09. Februar 2012 13:40

Ausschreitungen in Athen  

Griechische Rechte und Linke gegen Sparpaket

Griechenland brodelt: LAOS-Chef Karatzaferis gegen EU-Vereinbarung; Gewalt in Athen.

Griechische Rechte und Linke gegen Sparpaket
© Reuters

Nach der politischen Rechten haben nun auch die Linken das von EU, EZB und IWF vereinbarte Sparpaket im Parlament nicht mitzutragen.

"Ich habe es den anderen politischen Führern erklärt, dass ich nicht für diese Kreditvereinbarung stimmen kann", sagte George Karatzaferis, Chef der ultrarechten LAOS ("Völkische Orthodoxe Gesamtbewegung") am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Auch die stellvertretende Außenministerin Marilisa Xenogiannakopoulou von der sozialistischen Partei PASOK aus Protest gegen die Sparvorgaben zurückgetreten. Zuvor waren bereits der stellvertretende Arbeitsminister Yannis Koutsoukos von der PASOK und vier Regierungsmitglieder der rechtsgerichteten Partei LAOS zurückgetreten. Sie könne das Sparprogramm nicht unterstützen, habe die Sozialistin in ihrem Rücktrittsschreiben erklärt.

Regierungsparteien über Sparpakete einig
Die Spitzen der drei die Regierung stützenden Parteien - Sozialisten (PASOK), Konservative (Nea Dimokratia/ND) und LAOS hatten sich in der Nacht auf Donnerstag in siebenstündigen Verhandlungen auf Eckpunkte des Sparpakets geeinigt. Karatzaferis Partei hat 15 Abgeordnete in dem 300-köpfigen Parlament, das voraussichtlich am kommenden Sonntag über das Paket abstimmen soll.

Karatzaferis forderte eine Umbildung der Regierung, die von dem parteilosen früheren EZB-Vizepräsidenten Loukas (Lucas) Papademos geführt wird. Der Leiter der IWF-Mission in Griechenland, Poul Thomson, solle zur unerwünschten Person erklärt werden. "Wenn es vorangehen soll, muss Poul Thomsen zur persona non grata in Griechenland werden", sagte Karatzaferis.

Polizeigewerkschaft droht, Troika festzunehmen
Der Vorstand der Gewerkschaft der Polizisten des Landes (POESY) droht mit der Festnahme der Kontrolleure der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach Ansicht der Gewerkschaft versucht die "Troika", mit den harten Sparmaßnahmen die demokratische Ordnung umzuwerfen. Zudem versuche sie, die "nationale Souveränität" zu verletzen und vom griechischen Volk wichtige Güter zu rauben.

"Wir warnen Sie, dass wir die sofortige Ausgabe von Haftbefehlen fordern werden", hieß es am Freitag unter anderem in einer schriftlichen Erklärung, die an die Troika-Vertreter geschickt wurde.

EU stellt Bedingungen
Griechenland kann nur mit dem raschen Beschluss weiterer Milliardenhilfen rechnen, wenn es vorher mehrere Bedingungen erfüllt. Die Euro-Länder stellten der Regierung in Athen dafür ein Ultimatum bis Mittwoch, bevor sie einem zweiten Hilfspaket zustimmen, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sagte. Das Land muss sich zudem auf eine deutlich strengere Überwachung einstellen.

"Trotz des wichtigen Fortschritts, den wir in den vergangenen Tagen erreicht haben, hatten wir nicht die notwendigen Elemente auf dem Tisch, um heute Entscheidungen zu treffen", sagte Juncker nach einem Treffen der Eurogruppe. Der Luxemburger stellte der Regierung in Athen aber eine weitere Sitzung am Mittwoch in Aussicht, um dann ein zweites Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro zu beschließen. Juncker nannte jedoch drei Bedingungen, die das hoch verschuldete Land erfüllen dafür muss.

Generalstreik gegen Sparpaket
Aus Protest gegen das neue Sparprogramm haben die Gewerkschaften in Griechenland am Freitag einen 48-stündigen Streik begonnen. Vor allem der öffentliche Verkehr wurde weitgehend lahmgelegt. Tausende Menschen mussten zu Fuß zur Arbeit gehen. Ministerien und staatliche Unternehmen blieben größtenteils geschlossen. In der Hauptstadt Athen fuhren keine Busse und Bahnen. Auch zu den Inseln gab es keine Fährverbindungen. Bis Sonntag sind zudem mehrere Demonstrationen geplant. Die Polizei zog Einheiten in Athen zusammen.

Zusammenstöße mit der Polizei
Im Zentrum Athens gab es gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei. Dutzende Demonstranten warfen am Freitag im Zentrum Athens Molotow-Cocktails und Steine auf die Polizeikräfte, die mit dem Einsatz von Tränengas reagierten, wie das griechische Fernsehen berichtete. Auf den TV-Bildern war zu sehen, wie junge Männer auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament Steine abschlugen und auf die Polizei warfen. Ein Mensch war zu sehen, der offenbar verletzt auf dem Boden des Platzes lag.

Parlament muss noch zustimmen
Griechenland soll weitere Einsparungen in Höhe von 325 Millionen Euro für dieses Jahr benennen. Zudem verlangen die Euro-Länder von den Chefs der Koalitionsparteien schriftliche Verpflichtungen auf den vereinbarten Spar- und Reformkurs, damit dieser auch nach den für April geplanten Wahlen fortgeführt wird. Schließlich muss das griechische Parlament einem weiteren Sparpaket zustimmen, auf das sich die Athener Koalition am Donnerstag nach langem Ringen verständigt hatte. Die Abstimmung ist für Sonntag geplant.

Erfüllt die Regierung in Athen die Forderungen, wollen die Euro-Länder neben dem zweiten Hilfspaket auch einem Schuldenschnitt für Griechenland zustimmen. Dabei verzichten die privaten Gläubiger des Landes auf 100 Milliarden Euro. Ziel beider Schritte ist es, den griechischen Schuldenstand bis zum Jahr 2020 auf ein einigermaßen erträgliches Maß zu senken.

In den vergangenen Monaten hatten die Euro-Länder die Athener Regierung wiederholt kritisiert, weil vereinbarte Maßnahmen nicht umgesetzt oder durch den Parteienstreit in Griechenland aufgehalten wurden. Daher fordern die  Euro-Länder nun weitere Absicherungen, bevor sie grünes Licht für weitere Hilfen geben. "Griechenland muss noch Hausaufgaben machen", sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager.

Sperrkonto
Die Eurozone will zudem die Umsetzung der Sparmaßnahmen strenger überwachen. Es gehe darum, Griechenland "institutionell in den Stand zu versetzen, seine Schulden zu bedienen", sagte Juncker. "Ernsthaft geprüft" wird dafür auch der deutsch-französische Vorschlag für ein Sonderkonto, auf das Geld für die Abzahlung von Schulden fließen soll, wie EU-Währungskommissar Olli Rehn ankündigte. Die Kommission soll am Mittwoch weitere Vorschläge machen.

Ein solches Sperrkonto hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy vorgeschlagen. Die Idee ist, dass Staatseinnahmen auf das Sperrkonto fließen und allein für die Zurückzahlung der griechischen Schulden eingesetzt werden. Besonders Deutschland fordert eine strengere Kontrolle, war aber auf breite Ablehnung mit der Idee gestoßen, einen "Haushaltskommissar" in Athen einzusetzen.

So sieht das Sparpaket für Griechenland aus

Der Sparhammer, den die Griechen umsetzen müssen, sieht nun so aus:

  • 150.000 Staatsbeamte müssen bis 2015 gehen. 15.000 in diesem Jahr.
  • Alle Zusatzrenten werden um 15 Prozent gekürzt. Die anderen Rentner verlieren sieben Prozent.
  • Der Mindestlohn soll von 751 Euro auf 586 Euro verringert werden.
  • Alle Lohnzuschüsse werden abgeschafft. Löhne im Staatsdienst eingefroren.
  • 19 Milliarden müssen bis 2015 durch Privatisierungen erzielt werden, das Steuersystem soll effizienter gemacht werden.

Offen ist noch, ob sich private Gläubiger durch Forderungsverzicht von rund 100 der 350 Mrd. Euro Schulden an der neuen Griechenhilfe beteiligen.



Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
13 Postings
Mag. Robert Cvrkal meint am 11.02.2012 08:53:48 ANTWORTEN >
Die Griechische Bevölkerung wird niemals eine Sachwalterschaft der EU,IWF usw. zulassen noch dazu wo nicht den Griechen sondern in erster Linie deutschen und französichen Banken mit den Hilfpaketen geholfen wird.

Nachdem auch Portugal einen Schuldenschnitt benötigt und auch Italien und Spanien sich nur aufgrund der Interventionen der EZB über den freien Markt finanzieren können stehen der EU noch turbulente Zeiten bevor.

Für Österreich bedrohlich entwickeln sich die früheren Ostblockstaaten und hier vor allem Ungarn, wo Milliardenverluste zu erwarten sind. Setzt man jetzt die zu erwartenden Verluste in Relation zum vereinbarten österreichischen Sparpaket, welches uns die Regierung als großen Wurf verkaufen will, dann kann man heute bereits sagen, daß dieses nicht ausreichen wird um das Vertrauen der Märkte zu behalten geschweige denn zu steigern. Mit anderen Worten sind weitere Rückstufungen und damit Sparpakete zu erwarten.
dens meint am 10.02.2012 21:21:40 ANTWORTEN >
wegmit den Griechen
the unholy meint am 10.02.2012 20:31:20 ANTWORTEN >
Und was nun?
Finanzieren wir Deppen ( Österreich, Deutschland und weitere Griechenfreunde ) weiterhin
das verschwenderische Leben der Griechen, oder sagen wir endlich einmal ein AUS?
Bin schon gespannt, was man Uns wieder einreden will, damit wir das verschwenderische Leben unserer griechischen "Freunde" weiter finanzieren und kontinuierlich selbst langsam aber sicher Bergab gehen.
defekter meint am 10.02.2012 19:38:34 ANTWORTEN >
denen würde ich ouzo und tsatziki zeigen...das faule pack mach noch auf revolte anstelle zu gestehen,dass sie auf pump gelebt haben...
da hat die eu jahrelang kohle reingebuttert und das ist der dank?faules pack...die bekommen noch ihr fett ab.und auf urlaub fahre ich da bestimmt nicht mehr hin.lieber croatien...
bucaka meint am 10.02.2012 17:53:49 ANTWORTEN >
Schottermitzi Sie wollten uns weissmachen die Griechen zahlen alles zurück .Das Volk hat von ihren Schei..en schon genug.Bei uns bekommen einige Politiker fürs Blödsein noch Geld.
bucaka meint am 10.02.2012 17:49:38 ANTWORTEN >
Und jetzt ab in die Hölle mit den Griechen,die halten alle für Blöd.In manchen Griechischen dörfer gibt es mehr Beamte als Einwohner.Hoffentlich steigen unsere Dummen Politiker jetzt auf die Geldbremse und Stopen die Zahlungen.
Wer nicht will meint am 10.02.2012 16:26:54 ANTWORTEN >
der hat schon. Kein Geld mehr nach Griechenland!!!!!!!
Stefan47 meint am 10.02.2012 16:09:38 ANTWORTEN >
Ich glaube jetzt reichts. Jedes Land in der EU hat soviel eigene Probleme, sodass wie die Griechen ruhig alleine wurschtl lassen können. Trotz der Kreditrückversicherungen (wie ein Pyramidenspiel), wird es keinen Wirtschaftszusammenbruch in Europa geben. Niemand wird für einen Rettungsschirm sein.
omen meint am 10.02.2012 15:46:29 ANTWORTEN >
besser ein ende mit schrecken als schrecken ohne ende . wenn sie es so wollen daumen
runter .
Bieromane meint am 10.02.2012 12:21:42 ANTWORTEN >
Und Schwupp, schon ist der "Topfen" - die reisserische Überschrift "Griechenland in letzter Sekunde gerettet." verschwunden....*gggg*
Bieromane meint am 10.02.2012 10:52:21 ANTWORTEN >
Ihr Zeitungsfritzen schreibt schon manchmal einen festen "Topfen" daher - "Griechenland in letzter Sekunde gerettet...."
Dieses Land ist finanziell ausgebrannt, tot und ein totes Pferd kann man nicht reiten! Ich wette 1000 Euro, in weniger als drei Monaten brauchen sie die nächsten Milliarden von uns, Geld, welches wir in den Rauchfang schreiben können, denn nur unsere dummen Politiker wollen uns weismachen, Griechenland kann dieses Geld zurückbezahlen!
Andy323 meint am 10.02.2012 10:19:23 ANTWORTEN >
Wie immer, und in 3 Monaten beginnt das Kasperltheater von Vorne.
stefanmatun meint am 10.02.2012 09:40:56 ANTWORTEN >
meldung jetzt im orf: keine einigung. es wurde noch ein treffen ausgemacht für nächste woche mit allen finanzministern.
Seiten: 1
Facebook Kommentare
Top Gelesen
TOP Videos mehr >
Top gelesen Welt mehr >
Webtipps
Newsticker Alle News >