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Fall Flick

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Banden-Chef wollte 6 Millionen Euro

Der Raub des Sargs von Karl Friedrich Flick ist geklärt: Am Mittwoch hat die Polizei in Budapest die Details der unfassbaren Sarg-Entführung preisgegeben. Jetzt steht fest: Wie ÖSTERREICH bereits gestern als einziges Medium berichtet hat, ist der Budapester Jurist und Kirchenrat Dr. Barnabas Sziraki (41) der Drahtzieher. Er hat die Flick-Witwe seit einem Jahr erpresst – und wurde von privaten Securitys der Flicks gefunden und überführt.

Währenddessen hat sich eine Tochter von Friedrich Karl Flick vom Familien-Sprecher getrennt.

Der Sarg-Raub liest sich im Zeitraffer wie ein Hollywoodkrimi – filmreif:

November 2008: Vier Rumänen stehlen den Sarg
Monatelang hatte Dr. Barnabas Sziraki die Erpressung vorbereitet. Im November engagierte er einen ungarischen Hilfsarbeiter und vier rumänische Kriminelle, die den Sarg aus dem Mausoleum in Velden raubten – und mit einem Kleinlaster über Wien nach Budapest brachten. Der Ungar Zoltan N., der für den Raub nur 739 Euro (!) erhielt, ist in Haft. Die vier Rumänen – darunter ein wegen Polizistenmords Gesuchter – sind flüchtig.

erpresserbrief_lems (c) Lems, das ist der Erpresser-Brief

11. Dezember 2008: Bei Witwe langt E-Mail ein
Schon am 11. Dezember erhält die Witwe, Ingrid Flick, ein von Dr. Sziraki verfasstes E-Mail. „Liebe Familie Flick“, schreibt Sziraki, ich bin der Boss der Grabräuber. „Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen zu sprechen.“ Dann nennt Sziraki im zwei Seiten langen E-Mail die Bedingungen für die Freigabe des Sargs: keine Polizei und 6 Millionen Euro.

Der Brief im Wortlaut:

"Ich bin der Boss der „Grabräuber“. Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen allen zu sprechen. Sorry, ich bin spät, aber wir mussten warten.“

"Sie dürfen nicht die Polizei rufen! Sie sollen diesen Brief nur mit engsten Familienangehörigen lesen.“

"Seien Sie unbesorgt, der Sarg ist unbeschädigt. Er ist in gutem Zustand, er wurde verpackt. Er ist an einem sicheren Ort.“

"Sie müssen uns bezahlen! Dies ist Ihre einzige Chance. Wir sind Profis. Niemand außer uns weiß, was wir getan haben. Wir können schweigen. Wir haben die Spuren verwischt. Sie werden auf diesem Brief keinerlei Beweise finden – DNA, Gerüche, Fingerabdrücke usw. Wir haben keine Handys verwendet.“

"Ich habe alles schon aussortiert: Das Fahrzeug, alle Maschinen, Werkzeuge, Arbeitskleidung und -schuhe, Pläne und meinen Computer mit dem Drucker. Wir bleiben in Kontakt über Möglichkeiten des Internets mit Zombie-Computern.“

"Wir fordern 6 Mio. Euro.“

Ingrid Flick informiert weder Polizei noch Öffentlichkeit, sondern schaltet die Privat-Security eines prominenten Industriellen ein.

Juni 2009: Erster Kontakt im Wiener Stephansdom
Der Security gelingt es, mit den – anonymen – Entführern Kontakt aufzunehmen.
Nach sechs Monaten – im Juni 2009 – kommt es zum ersten Treffen. Ein Bote der Entführer hinterlegt im Stephansdom in Wien eine Nachricht. Sie führt zu einem Schließfach im Westbahnhof. Dort liegt ein Glasrohr mit einer Sarg-Probe. Die Flick-Vertreter deponieren im Schließfach 100.000 Euro „Anzahlung“.

Als der Bote das Geld abholt, beschatten ihn Flicks Privat-Cops, hören sein Handy ab – und hören mit, als er mit Sziraki telefoniert. Der Entführerboss ist gefunden.

20. November 2009: Sarg-Übergabe in Budapest
Ab sofort verhandelt die private Security offenbar direkt mit Sziraki. Er liefert über einen Boten am 20. Oktober einen weiteren Beweis (ein Stück vom Leichentuch) – wieder im Wiener Stephansdom.

Am 18. November erhalten die Flick-Securitys in einem Schuppen in einem Wäldchen in Buda den inneren Teil des Sarges mit der Flick-Leiche (in Plastik verpackt), danach erfolgt in der Kirche, in der Sziraki Kirchenrat ist, die Übergabe weiterer 100.000 Euro – danach wird am 20. November auch der teure Zinn-Außensarg übergeben. Ein privater Leichenwagen der Kärntner Bestattungsfirma PAX holt den Sarg am Freitag, den 20. November – also vor zwei Wochen (!) – zurück nach Kärnten. Die Behörden sind nicht informiert.

26. November: Polizei wird aktiv, startet Verhaftung
Erst eine Woche später – am 26. November – kommt die Budapester Polizei auf die Spur der Sargräuber.

Sie kommen auf die Spur des Handlangers Zoltan N., der für Sziraki den Boten spielte. Er fühlt sich von den Flick-Securitys verfolgt und genötigt – beichtet die Story. Über ihn findet die Polizei Dr. Sziraki – und verhaftet beide. Die vier Rumänen sind noch flüchtig...

Chef-Ermittler Ernst Geiger zum Grabraub

ÖSTERREICH: Was können Sie über die Verdächtigen sagen?
Ernst Geiger: Der Rechtsanwalt dürfte der Drahtzieher der Aktion gewesen sein, er war der intellektuelle Kopf der Bande und ist in Haft. Nach „Grizzly“ wird gefahndet, er ist ein schwer krimineller Gewalttäter. Woher die Mitglieder sich kannten, ist nicht klar, es wird ja noch nach vier Mitgliedern der Bande gefahndet. Fest steht, dass es sich um eine schwere Erpressung gehandelt hat.

ÖSTERREICH: Hat die Bande schon öfter zugeschlagen?
Geiger: Es sind uns keine anderen Fälle bekannt. Aber die Vorgehensweise war absolut perfekt, das zeigt, dass es sich um eine sehr professionelle Tätergruppe aus dem Erpressergewerbe handelt.

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