16. März 2010 18:32
© TZ Österreich Kernmayer
In der Affäre rund um Zahlungen des ÖOC an den Doping-Trainer Walter Mayer
gibt es nun auch Vorwürfe gegen den neuen ÖOC-Präsident Karl Stoss: Der
ehemalige ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth behauptet in einer
vierseitigen eidesstattlichen Erklärung (die ÖSTERREICH vorliegt), dass
Stoss in die Zahlung an Walter Mayer eingebunden war.
Demnach soll Stoss im Jahr 2007 in seiner Funktion als Vorstand der Casinos
Austria zugesagt haben, 100.000 Euro an das ÖOC zu überweisen, um die Causa
Walter Mayer zu bereinigen. Konkret soll am 11. Jänner 2007 im Büro des
damaligen ÖOC-Präsidenten Leo Wallner ein diskretes Treffen zur Affäre Mayer
stattgefunden haben. Anwesend neben Wallner und Jungwirth war
Strategieberater Erwin Roth.
Hintergrund des Gesprächs: Die Klage von Walter Mayer gegen IOC-Präsident
Jacques Rogge und seinen Vize Richard Pound drohte die Salzburger
Olympia-Bewerbung zunichte zu machen. Roth bot an, eine Lösung für das
„Problem Walter Mayer“ zu finden.
Jungwirth schreibt dazu in seiner eidesstattlichen Erklärung: Auf diese
Äußerung hin stand Herr Dr. Wallner auf, sagte: „Ich will das nur kurz mit
meinem designierten Nachfolger besprechen“ und verließ das Zimmer, um zu
telefonieren. Nach einer Weile kam er zurück und erklärte: „Das geht in
Ordnung, Karl Stoss ist damit einverstanden und hat zugesagt, 100.000 Euro
an das ÖOC zu bezahlen.“
Wallner hätte Jungwirth daraufhin beauftragt, den offenen Betrag von 500.000
€ an Roth zu überweisen.
Jungwirths eidesstattliche Erklärung soll nun bei einem Prozess des
Strategieberaters Erwin Roth gegen Leo Wallner vorgelegt werden. „Karl Stoss
ist als großer Reformer angetreten und jetzt erinnert er sich plötzlich
nicht mehr daran. Fakt ist, dass ich von Wallner den Auftrag hatte, ein
Arrangement mit Mayer zu treffen, und dass Karl Stoss wusste“, meint Roth.
Er klagt Wallner auf Auszahlung offener ÖOC-Honorare in Höhe von mehr als
300.000 Euro. „ÖOC-Präsident Stoss hat mir dazu geraten, die Klage gegen
Wallner einzubringen.“ Aus dem Büro von Karl Stoss hieß es gestern: „Die
Vorwürfe sind absurd“.
Für alle Personen gilt die Unschuldsvermutung.
„Karl Stoss wusste alles“
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ÖSTERREICH: Sie behaupten, dass ÖOC-Präsident Karl
Stoss im Jahr 2007 zugesagt haben soll, 100.000 Euro zu überweisen, um
damit das „Problem Walter Mayer“ zu
lösen. Erwin
Roth: Das war so und geht ja auch aus der eidesstattlichen
Erklärung von Heinz Jungwirth hervor. Wir waren am 11. Jänner 2007 im
Büro des damaligen ÖOC-Präsidenten Leo Wallner. Es ging um Walter
Mayer und seine Klagen gegen IOC-Präsident Jacques Rogge und seinen
Vize Richard Pound. Nach einem Telefonat mit Karl Stoss, meinte
Wallner, dass dieser damit einverstanden sei, dass ich das Problem
löse und die Casinos Austria dafür 100.000 Euro an das ÖOC überweisen. ÖSTERREICH:
Das heißt, Karl Stoss war über die Zahlung an Walter Mayer
informiert? Roth: Karl Stoss ist als großer Reformer
angetreten und jetzt erinnert er sich auf einmal nicht mehr daran,
dass er mit der Lösung Walter Mayer einverstanden war. Stoss wusste
alles. ÖSTERREICH: Sie haben nun eine Klage gegen
Leo Wallner eingebracht. Worum geht es da? Roth: Bis
heute wurden meiner Firma für erbrachte Tätigkeiten bei der Salzburger
Olympia-Bewerbung für 2014 Honorare über mehr als 300.000 Euro nicht
bezahlt. Ich klage Herrn Wallner hier in seiner Funktion als damaliger
ÖOC-Präsident, der mir diese Zahlungen zugesagt hat.
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