26. Februar 2010 18:31
Die beiden Gestalten, die Donnerstag knapp vor
Kassenschluss eine Raika-Filiale in Innsbruck-Arzl betraten, wirkten,
als wären sie vom Faschingsdienstag übergeblieben: Billige
Kunsthaar-Perücken im Wühltisch-Look. Kostüm Vogelscheuche.
Pistolen
Gewöhnlich witzeln Männer über solche Erscheinungen:
„Wenn die im Garten stehen, bringen die Spatzen die Kirschen vom Vorjahr
zurück.“ Aber Personal und Kunden im Schalterraum verging das Lachen rasch.
Denn die Grusel-Girls waren mit Tüchern maskiert und hielten plötzlich
Pistolen in der Hand.
Ladyman
Nächste Überraschung: Die 1,80 Meter große Räuberin mit
weißblonder Mähne ging nicht nur wie ein Mann, sondern ist vermutlich auch
einer. Denn während die schmächtige Komplizin (1.60 Meter) sich selbst an
der Geldlade bediente, drängte der Ladyman den Filialleiter mit rauem
Geflüster zum Tresor.
Dort prügelte der Gangster mit dem Pistolenknauf auf den Kopf des
schlotternden Bankers, bis der den Geldschrank öffnete. Ohne weitere Worte
sackten die Täter ihre beträchtliche Beute (angeblich mehr als 100.000 Euro)
ein. Der Überfall dauerte nur drei Minuten. Dann flüchtete das Duo zu Fuß
zur nächsten Kreuzung. „Dort wartete ein dritter Täter“, so Chefermittler
Karl Ritscher, „in einem dunklen Kleinwagen, an dem Innsbrucker Kennzeichen
montiert waren.“
Heiße Spur
Schon kurz nach dem Überfall glich Innsbruck
einer Festung: Im Zuge einer Großfandung kreisten Hubschrauber über der
Stadt, an vielen Kreuzungen standen Cops mit Maschinenpistolen. Doch die
Gangster entkamen. Dennoch gibt es eine heiße Spur.
Denn vor einem halben Jahr waren einer Arzler Familie drei verdächtige Typen
aufgefallen, die das Geldinstitut fotografierten. Die Einheimischen
lichteten das Trio ebenfalls ab – und haben die Bilder jetzt der Polizei
übergeben.