Bestseller-Autor Tommy Jaud im Interview

"Resturlaub"

Bestseller-Autor Tommy Jaud im Interview

Tommy Jaud ist der derzeit erfolgreichste Autor deutscher Sprache. Sein Comedy-Roman „Hummeldumm“ war 2010 das meistverkaufte deutsche Buch, sein Bestseller „Resturlaub“ wurde verfilmt und läuft jetzt (mit „Tatort“-Kommissar Maximilian Brückner in der Hauptrolle) in Österreichs Kinos. Im ÖSTERREICH-Interview spricht der 41-jährige Kölner, der als Gagschreiber bei Harald Schmidt begann, über Erfolg, Humor und Comedy, über Literatur und die Hürden, einen Roman auf die Kinoleinwand zu transferieren.   

Von Ihren vier Romanen wurden bisher 4,3 Millionen Exemplare verkauft.Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Das kann ich nur ahnen. Ich bin im Fernsehen durch eine lange Comedy-Schule gegangen, vom One-Liner über den Sketch bis hin zur Serie. Wenn man das drei oder vier Jahre macht, bei Formaten wie Anke Engelkes „Ladykracher“ oder der „Wochenshow“, dann lernt man etwas.

War es Ihr erklärtes Ziel, Romane zu schreiben?

Es war ein Versuch. Es begann um 2003, als der S.-Fischer-Verlag zu uns nach Köln kam und fragte, ob wir „Ladykracher“-Autoren Bücher schreiben könnten. Aus dieser Initiative entstand mein erster Roman „Vollidiot“. Für ein großes Haus wie den Fischer-Verlag war diese Herangehensweise relativ fortschrittlich, und ich glaube, sie haben durch diesen Kaffee in Köln ein paar Autoren bekommen. Auch ein David Safier kam zum Beispiel vom Fernsehen über die Serie zum Bücherschreiben.

Sie sind also der seltene Fall eines Autors, der von einem Verlag animiert wurde, mit dem Schreiben zu beginnen.

Richtig. Allerdings wollte ich Kurzgeschichten schreiben, doch das wollten die nicht. Es sollte schon das große R-Wort, Roman, auf dem Buchdeckel stehen. Dann habe ich es halt probiert, und natürlich war „Vollidiot“ noch sehr vom Fernsehen beeinflusst, in der Sketch-Artigkeit des Textes. Für meinen neuesten Roman „Hummeldumm“ gilt das wahrscheinlich am wenigsten.

Die Literaturkritik im Feuilleton liebt Sie nicht sehr. Ist das schmerzhaft?

Richtig, aber das stößt auf Gegenseitigkeit. Ich lese das Feuilleton nicht – so trifft mich die Kritik nur, wenn ich sie einmal mitkriege. Wenn ein Buch in einer saloppen und in der Sicht der Kritiker vielleicht einfachen Sprache daherkommt, und dieses Buch steht dann lange auf Platz eins in den Bestsellerlisten – dann knöpft sich das Feuilleton so ein Buch vor, das ist doch ganz klar. Was dort nicht so ganz beachtet wird, ist die Tatsache, dass sehr viele Leute meine Bücher mögen. Die interessantere Frage fürs Feuilleton wäre also: Sind denn diese 4,3 Millionen Käufer meiner Bücher blöd? Das ist ein ähnlich wie beim Kabarettisten Mario Barth. Ich will mich jetzt nicht mit ihm in einen Topf werfen, aber: Sind die Zuschauer, die sein Programm im ausverkauften Olympiastadion anschauen, blöd?  Nein! Sie gehen ins Olympiastadion und schauen sich ein Programm an. Und vielleicht finden nur zwei Drittel der Besucher die Show gut – so, wie bei meinen Büchern. Ich finde, einfache und kreative Unterhaltung hat auch das Recht, gedruckt zu werden. Fertig.

Im „Spiegel“ stand,, Sie hätten den Männer-Roman wiederbelebt.

Ich finde das sehr schmeichelhaft – auch wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich Männer-Romane schreibe. „Resturlaub“ ist vielleicht tatsächlich ein Männerroman. Für meine anderen Bücher gilt das aber nur bedingt. „Vollidiot“ fand ich eher einen großen Quatsch, „Hummeldumm“ ist eine Reise-Comedy mit Pärchen-Problematik, in der es auch ein bisschen um den Stolz im Manne geht, und „Millionär“ ist die relativ kreative Fortsetzung von „Vollidiot“ mit erweiterten Mitteln. Insgesamt sehe ich mich aber nicht so sehr als Männer-Autor, sondern als Comedy-Autor. Und ich bin auch gar nicht böse, wenn man sagt, ich sei unter Anführungszeichen nur Comedy-Autor.

Sie haben einmal gesagt, Sie schreiben keine Buchseite ohne einen Gag.

Das habe ich gesagt, doch ich würde es heute so nicht mehr unterschreiben. Es gibt auch gute Seiten ohne Gags. Die sind notwendig, um die Geschichte später wieder lustig zu machen. Wenn man sich die ganze Zeit auf die Schenkel klopft, dann stimmt etwas nicht.

Ich nehme an, Sie hatten einen Film vor Ihrem inneren Auge, als Sie den Roman „Resturlaub“ schrieben. Ist das der Film, den Sie jetzt im Kino wiedergesehen haben?

Nein, das ist ein komplett anderer Film. Das ist aber gar nicht schlimm. Jeder Leser hat einen eigenen Film vor Augen, und das können sehr teure Filme sein, die 20 oder 30 Millionen Euro kosten würden. Und alle stellen sich ihre Lieblingsschauspieler vor. Bei der Verfilmung eines Romans muss man die gesunde Mitte finden – in der Gewissheit, dass man es nicht allen rechtmachen kann.

Was ist das größte Problem dabei für Sie als Autor?

Man verliert seine kreative Jungfräulichkeit: Auf einmal haben die Personen Gesichter. Die Stadt hat ein Gesicht, der Film bekommt ein Gesicht, und die Geschichte wird eine andere Geschichte als jene, die man geschrieben hat. Das ist ein schwieriger Prozess, unfassbar anstrengend, weil man mit seinen eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten konfrontiert wird – aber auch wahnsinnig schön. Weil es sich eine Heerschar von Menschen zur Aufgabe macht, das Buch auf die Leinwand zu bringen, das man selber geschrieben hat. Natürlich ist es ein gewisser Stolz, wenn ich einen Setbesuch in Buenos Aires mache und die größte Straße der Stadt ist abgesperrt – wegen mir.

Auch Ihr Roman „Hummeldumm“ soll verfilmt werden.

Dort wird es so sein, dass ich das Drehbuch nicht selbst schreibe, was ich sehr interessant finde. Da muss ich mich überraschen lassen, wie sich das Projekt entwickelt – egal, ob ich erst im Kino dazustoße oder bei der achten Drehbuchfassung.

Haben Sie einen neuen Roman in Arbeit?

Ja – aber nur im Kopf und im Rechner. Ich bin in der Phase des Überlegens und werde schon wieder halb wahnsinnig, was da alles passieren soll und wie ich das aufbaue. Das Buch wird eine Fortsetzung von „Millionär“. Ich habe mit dem Verlag vereinbart, dass ich den Text im nächsten Sommer abgebe. Dann kommt das Buch noch 2012 heraus.

Interview: Gunther Baumann

Kino-Trailer „Resturlaub“

Tommy Jaud, der seine Karriere als Autor für Harald Schmidt, Anke Engelke (Ladykracher) oder die Wochenshow begann, musste nie einem Verleger nachlaufen – er wurde eingeladen. „2003 kam der S.-Fischer-Verlag zu uns nach Köln und fragte, ob wir Ladykracher-Autoren Bücher schreiben könnten. Aus dieser Initiative entstand mein erster Roman Vollidiot. Eigentlich wollte ich Kurzgeschichten schreiben, doch das wollten die nicht. Es sollte schon das große R-Wort, Roman, auf dem Buchdeckel stehen.“

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