"FaustIn and out": Beklemmender Jelinek-Text zu Faust-Themen

Grazer Schauspielhaus

FaustIn and out: Jelinek-Stück beklemmt

Grazer Schauspielhaus rückt mit zweiten Stück "Faust" ins Zentrum.

Mit der österreichischen Erstaufführung von Elfriede Jelineks "FaustIn and out" hat das Grazer Schauspielhaus einen zweiten Abend zum Thema "Faust" zur Diskussion gestellt. Der Text verknüpft die Gretchentragödie mit der Fritzl-Geschichte - Frauen bleiben immer die Opfer und landen im Keller, könnte man den beklemmenden Abend auf der Ebene 3 auf den Punkt bringen. Regisseur Philip Jenkins führt die beiden ausgezeichneten Darstellerinnen gekonnt und lässt ihnen dennoch Raum.

Von Arbeit und Verfall  
Nach den beiden "Faust"-Teilen auf der großen Bühne geht es "mit einer Geschäftsidee, die kläffend neben den Klassikern herlaufen soll", so Jelinek selbst, weiter. Es fängt mit eher allgemeinen Betrachtungen zum Thema Arbeit und Verfall an, geht aber schon bald tiefer, und zwar im wörtlichen Sinn. Die Autorin verbindet Gretchens Schicksal mit der Fritzl-Geschichte, aus dem Verführungsopfer wird das Missbrauchsopfer, aus der Kindsmörderin eine Mutter, deren Baby vom Vater in den Ofen geworfen wird. Durchwoben von "Faust"-Zitaten entsteht das Bild von Frauen, die von Männern auf die eine oder andere Weise in den Keller gebracht werden und sich auch heute kaum befreien können.

Beschränkung auf das Notwendigste

Die Regie von Philip Jenkins beschränkt die Aktionen der beiden Darstellerinnen auf das Nötigste, wodurch der scharfe, immer und in jeder Silbe punktgenaue Text im Mittelpunkt steht. Verena Lercher und Seyneb Saleh schlüpfen gekonnt in die unterschiedlichsten Positionen, sind Gretchen, Elisabeth Fritzl, vielleicht auch Natascha Kampusch, gleichzeitig auch noch Verführer, Zerstörer, böser Geist und Teufel. Das alles geschieht rasch und unaufdringlich und zieht das Publikum in eine beklemmende Spirale aus Ausweglosigkeit und sinnlosem Aufbegehren hinein. Die Erlösung aus dem Keller wird als religiös verbrämte oder einfach nur krankheitsbedingte Utopie gezeigt - und endet mit einem wenig überzeugten "What?".

Publikum zuerst eingestimmt
Um zum Spielort im obersten Stock des Theaters zu gelangen, werden die Zuschauer diesmal extra zuerst durch den Keller geführt, wohl um schon auf die Beklemmung, unter der Erde eingesperrt zu sein, einzustimmen. Das hätte es aber nicht gebraucht, die Aufführung hinterlässt auf jeden Fall einen starken Eindruck.

Info
Alle Informationen zum Stück  "FaustIn and out" von Elfriede Jelinek erhalten Sie unter schauspielhaus-graz.at.