Geheim-Akten aus Wiener Büroturm

Wikileaks

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Geheim-Akten aus Wiener Büroturm

Österreich könnte von den WikiLeaks-Enthüllungen zur US-Diplomatie mehr als bisher angenommen betroffen sein: Am Dienstag ist im Internet eine komplette Liste mit Eckdaten aller 251.287 US-Geheimdokumente von WikiLeaks aufgetaucht. Erstmals ist so ersichtlich, welche US-Dependancen in Österreich vom Enthüllungsskandal betroffen sind.

Neben der US-Botschaft in der Wiener Boltzmanngasse steht besonders ein Büroturm nahe der UNO-City im Blickpunkt: Die im schmucken IZD-Tower in der Wagramer Straße angesiedelte UNVIE, die amerikanische Vertretung zur UNO in Wien und Teil des US-Außenministeriums, soll laut der Datenbank Absender von 13 "Spitzel"-Dokumenten sein. Die aufgelisteten "Cables" der UNVIE, so nennen Diplomaten ihren Schriftverkehr mit Washington, sollen alle am 28. Februar 2010 verschickt worden sein.

"Peinlich"
Mit welchem Inhalt, ist (noch) ungewiss. WikiLeaks will die Details erst nach und nach veröffentlichen. Dass so aber brisante oder peinliche Ausführungen mit Österreich-Bezug, verfasst von Wiener US-Diplomaten, an die Öffentlichkeit geraten, ist durchaus möglich. UNVIE-Botschafter Glyn Davies reagiert jedenfalls nervös: "Was auch immer Wiki­Leaks beabsichtigt, die Veröffentlichung ist riskant. Ich bedaure jetzt schon Peinlichkeiten und Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit den Dokumenten", so Davies in einer Aussendung. Auf Anfrage am Dienstag hieß es bei der UNVIE nur: "Wir können nicht bestätigen, dass die von Wiki­Leaks veröffentlichten Dokumente authentisch sind." Die Frage, um welche Inhalte es sich bei den Dokumenten vom 28. Februar handeln könnte, blieb unbeantwortet. ÖSTERREICH-Recherchen ergeben: Alleine bei der UNVIE-Niederlassung sind rund 15 Mitarbeiter damit befasst, solche Meldungen an Washington zu verfassen.

Auf wikileaks.org ist zudem ein neues Dokument mit Österreich-Bezug aufgetaucht. Die Botschaft in Ottawa hat am 9. Juli 2008 eine Depesche verfasst, in der eine Verbindung zu Österreich hergestellt wird. Konkret wird die Verhaftung des Terroristen Said Namouh 2007 in Quebec angeführt, der Anschlagspläne für Österreich und Deutschland ausgearbeitet hatte.

WikiLeaks-Gründer 
wie Terrorist gejagt

Der Australier Julian Assange scheint nach der Veröffentlichung von 250.000 hochpeinlichen US-Depeschen nun fast verhasster als Superterrorist Osama Bin Laden. Außenministerin Hillary Clinton nannte den Verrat der internen US-Diplomatenkanäle einen Angriff auf die "internationale Gemeinschaft", Justizminister Eric Holder leitete Kriminaluntersuchungen gegen Assange ein. Der tobende Republikaner-Abgeordnete Peter King forderte gar, die Homepage-Betreiber wie "Terroristen" zu behandeln. Kein Wunder, dass der Internet-Aktivist, dem in Schweden eine Anklage wegen Vergewaltigung droht, untergetaucht ist und nur zu wenigen Vertrauten per E-Mail Kontakt hält.

Hacker-Angriffe

Auch einige Depeschen bringen Menschen in Lebensgefahr: Ein US-Informant im Iran wird als Ex-Fecht-Champion beschrieben – er ist jetzt für die Schergen des Mullah-Regimes leicht identifizierbar. WikiLeaks habe "Blut an den Händen", tobten US-Politiker. Laut Experten ist die Strafverfolgung von Assange & Co. aber aussichtslos. Offenbar wird jetzt versucht, Assange und sein WikiLeaks mit anderen Mitteln zu bekämpfen: Gestern war die Seite nach dem zweiten Hacker-Angriff kurzzeitig nicht erreichbar.

Autor: (prj)
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