Figaros Hochzeit mitten im Museum

Karl-Löbl-Kritik

Figaros Hochzeit mitten im Museum

Erfolg für Sänger und Buh-Orkan für Regie: "Figaros Hochzeit" in der Staatsoper.

Graf Almaviva ist ein großer Kunstsammler. Statt eines Bühnenbildes eine Vielfalt zeitgenössischer Gemälde, davor ein paar Requisiten. Regisseur Jean-Louis Martinoty hat wieder unendlich Gescheites im Programmheft zu sagen, jedoch auf der Bühne vor lauter Anspielungen, szenischen Fußnoten den großen Bogen der Handlung und ihre menschliche Komponente vernachlässigt.

Wie Musterschüler
Die Darsteller agieren wie Musterschüler, bemüht um jede Pointe, die ihnen vorgeschrieben wurde. Das Ergebnis: Drei Akte mit ein paar hübschen neuen Details, aber auch unsinnigen Einfällen. Der vierte Akt, die Gartenszene, spielt zwischen Blumenaquarellen und ist wie meistens unbewältigt. Dass Herr Martinoty zuletzt einen Buh-Orkan ertragen musste, scheint mir jedoch übertrieben.

Vitalität
Erwin Schrott (Graf) und Luca Pisaroni (Figaro) machen sich allmählich frei und bringen jene Portion Vitalität, die den Damen fehlt. Sylvia Schwartz (Susanna) zirpt soubrettenhaft und muss die halbe Rosenarie an Dorothea Röschmann (Gräfin) abgeben, was akustisch von Vorteil ist.

Franz Welser-Möst (Dirigent) schien nicht immer eines Sinnes mit der musikalischen Vorbereitung.