Pizza und Gyros bald Weltkulturerbe?

Erhaltenswert

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Pizza und Gyros bald Weltkulturerbe?

Kommende Woche wird die Weltkulturorganisation Unesco in der kenianischen Hauptstadt Nairobi über 47 neue Eintragungen auf der Liste des immateriellen Kulturerbes beraten. Mit dieser werden seit dem Jahr 2003 etwa Traditionen, Tänze, Bräuche und mündliche Überlieferungen als erhaltenswert eingeordnet, die für ein Land oder eine ethnische Gruppe von besonderer Bedeutung sind. Beantragt wird eine besondere Anerkennung etwa für die Mittelmeerküche, Flamenco, die Peking-Oper oder die Springprozession im luxemburgischen Echternach.

Gesundheitliche Vorteile

Sind Pizza, Couscous und Gyros demnächst also Weltkulturerbe? Hochkultur-Puristen mögen das vielleicht für etwas übertrieben halten, Mediziner dagegen an die gesundheitlichen Vorteile der Ernährung in den Mittelmeerstaaten erinnern. Und die Falknerei, die von mehreren arabischen Staaten, aber auch Belgien, Frankreich und Tschechien gemeinsam als "lebendiges Erbe der Menschheit" vorgeschlagen wird, ist schließlich seit Jahrhunderten aristokratische Freizeitgestaltung. Schützenswert ist nach Ansicht der Antrag stellenden Länder aber auch Spaniens Flamenco, der belgische Houtem-Jahrmarkt, Teppichknüpfkunst aus dem Iran und Aserbaidschan oder das mongolische Naadam-Festival.

Auch in Gegenwart lebendig
Nach Unesco-Definition muss immaterielles Kulturerbe auch in der Gegenwart lebendig sein, identitätsstiftende Wirkung haben und repräsentativ für ein Land oder eine Kulturregion sein. Die Wirkungen einer Aufnahme ins Weltkulturerbe dürften unterschiedlich sein. Fast-Food-Fans werden sich durch eine Aufnahme der Mittelmeerküche wohl kaum zu einer Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten verleiten lassen. Kulturfestivals oder regionale Bräuche könnten so aber mehr Aufmerksamkeit erhalten, bis hin zu mehr Einnahmen durch Tourismus.

Dass diese Aufmerksamkeit auch ins Gegenteil umschlagen kann, wird nicht zuletzt im diesjährigen Gastgeberland Kenia deutlich. So werden die Massai, die als einzige der 42 ethnischen Gruppen des Landes seit Jahrhunderten an ihren Traditionen unverändert festhalten, als touristisches Aushängeschild des ostafrikanischen Landes vermarktet - meist ohne selbst etwas davon zu haben.

Viele der Tanzgruppen, die abends in Safari-Lodges oder in Küstenhotels auftreten, sind nicht einmal echte Massai. Die Tänze selbst, in den Dörfern Teil oft mehrtägiger Zeremonien, sind bei solchen Auftritten nur Akrobatik, deren eigentliche Bedeutung den Zuschauern verschlossen bleibt - austauschbare Afrika-Exotik eben, wie auch die serienmäßig hergestellten Holzmasken, die aus dem Kongo oder Westafrika ihren Weg in die Touristenläden von Mombasa oder Nairobi gefunden haben.

Mehr Infos: http://whc.unesco.org/en/list

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