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Frühchen-Wunder mit 340 Gramm

24 Zentimeter klein

Frühchen-Wunder mit 340 Gramm

„Es sieht gut aus.“ Kaum größer als ein Handteller, die Haut blass, durchscheinend, Arme und Beine winzig, der Kopf wie von einer Porzellanpuppe. Am 4. September kommt Lydia auf die Welt. Viel zu früh. Statt am 24. Dezember – wie errechnet – schon im fünften Schwangerschaftsmonat. Statt in der 40. Schwangerschaftswoche bereits in der 24. Woche.

Extremfrühchen nennt man solche Babys und ihre Prognose sieht üblicherweise nicht gut aus. Nur 25 Prozent kommen durch, wenn das Körpergewicht bei der Geburt unter 500 Gramm liegt. Lydia aber wiegt nur 340 Gramm, ist nur 24 Zentimeter klein.

Aber: Sie ist eine eine Löwin. „Ich kann nichts versprechen“, sagt ihr Arzt Ulrich Thame von der Uniklinik Leipzig der Bild auch jetzt noch. „Aber die Kleine ist eine außergewöhnliche Kämpferin. Es sieht derzeit gut aus.“

Ein kleines Bündel Mensch.
Lydia liegt in ihrem Brutkasten, atmet schwer, überall herum laufen Plastikschläuche, eine Mullbinde um ihren Kopf soll Druckstellen verhindern. Immerhin 600 Gramm wiegt das Mädchen jetzt schon, aber nach wie vor muss es künstlich ernährt werden, schläft 20 Stunden am Tag, wirkt immer noch schwach.

Jana P. (41) weicht ihrem Baby nicht von der Seite. Sie streichelt Lydia, wenn ihr Mädchen im 29 Grad warmen Inkubator liegt, mehrmals am Tag wird ihr die Kleine auf die Brust gelegt. Unter einer Decke lugt dann der Kopf hervor. Es sind diese stillen, zärtlichen Momente, die der Mutter Kraft geben. Und die für das Frühchen lebensrettend sind. Der Körperkontakt, Haut auf Haut, zählt oft mehr als ein Medikament. Lydia macht leicht die Augen auf, dann sinkt der Kopf wieder zurück.

Knapp am Weltrekord.
Noch ist nicht klar, ob und welche bleibenden Schäden das Baby hat. Das ist die Kehrseite des „Frühchen-Wunders: Die Ärzte schaffen es, immer kleinere, leichtere Babys am Leben zu erhalten, aber meist ist der Preis dafür hoch.

Aber was ist die Alternative? Das Frühchen aufgeben? Das den Eltern sagen?

800 Gramm war einmal die Grenze, dann 500 Gramm, in den USA überlebte ein Mädchen mit 284 Gramm, Amalia, auch sie 24 Zentimeter klein – bisher Weltrekord. Die Medizin – hier stößt sie an ihre Grenzen.

Papa Heinz P. kommt. Ein Cowboy-Typ, weißes Haar, hinten zum Zopf gebunden. Man vermutet ihn eher auf einer Harley Davidson als auf einer Frühchen-Intensivstation. Aber dann packen diese wuchtigen Hände ganz sanft zu. Er hält sein Baby, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

„Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung“, erzählt Jana P. „Mein Blutdruck war bedrohlich hoch.“ Lebensgefahr. Für Mutter und Kind. Deshalb musste Lydia geholt werden. Sie hätte 700 Gramm haben sollen, tatsächlich waren es weniger als die Hälfte. Kaiserschnitt.

Seither wird Lydia künstlich beatmet. Ein dicker Schlauch führt in ihre Nase. Über eine Venen- und eine Magensonde bekommt sie Medikamente (vor allem Cortison, um die Lungenreife voranzutreiben), trinkt zwölfmal am Tag sieben Milliliter angereicherte Muttermilch.

Ein kleines Wunder. Für ein Christkindl.

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