Premiere für “Tausendundeine Nacht“

"Märchenwelt Ballett"

Premiere für “Tausendundeine Nacht“

Das Ballett “TausendundeineNacht“ feierte Premiere in der Wiener Staatsoper.

Die Vorweihnachtszeit hat in der Wiener Volksoper Samstag, Abend frühzeitig begonnen. Mit "Märchenwelt Ballett" hat das Staatsballett in seinem kleineren Haus ein putziges Familienprogramm als Uraufführung herausgebracht. "Das hässliche Entlein" und "Tausendundeine Nacht" werden zu Klassikern der Programmmusik als bildreiche Tanzmärchen ab 6 Jahren auf die Bühne gestellt.

Der junge russische Tänzer Andrey Kaydanovskiy gehört schon seit einigen Jahren zu den aufstrebenden choreografischen Talenten der Wiener Compagnie. Originalität und Gespür für ebenso stimmige wie gevifte Inszenierungslösungen beweist er mit diesem "hässlichen Entlein" in jedem Fall. Von der Henne bis zum Ei und vom graupelzigen Outcast bis zum High-Society-Schwan kreierte Kaydanovskiy eine rührende und im wahrsten Wortsinn "tierisch" witzige Bewegungssprache, gliedert den Märchenprototyp der Identitätsfindung in fünf allegorischen Bildern in eine flotte Coming-of-Age-Geschichte und passt sich an Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" mit erfrischender Stummfilmästhetik an.

Weniger kurzweilig gestaltet sich der zweite Teil des Märchenabends. "Tausendundeine Nacht" hat die Ballettmeisterin und Vizedirektorin des Balletts für die Volksoper, Vesna Orlic, ihre Version von Nikolai Rimski-Korsakows oft choreografierter "Scheherazade" genannt. Ein heldenhafter Aladin, ein geschwätziger Flaschengeist, eine entführte Prinzessin und jede Menge leichte morgenländische Bekleidung sind die Inhaltsstoffe des Geschehens, das übergenau erläutert wird: Boris Eder taucht als grünbemalter Flaschengeist mal im Auditorium, mal im Harem auf und sorgt durch Vorauserzählungen der folgenden Szenen für kleine Späßchen und große Redundanzen. Liebes- und Kampfszenen, Bedrohung und Happy End hat Orlic in eine klassische, ansprechende, ausgewogene, aber wenig originelle Choreografie verpackt.

Neben dem diesmal ausschließlich aus dem Volksopern-Corps bestückten Tänzerensemble (überzeugen konnten die Hauptdarsteller, Laszlo Benedek als Entlein, Rebecca Horner als Prinzessin und Felipe Vieira als Aladin), werkte das Volksopernorchester, dessen chronische Lärmtendenz von Dirigent Guido Mancusi auch diesmal nicht gebändigt wurde. Konzertmeisterin Vesna Stankovic glänzte in der exponierten Solo-"Scheherazade" deshalb auch nur, solange sie wirklich allein spielen durfte.

Die "Mächenwelt Ballett" ist für Tanzfreunde und ihre Kinder also nunmehr in der Volksoper eröffnet - zumindest bis am 10. Dezember wieder der obligate "Nussknacker" in die Staatsoper einzieht.

Details:
"Märchenwelt Ballett", von Andrey Kaydanovskiy und Vesna Orlic. Musik von Modest Mussorgski und Nikolai Rimksi-Korsakow. Mit Laszlo Benedek, Rebecca Horner, Felipe Vieira. Dirigent: Guido Mancusi.
Weitere Vorstellungen:
am 26. und 29. Oktober, am 23., 24. und 29. November und am 17. Dezember. Infos auf: www.volksoper.at