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Das sind die AfD-Wähler

Nach Wahl-Beben

Das sind die AfD-Wähler

Die Alternative für Deutschland ist bei der Wahl im nordostdeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern vor allem von Arbeitern und Arbeitslosen, aber auch Selbstständigen gewählt worden, sie hat auch viele vorherige Nichtwähler mobilisieren können.

Unter Erwerbslosen erreichte die rechtspopulistische Partei 29 Prozent und wurde in dieser Bevölkerungsgruppe stärkste Kraft. Das geht aus einer Analyse des Instituts Infratest dimap hervor. Auch unter Arbeitern erhielt die AfD demnach mit 33 Prozent den meisten Zuspruch, ebenso unter Selbstständigen 27 Prozent.

Männer (25 Prozent) wählten die AfD eher als Frauen (16 Prozent). Menschen mit einfacher Bildung (28 Prozent) konnten sich eher für die Partei begeistern als Menschen mit hoher Bildung (15 Prozent). Bei jungen Wählern punktete die AfD weniger. So rangierte sie unter Erstwählern hinter Sozialdemokraten, Christdemokraten und Linkspartei nur auf Platz 4. Besonders stark war die AfD in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen (24 Prozent) sowie der 45- bis 59-Jährigen (23 Prozent).

Warum AfD?

Die Analyse geht auch der Frage nach, warum Menschen der AfD ihre Stimmen gaben. Am häufigsten lautete die Antwort, dass die AfD den Zuzug von Flüchtlingen und Ausländern begrenzen wolle und dass sie klar ausspreche, was andere Parteien nicht offen sagten. Wichtig ist AfD-Wählern neben dem Thema Sicherheit auch die Familienpolitik.

Regional gesehen ist das AfD-Ergebnis im strukturschwachen Landesteil Vorpommern besonders stark. In den Wahlkreisen dort erhielten die Rechtspopulisten fast durchweg mehr als die 20,8 Prozent, die sie landesweit bekamen. In Vorpommern holte die AfD auch ihre drei Direktmandate. Damit triumphierte die AfD in den Urlauberregionen an der Ostsee. Auch an der Mecklenburgischen Seenplatte schnitt sie überdurchschnittlich ab.

Nichtwähler

Nach einer Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF hatten rund 35 Prozent der AfD-Wähler ihre Stimme bei der Landtagswahl 2011 nicht abgegeben. Auch nach Erkenntnissen der ARD konnte die AfD mit 55.000 Wählern deutlich mehr Stimmen aus dem Nichtwählerlager als von anderen Parteien mobilisieren. Mit dieser Entwicklung lasse sich auch die von 51,5 Prozent auf 61,6 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung erklären, hieß es in beiden Sendern.

Zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen ARD und ZDF jedoch bei der Analyse der Wanderung von Wählern anderer Parteien zur AfD. Nach Untersuchungen des ZDF bezogen auf die Landtagswahl 2011 gab die SPD mit 18 Prozent die meisten Wähler an die AfD ab. Von der CDU wechselten 16 Prozent zur AfD. Bei der rechtsextremen NPD waren es 14 Prozent und bei der Linkspartei elf Prozent. Mit drei Prozent zeigten ehemalige Grünen-Wähler das geringste Interesse an dem politischen Newcomer, der aus dem Stand 20,8 Prozent der Stimmen erhielt.

Die ARD bemisst die Wählerwanderung nicht in Prozenten, sondern in absoluten Zahlen. Hier war im Gegensatz zu den ZDF-Ergebnissen die CDU der größte Verlierer mit 22.000 Wählern, die zur AfD wechselten. Auch die NPD gab mit 20.000 Wählern viele Stimmen an die rechtspopulistische Konkurrenz ab. Die SPD verlor demnach 15.000 Wähler an die AfD, die Linke 16.000 und die Grünen 3.000.

AFD © APA

Der ZDF-Erhebung zufolge hielten mit 37 Prozent die meisten Wähler das Thema Arbeitsplätze für das wichtigste Problem im Land. An zweiter Stelle rangierte die Flüchtlingspolitik mit 28 Prozent. Jeder zweite Wähler gab demnach an, die Flüchtlingspolitik sei für seine Stimmabgabe wichtig. Von den AfD-Anhängern gaben sogar 82 Prozent an, dieses Thema sei wichtig. In der ARD-Auswertung hieß es, für 46 Prozent der Wähler habe die Landespolitik die größte Rolle gespielt. Für 36 Prozent sei dagegen die Bundespolitik ausschlaggebend gewesen.

Nach der ZDF-Auswertung sehen drei Viertel der Wählern die Stimmen für die AfD als Denkzettel für die anderen Parteien. Selbst unter den AfD-Anhängern meinen demnach 42 Prozent, die Stimmen für die eigene Partei seien eine Denkzettel-Wahl. Auch die ARD-Analyse wies auf ein großes Protest-Potenzial unter den AfD-Wählern. Demnach wählte nur jeder Vierte aus Überzeugung die rechtspopulistischen Partei. Dagegen begründeten 67 Prozent der AfD-Wähler ihr Votum mit der Enttäuschung über andere Parteien.

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