Tod am Berg und Coke im Cola

Locarno

Tod am Berg und Coke im Cola

Mit drei Filmen ist Österreich beim Filmfestival Locarno heuer besonders stark vertreten und zeigt sich dabei durchaus von seiner bergigen Seite.

Mit dem „Alpin-Blockbuster“ "Nordwand" entführte der Regisseur Philipp Stölzl das Publikum auf der 8.000 Zuschauer fassenden Piazza Grande zum Beispiel auf die Eiger Nordwand. In spektakulären Aufnahmen inszeniert er die wahre Geschichte über di e vier Bergsteiger Toni Kurz (Benno Fürmann) Andi Hinterstoisser (Florian Lukas), Willy Angerer (Simon Schwarz) und Edi Rainer (Georg Friedrich), die 1936 an der Erstdurchsteigung der Eiger Nordwand scheiterten. Dabei deutet der Film zumindest die Idee einer kritischen Auseinandersetzung über die ideologische Verwertung des Bergsports in der Nazizeit an. Doch der von der Wiener Dor Film koproduzierte Event-Movie sei im Fahrwassser des aktuellen „Revival des Bergfilms“ bewusst als breitentauglicher Blockbuster konzipiert, so Stölzl im Gespräch mit ÖSTERREICH.

Horror-Trip
Als ebenso breitentauglicher (Austro-)Blockbuster hatte sich vor zwei Jahren Andreas Prochaskas Horror-Film "In drei Tagen bist du tot" herausgestellt. Nur eine Frage der Zeit, das Sequel zu präsentieren, diesmal wieder erstmals auf der Piazza Grande, und unter dem selben Titel, wenn die Geschichte auch eine ganz andere ist. Für "In drei Tagen bist du tot 2" schickt Prochaska zwar wieder Sabrina Reiter auf die Flucht vor irren Killer-Psychopathen, hat die Handlung aber in die Tiroler Berge verlegt. Seinem Konzept „Austro-Horror“ bleibt er dabei treu: „Ich habe verschiedene Horror-Genre-Elemente übernommen, vor allem des US- Teenie-Slashers, und sie den österreichischen Verhältnissen angepasst“, so Prochaska im Gespräch mit ÖSTERREICH. „So abwegig sind diverse Horror-Szenarien ja auch bei uns nicht, wie uns die realen Geschehnisse leider immer öfter zeigen.“Die Reaktionen auf der nicht ganz gefüllten Piazza waren gemischt: Szenenapplaus, aber auch Gelächter für den stylish gefilmten Horrortrip, der sich ernster nimmt als andere Filme dieses Genres.

Film über Techno-Szene
Außerhalb des Wettbewerbs, aber nicht minder sehenswert gestaltete sich die Premiere des Szene-Porträts „Berlin Calling“ von Hannes Stöhr: Der deutsche DJ Paul Kalkbrenner spielt hier den Techno-DJ Ickarus, der nach etwas zu viel Coke im Cola, sprich: einem „böse-Pillen-Trip“ in der psychiatrischen Klinik landet. Flug, Sturz und Wiederaufstieg sind Programm: Denn Ickarus stellt selbst vom „Irrenhaus“ sei n aktuelles Album fertig - und landet damit einen Riesenerfolg, nachdem ihm Managerin und Freundin bereits jeglichen Kontakt gekündigt haben.

Bei der Premiere auf der Piazza Grande in Locarno bewies Kalkbrenner, dass er der Filmfigur zumindest musikalisch um nichts nachsteht: Noch während des Abspanns erklomm er unter stürmischem Beifall die Bühne und verwandelte die Piazza kurzerhand in einen Berliner Szeneclub.

Wettbewerb
Auf Filmkunst hingegen setzt Österreichs Wettbewerbsbeitrag "März" vom Tiroler Schriftsteller Händl Klaus. Er nimmt den unerklärbaren Selbstmord dreier Jugendlicher zum Anlass, über die Trauerarbeit eines ganzen Dorfes zu reflektieren. „Ein spröder Film, der dem Zuschauer sicher nicht entgegenkommt“, so der Regisseur. „Aber ich denke, er berührt“. Nicht nur deswegen hat "März" gute Chancen auf den Goldenen Leoparden, der am Samstag verliehen wird.

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