Umberto Ecos

Leseprobe hier!

© Carl Hansen Verlag

Umberto Ecos "Geschichte der Hässlichkeit"

Millionenfach gelesen, weltweit anerkannt, bleibt der bekannteste italienische Intellektuelle seiner wohl größten Tugend treu - dem Fleiß. Vier Jahre nach seiner so reich bebilderten "Geschichte der Schönheit" widmet sich Umberto Eco (75) dem, was man als das weniger erforschte Gegenteil einstufen könnte. Frankenstein und die Fratzen des Hieronymus Bosch, der Horror des Schlangenkopfes der "Medusa" von Rubens oder der Christus in dem Film von Mel Gibson - all das hat seinen Platz in Ecos "Geschichte der Hässlichkeit". Sie liegt seit Mittwoch mit allen Fanfaren der Medien in den Buchhandlungen aus und sucht in 27 Übersetzungen weltweit ihre Leser.

Zum Download oder Ansehen:

Hier gibts die Leseprobe von Eco's "Geschichter der Hässlichkeit"
(pdf.Datei, (c) Carl Hanser Verlag)

"Hässlich" hat mehrere Bedeutungen
In Deutschland ist es bereits erschienen, Ecos prall gefülltes Panoptikum von Hölle und Teufel, von Monstern, Hexen und "modernen" Scheußlichkeiten als anziehende Schattenseiten jener Schönheit, die Kultur und Medien immer gern als die Sonnenseite des Lebens zeigen. "Hässlich" meint auch: brutal, blutig, sadistisch, obszön, grotesk.

Die Geschichte des Horrors
Eco wäre nicht Eco, würde diese Geschichte des Horrors, des Hässlichen und des Widerwärtigen als nüchterne Bestandsaufnahme daherkommen. "Hässlichkeit ist nicht das Gegenteil des Schönen", hielt der Vielschreiber und große Fabulierer vor dem Starttag seines jüngsten Werkes auf der Titelseite der römischen Zeitung "La Repubblica" fest: Schlüpfte ein Besucher von einem fernen Stern in eine Ausstellung moderner Kunst, könnte er angesichts der abstrakten Frauengesichter von Pablo Picasso ein falsches Bild von "Schönheit" bekommen, meint der Meister. Doch schon der Besuch einer Modenschau oder der "Miss Universum"-Wahl rückte das Bild dann wieder zurecht.

"Bildungsschnitzeljagden"
Umberto Eco kann weiterhin nicht von "Bildungsschnitzeljagden" lassen und führt den Leser - wie gehabt - in seine pralle Welt der Skurrilitäten und menschlichen Irrungen. Mit der Aufmachung fängt es an. Denn die "Geschichte der Hässlichkeit" ist zum einen durchaus ein ansehnliches "coffee table book" zum Durchblättern, gleichzeitig ein Buch der Kunst sowie eine außerordentliche, die Welt des Geistes und der Realität umspannende Anthologie. Brutales und Blutiges, so wie es im Leben vorkommt oder von den Künstlern herausgearbeitet worden ist, vermengt sich. Der außerirdische "E.T." ist eigentlich hässlich, und doch liebt man ihn. Was als schön oder hässlich angesehen wird, ist vor allem auch vom Zeitgeist abhängig, also niemals absolut.

Keine Theorie, aber Geschichte der Häßlichkeit
"Ich habe eine Geschichte der Hässlichkeit geschrieben und keine Theorie", gibt sich der Altmeister bescheiden. Er will in Interviews auch nicht erklären, ob und warum ein Robert Redford denn nun schöner sei als ein Gérard Depardieu. Das Schöne wird sicherlich bewundert, doch das Hässliche fasziniert: "Eine schwarze Messe, ein Voodoo-Abend oder weinende, schwitzende und sprechende Statuen sind (für uns) eine große Show. Und all das ist hässlich und erschreckt uns", erklärt der Bestseller-Autor und Professor für Semiotik (Zeichenlehre), der in seiner Mailänder Wohnung auf eine Bibliothek von etwa 30.000 Büchern zurückgreift. Und das Werk zur "Brutezza" dürfte nicht das letzte von ihm sein, schreibt Eco doch seit Jahrzehnten eines nach dem anderen.

Umberto Eco: "Die Geschichte der Hässlichkeit", übersetzt von Friederike Hausmann, Petra Kaiser und Sigrid Vagt, Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-20939-8, 456 S. Preis: 41,10 Euro

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