ImPulsTanz 2015: Eröffnung im Museumsquartier

Eröffnungs-Show

ImPulsTanz: 20 Nackte im MQ

Performance mit 20 nackten Tänzern auf der Bühne im Haupthof.

Auf den ImPulsTanz-Sujets, die aktuell das Wiener Stadtbild verschönern, sind sie noch verpixelt, die nackten Körper. Bei der Festivaleröffnung im Haupthof des Museumsquartiers am Dienstagabend waren sie dann in all ihrer Pracht zu sehen, 20 an der Zahl, verschwitzt, gepudert und ständig in Bewegung gehalten von DJane und Fetttanzmeisterin Doris Uhlich. Ganz nach dem Motto: "Boom tschak!"

Wer die österreichische Choreografin Doris Uhlich kennt, der weiß um ihre Liebe für den (nackten) Körper und das schwingende "Fleisch", aus der sie ihre legendäre Fetttanztechnik entwickelt und u.a. die Ensembleperformance "more than naked" gespeist hat. Für den ImPulsTanz-Auftakt hat sie letztere unter dem Titel "Hit the boom (... 'cause it's more than summer!)" adaptiert: Erneut wacht sie als DJane am erhöhten Mischpult über 20 junge Tänzer, versorgt sie auf einer großen, quadratischen Bühne mit wummernden Technobeats ebenso wie mit Hard-Rock, Pop und Vivaldi.

Diashow: ImPulsTanz: Eröffnung im MQ

ImPulsTanz: Eröffnung im MQ

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    Begeisterung & Irritation
    Die Hüllen fallen dabei schnell, und bleiben - zur Begeisterung vieler und Irritation mancher - für den Großteil der 45-minütigen Performance auch unten. Unermüdlich tanzen und hechten die entkleideten Tänzer über die Bühne, springen sich gegenseitig in die Arme, heben einander hoch, bilden Türme, Kreise und Linien, strecken die Arme in die Luft, zur Seite und gen Publikum, als würden sie dessen Energie heraufbeschwören. Da wirbeln Haare, wackelt Fleisch, rinnt der Schweiß, klatschen nasse Körper aufeinander, und ruft Uhlich immer wieder: "Boom tschak. The body is a brain." Beeindruckend ist die Ausdauer der Tänzer, inspirierend ihr berührungsloser, verspielter Zugang zum eigenen Körper, fernab von Schönheitsidealen, Voyeurismus und Sex.

    Das animiert, ist bildgewaltig - und wirkt vor allem dank zweier Höhepunkte noch lange nach: Wenn Doris Uhlich ihren Tänzern eine kurze Pause gönnt, vor ihr Mischpult tritt, sich erhobenen Hauptes auszieht und - nur mit Stiefeletten bekleidet und ihre silberne Weste wie ein Lasso über dem Kopf kreisend - auf die leere Bühne tritt, in die Knie geht und im Stil ihrer kultigen Fetttanztechnik jede Stelle ihres Körpers zum Wackeln, Zittern und Schwabbeln bringt. Und wenn es ihre Tänzer ihr später zum Finale gleich tun, sich kollektiv in gedämpftem Licht erst mit Puder bestäuben, um dieses dann in jeder erdenklichen Pose wieder abzuschütteln. Als wäre er bestellt, setzt schließlich der Regen ein, holen die Tänzer Champagnerflaschen auf die Bühne - und vermischen sich Sprudel, Wasser und Puder zu einem fantastischen Matsch, in den sich man einer am liebsten suhlen möchte.

    Botschaft
    "Jetzt heißt es, das eigene Fleisch zu bewegen", fasst Dirk Stermann als Moderator des Abends dann noch mal das zusammen, was Uhlich & Dancers 45 Minuten lang mit ihren Körpern kommuniziert haben - und dem nur ein Bruchteil der mehr als 5.000 Besucher nachgekommen ist. Zum gewünschten "Epizentrum der Energie" wurde der leicht abgekühlte, aber trockene Haupthof leider nicht. Nur vereinzelt ließen sich Grüppchen zum Tanzen mitreißen. Dabei war Stermanns Botschaft zum Auftakt deutlich: "Lieber Herr Strache, lieber Herr Niessl, oder wie Sie alle heißen: Ab heute wird zurückgetanzt!" Sei es in Zeiten, "in der wir uns von der Welt abschotten" doch "gut, dass wir in Wien die Fenster zur Welt öffnen".

    Uhlich und ihre Tänzer haben ihren Beitrag dazu eindrücklich geleistet, haben Vielfalt und Freiheit und Lust auf die Bühne gehoben. Eine Party, wie sie die verbliebenen, vereinzelt blank ziehenden Tanzwütigen nach Ende der Performance im Hof zu Uhlichs weiterer Auflegerei veranstaltet haben, hätte man sich dementsprechend von Anfang an gewünscht. Aber: "Dieser Abend war geil, so, wie er war", weiß Stermann. Und ImPulsTanz hat ab morgen, Donnerstag, mit mehr als 120 Vorstellungen und rund 250 Workshops ein Monat Zeit, das Wiener Fleisch doch noch kollektiv in Wallung zu bringen.