Meine beste Freundin, die Ministerin

Karin Gastinger

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Meine beste Freundin, die Ministerin

Diese Frau ist immer für eine Überraschung gut: Im Frühjahr dieses Jahres führte sie als Bawag-Richterin souverän durch den größten Wirtschaftsprozess der Zweiten Republik. Privat verblüffte sie 2002, als sie ihre Hochzeitsgäste in den Großen Schwurgerichtssaal zur Trauung bat.

Nun wird Claudia Bandion-Ortner (41) auch noch Justiz­ministerin (wenn auch wegen Grippe erst Anfang nächsten Jahres). Damit tritt die Ehefrau eines Polizeibeamten und Mutter eines sechsjährigen Sohnes – nach Vorgängerin Maria Berger – in die Fußstapfen einer ihrer engsten Freundinnen, Karin Gastinger (44). Die ehemalige BZÖ-Politikerin lernte die Richterin während ihrer Amtszeit zwischen 2004 und 2006 kennen – bis heute gehen die beiden Powerladys privat zusammen durch dick und dünn.

Im Interview verrät Gastinger, die heute als Consultant arbeitet, wie Österreichs neue Justizministerin tickt.

ÖSTERREICH: Frau Gastinger, wie haben Sie davon erfahren, dass Ihre langjährige Freundin Österreichs neue Justizministerin ist?

KARIN Gastinger: Durch meinen Geschäftspartner – ich habe dann natürlich gleich online nachgelesen. Und mich wirklich sehr für sie gefreut! Das ist genau der richtige Job für sie – und sie ist genau die Richtige für den Job.

ÖSTERREICH: Haben Sie schon zusammen auf den neuen Job angestoßen?

Gastinger: Nein, leider – Claudia liegt ja krank im Bett und wir haben nur telefoniert. Ich lasse sie jetzt auch in Ruhe. Schließlich muss sie sich auskurieren und das Bawag-Urteil schreiben, bevor es richtig los geht im Amt. Ich kenne das ja: Man braucht in so einer Phase auch ein bisschen Zeit, um seine Gedanken zu ordnen. Da hat man genug um die Ohren.

ÖSTERREICH: Sie kennen Frau Bandion-Ortner privat sehr gut – warum ist Sie Ihrer Meinung nach perfekt geeignet?

Gastinger: Da sie als Richterin die Justiz und alle handelnden Personen gut kennt, wird sie es sicher leichter haben als ich anfangs. Ich war ja sozusagen ein Alien, der sich erst richtig einarbeiten musste (lacht). Angenehm an diesem Ressort ist aber, dass das Justizministerium generell ein sehr loyales Haus ist, mit vielen guten Experten. Und Claudia ist eine durchsetzungsstarke, erfahrene Juristin, die diesen Job sicher sehr gut machen wird.

ÖSTERREICH: Sie haben in dieser Woche betont, dass Sie Ihrer Freundin keinerlei Ratschläge geben möchten – denken Sie nicht, dass Sie ihr damit sehr helfen würden?

Gastinger: Nein, denn erstens muss jeder seinen eigenen Weg finden, sich in diese Aufgabe einzuarbeiten und schließlich zu behaupten. Das ist viel zu individuell. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass Claudia überhaupt keinen Rat braucht. Und drittens kennen wir uns schon seit meiner Zeit als Justizministerin und wir haben privat eigentlich nie über unsere Jobs gesprochen.

ÖSTERREICH: Worüber reden Sie denn privat?

Gastinger: Zum Beispiel über unsere – auch sehr verantwortungsvolle – Aufgabe als Mütter. Claudia ist ja eine unglaublich gute, liebevolle, engagierte Mutter eines sechsjährigen Sohnes.

ÖSTERREICH: Wie würden Sie den Charakter Ihrer Freundin beschreiben?

Gastinger: Claudia ist ein sehr lebensfroher, positiver und herzenswarmer Mensch, der gerne Menschen um sich hat und mit dem man unglaublich viel lachen und gut reden kann. Das zeichnet sie aus – und das wird sie auch zu einer guten Justizministerin machen. Abgesehen davon ist sie ein ganz großer Familienmensch – ihr Mann und ihr kleiner Sohn spielen auf jeden Fall die Hauptrolle in ihrem Leben.

ÖSTERREICH: In so einer Position ist es sicher nicht einfach, Beruf und Familie zu vereinbaren …

Gastinger: Natürlich wird das eine Herausforderung, aber die Claudia kann da sicher als tolles Role Model fungieren und zeigen, dass es sehr wohl geht. Claudias Ehemann ist da auch wirklich ganz großartig und unterstützt sie sehr in allem, was sie tut. Ansonsten würde es mit einem sechsjährigen Kind auch nicht gehen.

ÖSTERREICH: Frau Bandion-Ortner wird dann und wann auch bei Society-Events gesehen – könnte sie nun als Justizministerin Gefahr laufen, wie Ex-Ministerin Kdolsky für zu „lockere Auftritte“ heftige Kritik zu ernten?

Gastinger: Das glaube ich nicht. Die Claudia wird sicher ihren eigenen Weg gehen und genau wissen, wo sie hin geht und wo nicht. Sie ist eine g’standene Frau, die weiß, was sie tut!

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