Sonderthema:

Protest bei den Medien

Kein Zugang zur Front

Erfolge am laufenden Band verkündet die französische Armee bei ihrem Kampf gegen Islamisten in Mali. In atemberaubendem Tempo rücken französische und malische Soldaten Richtung Norden vor und nehmen eine Stadt nach der anderen ein. Was an der Front aber tatsächlich passiert, lässt sich von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen. Journalisten wird der Zugang zum Kampfgebiet verwehrt, Bilder und Informationen von dort stammen überwiegend von den Armeen beider Länder. Bei den Medien regt sich Protest.

"Es gibt den Willen der französischen und malischen Militärverantwortlichen, die Journalisten von den Kampfzonen fernzuhalten", sagt Ambroise Pierre von der Journalisten-Organisation Reporter ohne Grenzen in Paris. Bei bewaffneten Konflikten sei das natürlich "eher die Regel als die Ausnahme", aber: "In diesem Konflikt scheint Frankreich weniger Journalisten 'einzubetten' als sonst" - Reportern also zu erlauben, die Kampfeinheiten zu begleiten.

Im Umfeld von Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian wird das zurückgewiesen. "In den vergangenen zehn Tagen gab es 40 Medien und 150 'eingebettete' Journalisten." Jeden Tag stelle die Armee der Presse zudem Fotos und Videos zur Verfügung. Dass die selbstverständlich sorgfältig ausgewählt sind und die Sicht der Streitkräfte widerspiegeln, wird nicht bestritten: "Das ist doch schon seit 40 Jahren so!"

Aus Sicht von Journalisten, die schon in mehreren Krisengebieten im Einsatz waren, ist die französische Armee aber in Mali besonders strikt. "Der Zugang ist in Mali eingeschränkter als in Afghanistan", sagt Marc Bastian von der Nachrichtenagentur AFP. "Dort (in Afghanistan) hat uns die französische Armee Zugang zu den Kampfzonen gewährt. Hier sind es die Spezialeinheiten, die vorrücken, aufräumen, Ziele identifizieren." Journalisten gelangen in der Regel erst in Städte, aus denen sich die Islamisten zurückgezogen haben, wenn die Kämpfe beendet sind und französische und malische Truppen die Kontrolle übernommen haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass in Mali französisches Fernsehen ausgestrahlt wird. "Die Armee will uns keine Information geben, die dem gegnerischen Lager helfen könnte", sagt der Reporter Pierre Grange vom französischen Sender TF1.

Auch die malische Armee reguliert den Zugang zu Informationen sehr streng - für Grange auch eine Folge der Vorwürfe, wonach malische Soldaten schwere Menschenrechtsverletzungen wie außergerichtliche Hinrichtungen von angeblichen Feinden begangen haben. "Die malische Armee hat es uns übel genommen, dass wir Zeugenaussagen über Übergriffe verbreitet haben", sagt Grange. "Das hat zur Folge, dass sie bestimmte Zugänge blockiert und an Straßensperren Probleme macht."

Der spanische Journalist Jose Navarro durfte am Wochenende zusammen mit Kollegen das rund 700 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako gelegene Konna einige Stunden lang betreten, aus der die Islamisten vertrieben worden waren. "Der Offizier hat uns gesagt, es handle sich um eine 'Führung' und dass es einige Dinge gebe, die wir nicht würden sehen können", berichtet Navarro.

Bewohner hätten von dutzenden Toten bei den Gefechten berichtet, sagt Navarro - "aber eine Woche später gab es keine klaren Informationen". Einige Bewohner sollen laut örtlichen Angaben bei französischen Luftangriffen getötet worden sein, was sich aber kaum mehr nachprüfen lässt. Bewohner der Stadt übernahmen es nun, Journalisten Gräber von bei Luftangriffen getöteten Zivilisten zu zeigen.

Die Streitkräfte begründen die strengen Beschränkungen der Arbeit der Reporter mit Gefahren für deren eigene Sicherheit: Journalisten könnten von Islamisten entführt oder getötet werden. "Die Sicherung ist unsere Aufgabe", beteuert ein malischer Offizier. Und das französische Außenministerium hat die Presse aufgefordert, die "Sicherheitsvorgaben zu respektieren".

Bei Reporter ohne Grenzen stößt das auf Empörung: "Die Journalisten, nicht die Militärs, müssen entscheiden, welche Risiken sie bereit sind einzugehen."

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