Kaprun-Katastrophe: 10. Jahrestag

Gedenkveranstaltung

Kaprun-Katastrophe: 10. Jahrestag

Geschätzte 150 Menschen haben sich bei der Gedenkstätte in unmittelbarer Nähe der Talstation eingefunden. Die Gedenkstätte selbst war zum Lichtermeer aus Kerzen geworden, vor jeder Lamelle stand zumindest eine.

Bürgermeister Norbert Karlsböck eröffnete um 9.00 Uhr den offiziellen Teil: "Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Ereignis nie zu vergessen. Deshalb versichere ich Ihnen, dass Kaprun und im besonderen die Gedenkstätte ein Zentrum des gemeinsam Erlebten ist und für alle Zeiten bleiben wird." Man möge einander am zehnten Jahrestag die Hände reichen, "in der Hoffnung, dass dies helfen kann, die Last zu lindern", so der Bürgermeister.

Vorwürfe der Angehörigen

Die zwei Reden der Angehörigen beinhalteten dann auch Vorwürfe. Uschi Geiger, die einen Sohn in den Flammen verloren hatte, kritisierte erneut das Strafverfahren, in dem alle 16 Beschuldigten freigesprochen worden waren. Alle hätten auf ein Zeichen der Justiz gehofft. Es sei ein schweres Los, dass keine Schuldigen gefunden worden wären. "Viele von uns stehen hier alleine gelassen mit unseren Sorgen und Nöten." Man habe zwar inzwischen gelernt, mit den Folgen des Unglücks zu leben, "aber die Wunden bleiben ein Leben lang, die Seele braucht einen dicken Verband."

Und Werner Kirnbauer, der ebenfalls einen Sohn verloren hatte, sagte, dass jeder der 3.652 Tage seit dem Unglück "ein Tag der Verzweiflung und Enttäuschung" gewesen sei. Die Justiz habe nicht einmal versucht, die Ursache des Infernos zu begründen, das wegen "menschenverachtender Profitgier und Schlamperei" geschehen sei. "Wir kennen das Gesicht der Verantwortlichen."

Versöhnlichere Worte schlug dann Landeshauptfrau Gabi Burgstaller an. Sie meinte, dass es vielleicht leichter falle, das Unglück zu verarbeiten, wenn man bereit sei zur Versöhnung. Und auch Bundeskanzler Werner Faymann lenkte den Blick in die Zukunft: Kein Gericht könne das Unglück ungeschehen machen. Aber man müsse die Lehren daraus ziehen. "Wir haben die Verantwortung, die Sicherheitsmaßnahmen auszubauen. Der Sparstift darf niemals dort angesetzt werden." Außerdem müsse jeder in seinem Bereich seiner Aufgabe mit maximaler Sorgfalt nachgehen, nur so könne eine Verkettung unglücklicher Umstände verhindert werden.

Katastrophe in der Standseilbahn
Beim Brand in der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn am 11. November 2000 sind 155 Menschen aus dem Leben gerissen worden. Auch zehn Jahre später sind die Wunden noch nicht verheilt: Viele Hinterbliebene können nicht abschließen, weil die Justiz keine Schuldigen gefunden hat, andere, weil immer noch so viel darüber berichtet wird, und auch im Dorf ist die Traumatisierung immer noch spürbar.

Alle Beschuldigten freigesprochen
Das Feuer war im Heizstrahler des Führerhauses ausgebrochen und griff rasch auf die komplette Zuggarnitur über. Zwölf Menschen konnten noch aus dem Stollen fliehen, für die anderen gab es keine Rettung mehr. Im Strafprozess wurden später alle 16 Beschuldigten freigesprochen, weil das Gericht keinem ein schuldhaftes Verhalten nachweisen konnte. Etliche Angehörige bemühen sich deshalb noch heute um ein neues Verfahren oder mehr Schmerzensgeld.
 

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