wissen aus der Antike auch im Mittelalter zu bewahren und es in die Renaissance hinüberzuretten. Inquisition und Obskurantismus werden nicht ausgeblendet, diese dunklen Flecken der Kirchengeschichte werden zwar eher nur gestreift, aber immerhin.

Die Rolle der Klöster als Bauherren, Kunstmäzene und Wirtschaftsbetriebe wird anschaulich beleuchtet, breiter Raum wird dem heiligen Benedikt von Nursia gewidmet, dessen "Regula Benedicti" den Leitfaden für das klösterliche Leben darstellen. In einer Multimediaschau wird dem Besucher der Ordensgründer näher gebracht.

Planetarium
Ein Planetarium wurde ebenso installiert wie ein Meditationsraum, in dem man bei gregorianischen Chorälen die Hektik des Alltags ablegen kann. Am Ende steht der sogenannte Hemisphärenraum, der vor dem Umbau die Bibliothek beherbergt hat. Die Deckenmalerei, die beide Erdhemisphären zeigt, kommt jetzt, da die Regale weg sind, wesentlich besser zur Geltung. Danach geht es wieder ins Freie, wo eine neu angelegte barocke Gartenanlage einen freundlichen Kontrast zu den Gewölben darstellt.

Trotz der großen Anzahl von Kostbarkeiten - vom ältesten erhaltenen Dokument in gälischer Sprache über die Merseburger Zaubersprüche und einen Ambrosius-Codex aus dem 5. Jahrhundert bis zu prachtvollen Goldkelchen, dem kleinsten Globus der Welt bis zum kostbaren Adelheid-Kreuz aus dem 11. Jahrhundert, Dürers, Rembrandts und Da Vincis - wird nicht geprotzt. Auch das älteste Buch Österreichs ist ausgestellt. Natürlich bekommt auch das Kreuz einen zentralen Platz, stehen etliche Juwelen aus der Sammlung des 1091 gegründeten Stifts im Mittelpunkt. Aber das Ziel, die Vermittlung von Wissen und Eindrücken über das klösterliche Leben, wird dadurch nicht überlagert.

(S E R V I C E: Ausstellung "Macht des Wortes" im Benediktinerstift St. Paul/Lav., 26. April bis 8. November, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr. Eintritt: 10,50 Euro für Erwachsene, diverse Ermäßigungen. Informationen auch im Internet unter http://www.europaausstellung.at )

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