Eine Carmen ohne Klischee

Opernkritik von E. Hirschmann

Eine Carmen ohne Klischee

Oper. Mit Bizets Meisterwerk Carmen eröffneten die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle ihre letzten Osterfestspiele in Salzburg. Musiziert wurde nicht brillant, aber mit Schwung und Leidenschaft. Dieses populärste Werk der Opernliteratur von der wilden Zigeunerin, die von ihrem eifersüchtigen Liebhaber erstochen wird, ist so klischeebeladen, dass man jede Sängerin begrüßt, die eine andere Carmen wagt.
Kožená. In der tänzerischen Inszenierung der Choreografin Aletta Collins, die durch eine naturalistische Ausstattung verunstaltet wird, ist die rotblonde tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená ein Gegenentwurf zur Standard-Carmen.
Helles Leuchten. An ihr ist alles hell, ihre Haut, ihre Augen, ihr Haar – und ihre Stimme: ein leuchtender, technisch perfekter Mezzosolitär mit strahlender Höhe und samtener Mittellage. Sie spielt die Carmen als eigensinnige, starke Frau, die barfuß Flamenco tanzt und die Männer anmacht.
Der bayerische Startenor Jonas Kaufmann als unsicherer, gewaltbereiter Don José steigert sich zum rasenden Killer, der die Frau tötet, die er liebt. Stimmlich ist Kaufmann in Bestform: Sein baritonal gefärbter, leicht verschleierter Tenor verfügt nicht nur über enorme Kraftreserven, sondern auch über ein zartes piano. Nach der Blumenarie wurde er mit Bravos gefeiert.
Bezaubernd. Die Salzburgerin Genia Kühmeier als bezaubernde Micaela mit glockenhellem Sopran erhielt als Lokalmatadorin den meisten Applaus. Die Gretelfrisur und das hässliche Outfit hat sie nicht verdient. Enttäuschend war der litauische Bass Kostas Smoriginas als Escamillo. Sein sehr schweres Torero-Lied ging völlig daneben.

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