Individuell wohnen mit eigenen Ideen

Homestory 44

© Astrid Bartl

Individuell wohnen mit eigenen Ideen

Was vor mittlerweile elf Jahren mit einem alten Haus seinen Anfang nahm, präsentiert sich heute als überaus großzügiger und gelungener Ausbau: Drei alte Bauernhäuser wurden miteinander verbunden und bieten an die 500 Quadratmeter Platz – zum Wohnen und Arbeiten. „Unsere Häuser haben wir nach unseren Ideen ohne Architekt und Designer gestaltet“, lautet das Wohncredo von Martina und Alfred Kroiher-Spitzer. Kein Wunder: Schließlich gehören die beiden als Grafikerin und Maler zu den sogenannten Kreativen in diesem Land und wollen sich ihre Individualität auch beim Wohnen erhalten. „Wir bevorzugen eine Mischung aus Alt und Neu“, bringt es Martina Kroiher-Spitzer auf den Punkt. „Wenn man seinen eigenen Stil hat, ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, von der Stange zu kaufen.“ Und Ehemann Alfred Spitzer ergänzt: „Wir haben uns bewusst nie auf einen Stil festlegen lassen. Auch guter Kitsch kann durchaus seinen Reiz haben.“ Also wurde das üppige Madonnenbild – ein Fundstück vom Dachboden – kurzerhand in die Wohnfläche integriert und wird von den Bewohnern nicht nur als Erinnerung an die früheren Besitzer des Hauses geschätzt.

Recht schnell haben die Kroiher-Spitzers festgestellt, dass das ursprüngliche Wohnhaus für eine vierköpfige Familie und zwei „Homeworker“ nicht ausreichend Platz bieten kann. Es waren glückliche Zufälle, dass die Häuser jeweils links und rechts im Lauf der Jahre zum Verkauf standen: die große Chance für die beiden Kreativen, ihr Refugium großzügig zu erweitern – eine kleine Privatgalerie inklusive. Martina Kroiher-Spitzer: „So, wie sich das Leben verändert, so erfordert auch das Wohnen kontinuierlich eine Anpassung.“ Und in der Tat wird auch heute noch von den Hausbesitzern mit neuen Ideen regelmäßig umgestaltet, um sich auch weiterhin perfekt wohlfühlen zu können.

Die Keimzelle, sozusagen der familiäre Lebensmittelpunkt, befindet sich im mittleren Haus der Anlage. Aus drei kleinen Zimmern wurde ein einziger großer Raum geschaffen, der sich über sechs Meter Höhe bis unter das Dach erstreckt. „Als unsere Kinder noch klein waren, war das unsere Wohnküche“, erzählt die Grafikerin.Erst mit dem Älterwerden der beiden Kinder wurde der Raum mehr und mehr zum Wohnzimmer. „Wir haben lang auch keine Couch gehabt“, sagt Mar­tina Kroiher-Spitzer und erzählt von der Mühsal, ein passendes Stück zu finden. „Schließlich haben wir uns zusammengesetzt und ­einen eigenen Entwurf gezeichnet.“ Ein ortsansässiger Tischler hat dann die Ausführung besorgt. Vom großen Wohnraum führt eine moderne Wendeltreppe zum elterlichen Schlafbereich. Auch die Kinderzimmer wurden in das alte Bauernhaus integriert. Nur das Esszimmer und die Küche wurden als Anbau mit großem Gespür für Stil dazugebaut und verbinden sich natürlich mit den alten Hausbestandteilen. Die erste Erweiterung mit einem Nachbarhaus erbrachte den lang ersehnten Arbeitsraum für die Grafikerin und den Maler. Hier wurde bewusst ein eher sachlich-nüchternes Am­biente als Kontrast zum farbenfrohen Wohnhaus gewählt.

Farben spielen bei der Einrichtung und Gestaltung der Wohnräume nämlich eine ganz besondere Rolle. Bunt ist es, aber nicht einfach nur mit einem großzügigen Griff in den Farbtopf, sondern mit Bedacht überlegt, ausgewählt und kombiniert: egal, ob mit Bildern des Hausherrn oder seiner Malerkollegen, mit farbigen Teppichen, Lampenschirmen oder dem satten Grün der vielen Pflanzen. Kurz: Individualität, die gefällt. Denn Behaglichkeit, Wohlfühlen und eine gute Portion Querdenken lassen sich durchaus verbinden. „Ich kenne zu viele durchgestylte Wohnungen, bei denen die Bewohner wie aus einer anderen Welt wirken“, amüsiert sich Martina Kroiher-Spitzer ein wenig über den designerischen Perfektionswahn anderer. Viel lieber kombiniert sie Designklassiker wie etwa alte Thonet-Stühle mit schlichten modernen Möbeln, zum Beispiel einem hochglanzlackierten Sideboard im Wohnzimmer. „Auch dieses Teil haben wir selbst entworfen und nach unseren Ideen anfertigen lassen“, verkündet Hausherr Alfred Spitzer mit berechtigtem Stolz. Nachzufragen, welcher italienische Designer mit gro­ßem Namen für dieses Möbelstück Pate gestanden habe, verbietet der Anstand von selbst.

Schlussendlich ging vor ein paar Jahren noch ein weiterer Wunschtraum in Erfüllung: Das zweite Nachbarhaus stand zum Verkauf, und kurzerhand wurde die dritte Erweiterung des Kroiher-Spitzer’schen Anwesens in Angriff genommen: ein eigenes Atelier für Alfred Spitzer in Verbindung mit einer kleinen privaten Galerie – mit offenem Zugang auf die Straße hinaus. Liebevoll wurde auch hier die alte Substanz so weit wie möglich erhalten: etwa die alten Doppelfenster saniert statt mit Plastik ersetzt, Türen und Zargen im Original belassen und die Böden dem Stil des alten Hauses angeglichen. Moderne, individuelle Akzente ergeben sich durch die Gemälde und Grafiken schließlich von selbst. Nicht zu vergessen: Es fällt Besuchern schwer, sich die vier Bewohner in einem anderen Umfeld vorzustellen. Ein Umzug käme sowieso nicht infrage, denn wie gesagt: „Alles entwickelt sich …“

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